Politik

Erdgasstreit im Mittelmeer Erdogan schlägt wilde Töne an

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"Geldgierige und inkompetente Anführer": Recep Tayyip Erdogan urteilt über die Amtsinhaber in Athen und Paris.

(Foto: AP)

Der Präsident der Türkei setzt im Erdgasstreit auf Konfrontation: In einer Ansprache in Ankara droht er Griechen und Franzosen indirekt mit militärischer Gewalt. "Wenn es ums Kämpfen geht", sagt Erdogan, "sind wir bereit, Märtyrer zu werden."

Im Streit um Gasvorkommen im Mittelmeer hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Tonfall gegenüber Griechenland und Frankreich nochmals verschärft. Die politisch Verantwortlichen in Athen und Paris seien "geldgierig" und "inkompetent", sagte der Staatschef in Ankara.

"Wenn es ums Kämpfen geht, sind wir bereit, Märtyrer zu werden", erklärte Erdogan in einer Rede. Er fügte hinzu: "Die Frage ist: Sind diejenigen, die sich gegen uns im Mittelmeer auflehnen, zu den gleichen Opfern bereit?"

"Akzeptiert das griechische Volk das Risiko, in dem es wegen seiner geldgierigen und inkompetenten Anführer ist?", fragte Erdogan weiter. "Weiß das französische Volk um den Preis, den es wird zahlen müssen wegen seiner geldgierigen und inkompetenten Anführer?"

Ankara und Athen streiten um unlängst entdeckte Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer. Die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Ländern sind deshalb extrem angespannt. Angesichts der Lage hat Frankreich als Zeichen seiner Unterstützung für Griechenland seine Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt.

EU-Sanktionen im September?

Die Außenminister der Europäischen Union hatten sich erst vor wenigen Tagen auf eine gemeinsame Linie geeinigt. Ein Bündel an Maßnahmen soll dazu beitragen, den Gasstreit zwischen Griechenland und der Türkei zu entschärfen. Dazu seien auch Sanktionen gegen Ankara in Vorbereitung, wie EU-Außenbeauftragte Josep Borrell nach dem informellen EU-Außenministertreffen angekündigt hatte.

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Erinnerungen an einen fast 100 Jahre alten Konflikt: Der türkische Präsident Erdogan am Grabmal Atatürks.

(Foto: via REUTERS)

Sollte die Türkei nicht einlenken, könnten die Sanktionen auf dem EU-Sondergipfel am 24. September verhängt werden, fügte er hinzu. Das Land schickt Schiffe für Erdgaserkundungen in das Gebiet, auf das auch Griechenland und Zypern Anspruch erheben. Die EU hält diese Aktivitäten für illegal.

Nach Angaben von EU-Diplomaten gab es breite Übereinstimmung der Außenminister, dass Sanktionen vorbereitet werden sollten. "Wir listen Persönlichkeiten auf, wir können eventuell auch auf bestimmte Vermögenswerte oder Schiffe zugreifen", sagte Borrell. Man könne zudem ein Verbot für die Nutzung von EU-Häfen oder Sanktionen aussprechen, die für die Energieversorgung der Türkei wichtig seien, sagte Borrell weiter.

Anlass für Erdogans Ansprache in Ankara war der 98. Jahrestag einer Entscheidungsschlacht aus dem Krieg von 1919 bis 1922. Am 30. August 1922 gelang den türkischen Truppen unter Führung des späteren Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk ein bedeutender Sieg gegen die griechischen Streitkräfte, die sich daraufhin aus dem Westen Kleinasiens zurückziehen mussten. Zum Gedenken an diesen in der Türkei sogenannten "Tag des Sieges" nahm Erdogan an einer Militärzeremonie am Mausoleum des Staatsgründers teil.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP