Politik

Und, wie war Ihre Woche so? Laschet ohne Wahlkreis, Baerbock ohne Hilfe

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Links Aachen, die anderen beiden kommen aus Potsdam.

(Foto: dpa)

Annalena Baerbock und Olaf Scholz müssen sich einen Wahlkreis teilen, aber Armin Laschet hat gar keinen. Und Jens Spahn ist in Johannesburg. Von dort betrachtet wirken die Probleme daheim überschaubar. Ein kurzer Rückblick auf die Woche.

Laschets Woche: Kandidat ohne Wahlkreis

Von Nadine to Roxel

Am Dienstag wurde Armin Laschet von seinem Landesvorstand in Düsseldorf einstimmig zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt. Listenplatz schön und gut, aber gibt's keinen Wahlkreis? Aachen I hätte er haben können, da ist er 1994 schon mal angetreten, 1998 hat er ihn wieder verloren. Aber ausgerechnet der heimatverbundene Laschet will es lieber über die Landesliste versuchen. Dabei gehört auch Burtscheid zu Aachen I. Hier ist er geboren und aufgewachsen, hier hat er sein Haus und seinen Stamm-Griechen, wo er gerne "Gyros komplett mit Pommes" holt. Jeder kennt die Laschets hier.

Und so lästert der politische Gegner prompt, Laschet traue sich womöglich nicht. In der Tat haben die Grünen in Aachen keine schlechten Chancen auf das Direktmandat. Zu Hause verlieren und dann Kanzler werden? Sähe irgendwie auch nicht so gut aus. Laschet selbst findet das alles ganz normal. "Das ist völlig üblich bei Kanzlerkandidaturen", sagt er beim Wahlkampftermin in Dessau, "Gerhard Schröder hat es zwei Mal so gemacht, Edmund Stoiber hat es so gemacht, und der eine ist davon Kanzler geworden und die Absicht hab' ich auch!"

In der CDU ist Laschet trotzdem die Ausnahme. Angela Merkel hatte einen Wahlkreis, Helmut Kohl ebenso. Und Laschets Konkurrenz, Annalena Baerbock und Olaf Scholz, treten sogar im gleichen Wahlkreis gegeneinander an.

Scholz' Woche: Unterwegs in Potsdam

Von Heike Boese

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Olaf Scholz am Freitag im Wissenschaftspark Albert Einstein in Potsdam.

(Foto: imago images/photothek)

Scholz' Wahlkreis ist der "61er" rund um Potsdam, der ein bisschen als Promi-Hotspot gilt. Neben Scholz und Baerbock geht hier FDP-Frau Linda Teuteberg ins Rennen. Allein die Liberale ist gebürtige Brandenburgerin, Scholz und Baerbock sind "Zugereiste". Aber das muss ja kein Nachteil sein. Schlesische Weber, Hugenotten, holländische Handwerker, über die Jahrhunderte haben hier viele ein neues Zuhause gefunden. Am Freitag war Scholz in seinem Wahlkreis unterwegs, genauer: im Wissenschaftspark Albert Einstein und dann in Kleinmachnow, wo er sich Pläne für Sozialen Wohnungsbau anguckte.

Scholz und seine Frau Britta Ernst leben seit 2018 in Potsdam. Das ist vor allem für sie praktisch: Als brandenburgische Bildungsministerin ist ihr Arbeitsweg mit dem Fahrrad zu schaffen. Wohnsitz und Wahlkreis im Osten, das war sicher nicht von langer Hand geplant, aber es passt ganz gut, wenn Scholz als Kanzlerkandidat "Respekt" für die Ostdeutschen und deren Lebensleistung einfordert.

Und übrigens: Auch falls er den Prestigewahlkreis nicht holen kann, muss sich Olaf Scholz über sein Bundestagsticket keine Sorgen machen. Auch er ist auf Platz 1 der Landesliste Brandenburg abgesichert. Man kann zwar auch ohne Abgeordnetenmandat zum Bundeskanzler gewählt werden, aber ein bisschen peinlich wäre es schon…

Baerbocks Woche: Abweichungen im Fahrplan

Von Philip Scupin

Am Donnerstag, beim Besuch bei RTL in Köln, zeigt Annalena Baerbock, was sie gut kann: menschlich sein, über eigene Erfahrungen plaudern. Der Moderatorin Katja Burkard erzählt sie, wie das war, damals, als Mutter eines Babys neu im Bundestag: "Das war Wahnsinn. Ich habe ein halbes Jahr lang mitten im Job, offen gesagt, Milch abgepumpt." Das ist die Sprache der Wähler. Auch sonst: Baerbock hochprofessionell. Sie hat ihre eigene Maske dabei, passt auf, dass der Kameramann sie in der Rückansicht maximal vom Kopf bis zu den Schulterblättern filmt - denn sie trägt eine kurzgeschnittene Jacke.

Doch das war nur ein Teil der Woche. Der andere ist der nervige. Baerbock wird die Geschichte um ihre nachgemeldeten Nebeneinkünfte nicht los, muss immer wieder Fragen beantworten. Und dann kommt auch noch Robert Habeck dazu. Als sie Parteichefin wurde, hat Baerbock gesagt, sie sei nicht nur die Frau an seiner Seite. Nun ist es andersrum: Habeck ist im Prinzip nur noch der Mann an der Seite der Kanzlerkandidatin. Am Dienstag aber zeigte er, was Grüne intern immer sagen: Habeck spielt im Wahlkampf auch mit. Aber so? Waffenlieferungen an die Ukraine könne man nicht ausschließen, findet er. Ein Aufschrei folgt, Baerbock distanziert sich halbherzig. Mit der Nummer hat Habeck Baerbocks ohnehin schon schwierige Woche zusätzlich sabotiert. Denn ihre möglichen Wähler finden beides doof: Politikerinnen mit Zuverdienst und deutsche Waffen im Ausland.

Der Baerbock-Zug ist sicher noch längst nicht entgleist, doch es gibt erste Abweichungen im Fahrplan. Habeck sollte Baerbock lieber wieder das ganze Spielfeld überlassen. Aktuell ist der Mann an Annalenas Seite keine Hilfe.

Spahns Woche: Reisen bildet

Von Christian Wilp, Johannesburg

Der neue Airbus A 340-300 wird in diesen Zeiten selten ausgeflogen, doch am Donnerstagabend, direkt nach dem Impfgipfel im Kanzleramt, war es soweit. Gesundheitsminister Jens Spahn reiste als Vertreter der Bundesregierung von Berlin nach Südafrika. Zustande kam diese Dienstreise bemerkenswerterweise durch den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Der möchte die Impfquote in Afrika dauerhaft verbessern - und bittet zur Verstärkung die Deutschen hinzu.

Pikant: Frankreich favorisiert die Patentfreigabe, Deutschland hingegen die Lizenzproduktion. "Spannungen sind nicht ganz auszuschließen", heißt es in deutschen Regierungskreisen, aber einen Technologietransfer gelte es zu verhindern. Immerhin: Im Ziel sind sich alle einig. Eine Impfstoff-Produktion vor Ort wäre für den ganzen Kontinent ein Segen. Selbst im Vorzeigeland Südafrika beträgt die Impfquote ein Prozent. Die Inzidenzen liegen offiziell bei 37, doch Genaues weiß niemand. Die Südafrika-Mutante grassiert nahezu ungehindert in den Townships. "Und zum Arzt geht nur, wer wirklich krank ist", berichtet eine Ärztin dem deutschen Minister. Die Lage gerate außer Kontrolle. Spahn nickt und verspricht deutsche Hilfe, auch finanzieller Art. Gleichzeitig mag er denken: Dagegen sind die Probleme daheim überschaubar. Die Reise des Ministers hat sich insofern schon gelohnt, manches relativiert sich mit etwas Abstand.

Unter der Überschrift "Und, wie war Ihre Woche so?" fassen wir immer samstags Beobachtungen aus dem Wahlkampf zusammen. Alle Parteien werden berücksichtigt, auch wenn nicht immer alle dabei sein können. Folge eins lesen Sie hier.

Quelle: ntv.de

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