Politik

Moskau meldet 265 Gefangene Duma-Chef lehnt Austausch von Asow-Kämpfern ab

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Das Bild wurde vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlicht. Es soll russische Soldaten mit einem gefangenen ukrainischen Soldaten aus dem Stahlwerk zeigen.

(Foto: via REUTERS)

Kiew will die gefangengenommenen Soldaten aus dem Stahlwerk in Mariupol freitauschen. Ob es dazu kommt, ist jedoch fraglich. Das russische Parlament erwägt, Kämpfer des Asow-Regiments von einem Austausch auszunehmen. Einige Angehörige dieses Regiments harrten oder harren in dem Stahlwerk aus.

Der Chef des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, hat sich nach der Gefangennahme ukrainischer Kämpfer in der Hafenstadt Mariupol gegen einen generellen Gefangenenaustausch ausgesprochen. "Nazi-Verbrecher unterliegen keinem Austausch. Das sind Kriegsverbrecher, und wir müssen alles dafür tun, sie vor Gericht zu bringen", sagte der Duma-Chef bei einer Plenarsitzung. Die Ukraine wiederum hofft auf einen Austausch der mehr als 260 eigenen Soldaten, die das seit Wochen belagerte Stahlwerk Azovstal zuvor verlassen hatten.

Einige der zuletzt noch in Mariupol ausharrenden ukrainischen Kämpfer gehören dem nationalistischen Asow-Regiment an. In Moskau wird Asow immer wieder als Rechtfertigung für den Krieg gegen die Ukraine herangezogen, der unter anderem die angebliche "Entnazifizierung" des Nachbarlands zum Ziel hat. Die Behauptung, die gesamte ukrainische Armee sei von "Nazis" dominiert, stufen Experten aber als unhaltbaren Vorwand ein.

Parlamentschef Wolodin betonte, Russland tue alles, um verletzte ukrainische Gefangene medizinisch zu versorgen und sie human zu behandeln. "Aber was die Nazis betrifft, so muss unsere Position fest bleiben, weil dies eins der Ziele der militärischen Spezialoperation ist", sagte er. In Moskau wird der Ende Februar gegen die Ukraine begonnene Krieg offiziell nur als "militärische Spezialoperation" bezeichnet. Trotzdem sprach Wolodin nun von "Kriegsgefangenen".

Derweil äußerte sich das russische Militär zur Gefangennahme der ukrainischen Soldaten aus dem Stahlwerk. "In den vergangenen 24 Stunden haben 265 Kämpfer, darunter 51 Schwerverletzte, ihre Waffen niedergelegt und sich in Gefangenschaft begeben", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Die Zahlen unterscheiden sich geringfügig von den Angaben aus Kiew. Dort war zuvor die Rede von 264 Gefangenen - unter ihnen 53 Schwerverletzte.

Das russische Ministerium veröffentlichte auch ein Video, das die Gefangennahme der Ukrainer, medizinische Behandlung sowie den Abtransport der Verletzten zeigen soll. Ob es tatsächlich zu dem von Kiew erhofften Gefangenenaustausch kommen wird, ließ Russlands Militär zunächst offen. Zuvor hatte die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Maljar erklärt, die ukrainischen Soldaten sollten zu einem späteren Zeitpunkt "ausgetauscht" werden.

Moskau: Alle Verletzten ins Krankenhaus gebracht

Alle Verletzten seien ins Krankenhaus von Nowoasowsk gebracht worden, sagte Konaschenkow. Nowoasowsk liegt östlich von Mariupol direkt an der Grenze zu Russland auf dem seit 2014 von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet. Zum Aufenthaltsort der übrigen Gefangenen machte er keine Angaben. Sie sollen nach ukrainischen Berichten in die Ortschaft Oleniwka nahe der Frontlinie gefahren sein.

Das Asow-Stahlwerk ist die letzte Bastion der ukrainischen Armee in der strategisch wichtigen Hafenstadt. In den vergangenen Wochen waren zunächst Hunderte Zivilisten aus dem riesigen Industriekomplex in Sicherheit gebracht worden. Noch immer sollen sich Hunderte Soldaten dort befinden. Was mit ihnen passiert, ist ebenso unklar.

Aufgeben sei keine Option, hatte Illja Samojlenko vom Asow-Regiment noch am vergangenen Donnerstag in den "Tagesthemen" gesagt. Der Kommandeur, der sich nach eigenen Angaben aus dem Stahlwerk meldete, betonte, "wir können uns den Russen nicht ergeben, denn das würde für uns den unmittelbaren Tod bedeuten". Das ukrainische Militär, aber auch das Asow-Regiment, würden in Russland als Terror-Organisation angesehen. "Das stimmt natürlich nicht, aber so werden wir angesehen und deswegen wäre eine Gefangenschaft in Russland für uns katastrophal." Sie würden sofort verurteilt, sagte er weiter. "Wir würden lebenslang ins Gefängnis gehen oder sie würden uns exekutieren, wie es auch schon anderen Soldaten passiert ist."

Quelle: ntv.de, hul/dpa/rts/AFP

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