Politik

Erste Rede als Kanzlerkandidat Laschet nimmt Söder in die Pflicht

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Laschet ist erleichtert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Armin Laschet ist Kanzlerkandidat der Union. In seiner ersten Rede geht es vor allem darum, die Deutungshoheit über den bitteren Wettstreit mit Markus Söder zu gewinnen: Der CDU-Chef zeigt sich richtig glücklich über die verheerenden zehn Tage, die die Union hinter sich hat.

Der Sieger schreibt die Geschichte, und zur Not schreibt er sie auch etwas um, um den eigenen Triumph noch glanzvoller erscheinen zu lassen: "Wir sind in der CDU der CSU dankbar für den guten, fairen Umgang in einer sehr weitreichenden Entscheidung", sagt der frisch gekürte Unionskanzlerkandidat Armin Laschet am Dienstagnachmittag. Nach zehn Tagen, die in der Union tiefe Wunden gerissen und den CDU-Vorsitzenden in seinen Ambitionen aufs Kanzleramt beschädigt haben, ist Dankbarkeit vielleicht nicht die erste Empfindung, die man bei Armin Laschet in Bezug auf Markus Söder und die Christsozialen vermutet.

Doch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident hat für den wuchtigen Franken nichts als warme Worte. Er wiederholt mehrfach, welche Rolle dem Bayern-Chef fortan zukommt: "Ich danke Markus Söder dafür, dass er der CDU und auch mir persönlich die Unterstützung der CSU und auch des Parteivorsitzenden der CSU zugesagt hat." Söder werde eine "zentrale Rolle" im Wahlkampf spielen. Beide Parteien würden mit einem gemeinsamen Programm antreten und ihre Vorsitzenden sich mal täglich, mal wöchentlich miteinander austauschen, sagte Laschet. Sogar ein Rollenvorbild hat Laschet für Söder parat: "Beispielsweise Friedrich Merz, der für viele, viele Millionen Menschen eine Persönlichkeit ist, die sie schätzen, dass der gesagt hat: 'Ich unterstütze dich', das zeigt: Man kann auch aus Wettbewerb am Ende so zusammenkommen, dass ein neues Team entsteht."

Die neue Transparenz

Der Kanzlerkandidat nimmt nicht nur den unterlegenen Söder in die Pflicht, er deutet seinen Sieg auch als Ausweis seiner Kompetenz und seiner Art zu führen. "Viele langjährige Mitglieder haben gesagt: So lange und so offen haben wir in diesem Gremium vielleicht noch nie diskutiert", sagt Laschet über die CDU-Vorstandssitzung am vorangegangenen Abend, bei der es mehr als 60 Wortmeldungen gab, darunter auch viele pro Söder. "Alle Positionen wurden gehört und ausgetauscht", so Laschet. "Der Bundesvorstand ist das Gremium, in dem alle vertreten sind." Der Aachener begegnet mit diesem Hinweis auch dem immer wieder vom Söder-Lager gestreuten Vorwurf, mit dem CDU-Bundesvorstand entscheide ein abgehobener Kreis "im Hinterzimmer" über die Stimmung der Basis hinweg.

Für den 60-Jährigen, der schon bei seiner Wahl zum Ministerpräsidenten des bevölkerungsreichsten Bundeslandes und seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden gegen ihn sprechende Umfragen widerlegt hatte, ist seine Nominierung zum Kanzlerkandidaten der Beleg seines integrativen Ansatzes. "Ich bin ein Mensch, der das offene Wort schätzt, und wenn man das schätzt, muss man damit leben können, wenn es dann auch ausgesprochen wird", sagt Laschet. "Man muss die Welt nehmen, wie sie ist, und unsere Welt ist eine, in der es sehr, sehr viele unterschiedliche Meinungen gibt."

Er wisse, dass viele von der Entscheidung zu seinen Gunsten enttäuscht seien. "Mit denen will ich den direkten Dialog suchen, wie ich das seit meiner Wahl zum Bundesvorsitzenden auch schon gemacht habe", kündigt Laschet an und bekundet seine Begeisterung für die Möglichkeiten digitaler Konferenzen, wie sie sich seit der Pandemie noch stärker etabliert haben. "Ich will den Dialog, ich will die innovativen Formate", sagt er.

"Zu Ihrer Freude und zu unserer Nachdenklichkeit"

In Wahrheit aber hätte sich Laschet gewünscht, dass die Debatte um seine Kandidatur gar nicht erst aufgekommen und die Entscheidung schon am Montag vergangener Woche gefallen wäre, nach der erstmaligen Sitzung von Präsidium und Vorstand. Es war Söder, der die CDU mit seinem Beharren gezwungen hat, ein breiteres Meinungsbild einzuholen; etwa in der Unionsfraktion. Laschets Stärke bestand fraglos darin, sich dieser Debatte stellen und dabei auch kränkende Kritik einstecken zu können.

Auch die von ihm gepredigte Offenheit und Transparenz hat für Laschet Grenzen: "Wir haben durch unsere gestrige Sitzung ungewollt zu einer Menge Transparenz beigetragen - zu Ihrer Freude und zu unserer Nachdenklichkeit", sagt Laschet über die Sitzung, bei der Vorstandsmitglieder Journalisten mit zahlreichen Details versorgten, einige Teilnehmer sogar Medienvertreter live mithören ließen. Die CDU-Spitze hat offenkundig ein Problem, Debatten hinter geschlossenen Türen zu führen.

Ziemiak bereitet Bühne

Dieser ungewollten Transparenz Einhalt zu gebieten, ist auch Aufgabe von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak . Diesem kommt es am Dienstag zu, Laschet der Presse als den Kanzlerkandidaten der Union anzukündigen. Ausgerufen hatte ihn da ja schon zwei Stunden zuvor Markus Söder. Ein simpler Verzicht auf die eigenen Bestrebungen sind dem CSU'ler offenkundig nicht genug, als er sich mit den Worten "Armin Laschet ist der Kanzlerkandiat der Union", als Königsmacher inszeniert.

Weil Söder aber nur über die eigenen Qualitäten spricht ("Unterstützung!", "Zuspruch!"), muss Ziemiak die Begründung für Laschets Kandidatur nachreichen: "Er hat die Kraft und die Ideen, Deutschland zu erneuern, damit Deutschland auch in Zukunft ein starkes Land ist", sagt Ziemiak. "Armin Laschet steht für Zusammenhalt, er kann führen, und er kann zusammenführen." Und: "Er hat Erfahrung als Regierungschef." Eine Karte, die die Union vor allem in der Auseinandersetzung mit der einfachen Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbock, Spitzenkandidatin der Grünen, noch öfter spielen wird. Diese Karte hätte aber auch ein Markus Söder im Ärmel gehabt.

Quelle: ntv.de

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