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Masern-Fälle in Deutschland "Impfpflicht bringt auch Probleme mit sich"

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Ein kleiner Piks kann Leben retten und vor schlimmen Krankheiten schützen.

(Foto: picture alliance / Karl-Josef Hi)

Im weltweiten Vergleich steht Deutschland bei der Masern-Impfquote bereits gut da. Doch auch bei uns ist die hochgefährliche Krankheit immer noch nicht ausgerottet. Die Kinder- und Jugendärzte sind deshalb für eine allgemeine Impfpflicht, sehen sie aber auch kritisch.

Die Nachrichten über Masernfälle in Deutschland häufen sich. Ein Gymnasium in Schleswig-Holstein musste wegen eines Masernausbruchs geschlossen werden. Eine von Masern befallene Gesamtschule in Niedersachsen hat ungeimpfte Kinder nach Hause geschickt. Und eine Kita in Nordrhein-Westfalen nimmt nur noch geimpfte Kinder auf. Eigentlich war die hochansteckende Infektionskrankheit schon auf dem Rückzug. Doch weltweit steigen die Masernfälle wieder an. 2018 haben sich die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr auf 229.000 verdoppelt, sagt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Eine bundesweite Impfpflicht gibt es bisher noch nicht in Deutschland. Als erstes Bundesland könnte Brandenburg sie einführen. SPD, Linke und CDU forderten die Landesregierung auf, das zu prüfen. Käme es so, müssten Eltern ihre Kinder, die sie in Kitas und zur Tagespflege geben, gegen Masern impfen lassen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) ist dafür, dass sich das auch deutschlandweit ändert. Viele andere Maßnahmen hätten keinen Erfolg gezeigt, sagte der Berliner Sprecher des Verbands Jakob Maske n-tv.de. "Man muss allerdings sehen, dass eine Impfpflicht auch immer Probleme mit sich bringt. Wenn sie für einzelne Impfungen gilt, geht die Teilnahmerate an den anderen Impfungen häufig zurück", so Maske.

Der Verband befürwortet auch eine generelle Pflicht für alle Impfungen, die die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt. Das habe zwar den Vorteil, dass die Impfbeteiligung bei den anderen Impfungen nicht nachlassen könne. Diese Pflicht sei aber sehr schwer durchzusetzen. "Insofern würden wir weiterhin auf die Beratung setzen und die Eltern durch gute Argumente überzeugen und dadurch eine höhere Impfbeteiligung erzeugen", so Maske.

Masern lösen Hirnentzündungen aus

Informationen zu Impfungen

Umfangreiches Material zum Thema Impfen gibt es beim Robert-Koch-Institut (RKI) und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Das RKI liefert außerdem ausführliche Antworten auf die häufigsten Einwände gegen das Impfen. Wie die Herdenimmunität funktioniert, zeigt diese Animation.

Überzeugen statt überreden ist überhaupt das Stichwort. Maske ist selbst Kinderarzt in Berlin-Schöneberg. Er und seine Kollegen erklären den Eltern, wie die Krankheiten verlaufen, gegen die geimpft wird. "In der Regel ist das so schwerwiegend, dass die Eltern von sich aus sagen, natürlich lassen wir unser Kind gegen so eine Krankheit impfen", sagt Maske. Die hoch ansteckenden Masern zum Beispiel können noch Jahre später zu potenziell tödlichen Hirnentzündungen führen. Einer von 1000 Erkrankten stirbt an der Viruserkrankung.

Zwar ist in Deutschland der Trend dank steigender Impfquoten rückläufig. Im vergangenen Jahr gab es 500 Masernfälle nach gut 900 Fällen im Jahr 2017. Doch diese reichten laut Maske noch nicht aus, um die Masern auszurotten. Das Robert Koch Institut (RKI) beobachtet, dass die Fälle derzeit stagnieren, sie liegen noch deutlich über den Eliminationszielen der WHO. So kann sich die Krankheit immer wieder ausbreiten.

*Datenschutz

Betroffen seien vor allem junge Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden und gar keine oder nur eine Impfung haben, sagt Maske. In ihrer Kindheit war die zweite Masernimpfung noch gar nicht vorgesehen. Oder sie denken heute einfach nicht daran, dass sie noch einmal gepikst werden müssen. Die Impfquote bei der zweiten Impfung liegt teilweise nur bei 30 Prozent. Die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln haben immerhin mindestens 95 Prozent der Kinder, die in die Schule kommen.

Dass die Impfquote immer noch nicht so hoch ist, wie sie sein könnte, liegt also vor allem daran, dass Impfungen schlicht vergessen werden. Aber einige Eltern seien auch falsch informiert oder ließen ihre Kinder einfach zu spät impfen, meint Maske. Dabei sei es wichtig, so früh wie möglich zu impfen, um sie so früh wie möglich vor den schweren Erkrankungen zu schützen. Denn die ganz Kleinen seien laut Maske besonders gefährdet.

Quelle: n-tv.de

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