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Mit Segen vom Gesundheitsamt NRW-Kita führt Impf-Pflicht ein

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Ohne Impfschein keine Anmeldung in der "Kinderkiste".

(Foto: picture alliance/dpa)

Für die WHO gehören Impfgegner zu den größten globalen Bedrohungen. Während die Politik seit Jahren über eine mögliche Impf-Pflicht diskutiert, macht ein privater Kita-Betreiber nun Ernst: Ab sofort werden nur noch geimpfte Kinder aufgenommen.

Eine private Kita in Nordrhein-Westfalen nimmt nur noch Kinder mit Impfschutz auf. Die "Kinderkiste" in Essen und vier weitere angeschlossene Horte mit insgesamt rund 60 Kindern nehmen ab sofort nur noch Kinder auf, die gegen gängige Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln geimpft sind. Kinder, die keinen Impfschutz hätten, würden bei der Anmeldung abgelehnt, sagte Kita-Betreiberin Jutta Behrwind.

Impfungen seien nach Ansicht des 13-köpfigen Elternrats der fünf Einrichtungen notwendig und sinnvoll. Es gebe sehr viel positive Resonanz, hieß es. Private Kita-Träger bräuchten für eine solche Vorgabe keine Genehmigung der Behörden, sagte eine Stadtsprecherin. Sie könnten ihre Verträge frei festlegen. Das Gesundheitsamt halte die Idee für gut.

Die steigende Zahl ungeimpfter Kinder lässt in der Politik immer wieder Forderungen nach einer gesetzlichen Impf-Pflicht laut werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte Impfgegner zu einer der zehn größten globalen Bedrohungen, weil vor allem die medizinisch mögliche Ausrottung der Masern durch die in den Industrieländern verbreitete Verweigerung von Impfungen verhindert werde.

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte stellte sich hinter die Forderung nach einer Impfpflicht. "Wir Kinder- und Jugendärzte erleben tatsächlich tagtäglich von den Desinformationen der Impfgegner stark verunsicherte Eltern", berichtete Verbandspräsident Thomas Fischbach. "Dies muss endlich aufhören." Nur mit einer gesetzlichen Impf-Pflicht sei das im Nationalen Aktionsplan ausgegebene Ziel zu erreichen, die Masern bis 2020 in Deutschland dauerhaft auszurotten.

Die Bundesregierung steht einer Impf-Pflicht bislang skeptisch gegenüber. Gesundheitsminister Jens Spahn selbst hatte vor einigen Jahren, damals noch als CDU-Gesundheitsexperte, eine entsprechende Regelung allerdings nicht generell abgelehnt.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP

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