Politik

Lachende Ministerin im Niger Melonen schleppende Baerbock begeistert selbst die CDU

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Schon Hollywood wusste: Wer Wassermelonen schleppt, erobert Herzen.

(Foto: picture alliance / photothek)

Im westafrikanischen Niger leiden die Menschen unter Terror, dem Klimawandel und knappen Nahrungsmitteln. Außenministerin Baerbock verspricht bei einem Besuch deutsche Unterstützung - und erobert mit ihrem herzlichen Auftritt nicht nur die Herzen der nigrischen Bevölkerung.

Es sollte um Terrorismus, Fluchtbewegungen, den Klimawandel und die Nahrungsmittelkrise gehen, doch stattdessen wurde viel und herzlich gelacht: Außenministerin Annalena Baerbock hat bei ihrem Besuch im Niger nicht nur die Herzen der nigrischen Bevölkerung gewonnen, sondern auch mächtig Eindruck in der Berliner Politblase hinterlassen - so klingen jedenfalls viele Aussagen deutscher Politikerinnen und Politiker auf Twitter.

"Wir können so dankbar sein, dass diese Frau gerade Deutschland im Ausland vertritt. Welch schönes Gesicht, in vielerlei Hinsicht! Danke", kommentiert die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli Bilder von Baerbocks Besuch in der nigrischen Ortschaft Ouallam. Dort hatte die Grünen-Politikerin eine Schule besucht und sich bei der örtlichen Bevölkerung über Klimawandel und Landwirtschaftsprojekte informiert.

Für die größte Aufmerksamkeit sorgte allerdings ein Versuch der Außenministerin, bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius die Lebensumstände der Menschen nachzuempfinden. "Zwei Eimer mit Melonen, eine Holzstange, Gluthitze: Außenministerin Baerbock lässt sich in einem Landwirtschaftsprojekt im Ouallam in Niger zeigen, welche Lasten die Frauen hier tragen müssen", kommentiert der mitgereiste Reporter Jörg Blank das Geschehen, das für viele Lacher sorgte.

Und für Respekt, selbst bei der Opposition. "Man muss neidlos anerkennen, dass es Annalena Baerbock derzeit schafft, einen neuen Stil im Auswärtigen Amt zu prägen", kommentiert Tilman Kuban, Vorsitzender der Jungen Union, die schwankenden Gehversuche der Außenministerin auf Twitter. "Echt gut!"

Dem Journalisten Stephan Detjen fiel derweil ein Wandel in der Außendarstellung des Ministeriums auf. "(Selbst-)Inszenierungen deutscher Außenpolitik 2019/2022", fasst Detjen zusammen, was auf einer Collage zu sehen ist: Baerbock lacht und scherzt mit der Bevölkerung, ihr Amtsvorgänger Heiko Maas studiert zurückgezogen Dokumente und Unterlagen. In einem anderen Tweet schreibt er: "Annalena Baerbock übt sich als Lastenträgerin in Quallam, Niger. Flüchtlinge aus Mali und nigrische Bauern pflanzen hier gemeinsam Salate, Tomaten, Melonen."

Alle Krisen an einem Ort

Die Sicherheitslage im nigrischen Nachbarland Mali gilt als kritisch. Das Auswärtige Amt warnt vor terroristischen Anschlägen im gesamten Landesgebiet. Im vergangenen Jahr putschte sich der Offizier Assimi Goïta an die Macht. Deutschland beteiligt sich mit insgesamt 1.100 Soldatinnen und Soldaten an einer Friedens- und Ausbildungsmission.

"Terrorismus, die Klima- und die Nahrungsmittelkrise - das sind alles globale Krisen, die sich hier vor Ort auf eine dramatische Art und Weise bündeln", hatte Baerbock zuvor im offiziellen Teil ihrer Reise erklärt, nach einem Treffen mit ihrem nigrischen Kollegen Hassoumi Massoudou in der Hauptstadt Niamey. Die Klimakrise bedeute in der Sahel-Region konkret "Leid, Hunger und Vertreibung".

38 Millionen Menschen würden in Westafrika in den nächsten Monaten Hunger leiden - dreimal so viele wie noch vor drei Jahren, sagte Baerbock. "Wir sehen, was auf Sie und damit, was auf uns als Welt zukommt." Die Ministerin versicherte: "Wir lassen Sie damit nicht allein."

Die Bundesregierung habe kürzlich für die Sahelregion 50 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zusätzlich auf den Weg gebracht und weitere 50 Millionen Euro für Entwicklungszusammenarbeit. Weder die Klima- noch die Lebensmittelkrise und auch der Terror machten vor Grenzen halt. Umso wichtiger sei es, nicht nur isoliert auf einzelne Länder, sondern auf die ganze Region zu schauen.

"Hurrikan in den Griff bekommen"

Beim Besuch des Flüchtlingsprojekts in Ouallam rief Baerbock außerdem zum internationalen Kampf gegen die drohende Hungerkrise in Afrika auf. Angesichts explodierender Lebensmittelpreise als Folge der russischen Invasion in die Ukraine und zunehmender Auswirkungen des Klimawandels in Afrika sagte sie: "Wir haben eine Verantwortung dafür, dass dieser Hurrikan von Krisen irgendwie in den Griff bekommen wird hier vor Ort."

Durch den Klimawandel kämpft der Niger zudem regelmäßig mit Starkregenereignissen in noch nie da gewesenem Ausmaß und immer häufigeren Dürren. Wissenschaftliche Voraussagen des Klimawandels erwarten für das Land einen Temperaturanstieg von bis zu fünf Grad bis zum Ende des Jahrhunderts sowie immer längere Hitzeperioden. Die frühere französische Kolonie gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Land hat 23 Millionen Einwohner, es steht beim Index der menschlichen Entwicklung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) auf dem letzten Platz von 189 Ländern.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

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