Politik

Grenze zu Ukraine hochgerüstet Nato zweifelt an russischem Truppen-Abzug

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Russische Truppenanlandeübung auf der Krim am 22. April: Die Nato beobachtet, ob der Rückzug tatsächlich einer ist.

(Foto: AP)

Nach dem russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine sollte jetzt der Rückzug folgen. Die Nato will aber noch keine Entwarnung geben und hält sogar einen Scheinabzug für möglich. Doch auch in Europa marschieren Tausende Soldaten auf: Das US-Militär hält ebenfalls eine Großübung ab.

Die russische Truppenpräsenz entlang der Grenze zur Ukraine ist nach Einschätzung der Nato noch immer signifikant hoch. "Wir haben eine gewisse Reduzierung der Zahl der russischen Truppen erlebt, aber Zehntausende bleiben, und wir sehen auch, dass Russland viele Waffen und Ausrüstung dagelassen hat", sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Rande von Gesprächen mit den Verteidigungsministern der EU-Staaten in Brüssel. Insgesamt gebe es "heute viel mehr russische Truppen in und um die Ukraine als vor dem jüngsten Anstieg der Spannungen".

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, sie habe den festen Eindruck, dass es eine Strategie der russischen Seite sei, "immer wieder zu versuchen zu provozieren". Die Ukraine, aber auch die Nato und Europa seien gut beraten, sich auf dieses Spiel nicht einzulassen. Ob es sich bei den jüngsten Entwicklungen um eine "Scheinentspannung" handele oder ob von Seiten Russlands wieder eskaliert werde, werde man in den nächsten Wochen sehen.

Nach einem großen russischen Truppenaufmarsch entlang der Grenze zur Ukraine hatte es zuletzt international die Sorge gegeben, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erneut eskalieren könnte. Der Konflikt hat dazu geführt, dass seit knapp sieben Jahren Teile der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk entlang der russischen Grenze von moskautreuen Separatisten kontrolliert werden. Russland hatte sich 2014 zudem die Schwarzmeerhalbinsel Krim mit ihren mehr als zwei Millionen Einwohnern einverleibt. Den jüngsten Truppenaufmarsch erklärte die Regierung in Moskau mit Militärmanövern. Vor rund zwei Wochen war angekündigt worden, dass beteiligte Soldaten wieder in ihre angestammten Militärbasen zurückkehren würden.

Estland sieht Luftraum verletzt

Derweil beschwerte sich das baltische Nato-Mitglied Estland bei Russland, weil ein Flugzeug des Typs Iljuschin Il-96 seinen Luftraum verletzt haben soll. Das Außenamt in Tallinn habe wegen des Vorfalls den russischen Botschafter in Estland einbestellt und eine Note übergeben, teilte die estnische Armee mit. Den Angaben zufolge ereignete sich der Vorfall am Mittwochmorgen nahe der Ostsee-Insel Vaindloo. Er habe weniger als eine Minute gedauert. Bereits Anfang Februar war es an derselben Stelle zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Moskau bestritt damals die estnische Darstellung.

In Europa läuft seit Dienstag eine riesige US-geführte Militärübung an. Nach Angaben der amerikanischen Streitkräfte werden in den nächsten Wochen im Rahmen von "Defender Europe 21" mehr als 28.000 Soldaten aus Nato- und Partnerländern gemeinsam trainieren. Schauplatz sind vor allem Übungsplätze in südosteuropäischen Ländern wie Albanien, Kroatien, Bulgarien und Bosnien-Herzegowina. In Deutschland sollen gegen Ende des Monats Soldaten aus den USA in Nürnberg eintreffen. Anfang Juni ist dann auf dem Truppenübungsplatz Baumholder in Rheinland-Pfalz ein Übungsteil zum Abtransport von Verletzten geplant. Die Bundeswehr beteiligt sich vor allem durch Unterstützungsleistungen für die Verlegung der amerikanischen Streitkräfte an der Übung. Zudem sind Fallschirmjäger des Heeres bei einer der Teilübungen dabei.

.Die "Defender"-Übung war eigentlich als die größte Verlegeübung der US-Streitkräfte seit dem Ende des Kalten Krieges angelegt gewesen. Ursprünglich sollten an ihr insgesamt rund 37.000 Soldaten teilnehmen. Wegen der Corona-Pandemie wurde ein Großteil der Übungsteile aber abgesagt.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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