Politik

Söder als Retter in der Not? Nicht mal Elon Musk kann Laschet derzeit helfen

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Energieexperte Elon Musk trifft auf CDU-Chef Armin Laschet.

(Foto: dpa)

Der Wahlkampf von CDU-Chef Laschet läuft nach einem klaren Muster: Erst war er glücklos, dann kam auch noch Pech dazu. Zumindest aktuell zieht er die Union nach unten.

Eigentlich ist nur eine Frage erlaubt, als Unionskanzlerkandidat Armin Laschet und Tesla-Chef Elon Musk nach einem Werksbesuch in Grünheide bei Berlin vor die versammelten Journalisten treten. Und die ist dann auch noch reichlich fies.

Vor ein paar Monaten habe er, Laschet, gesagt, dass dem Elektroauto nicht die Zukunft gehöre. Ob er nach seinem Besuch der Tesla-Baustelle bei dieser Einschätzung bleibe, will ein Journalist wissen. Der CDU-Chef wendet sich kurz an Elon Musk und übersetzt ihm die Frage. Was ist die Zukunft des Autos, Wasserstoff oder Elektromobilität? "Oh, definitiv Elektromobilität", lacht Musk, "Wasserstoff ist Zeitverschwendung - offensichtlich."

Während Musk noch gackert, führt Laschet aus, dass es einen wissenschaftlichen Streit zum Thema gebe. Doch mit Blick auf PKWs ist dieser Streit längst entschieden. Trotzdem hatte Laschet dem "Handelsblatt" vor ein paar Monaten über Elektromobilität gesagt, er glaube nicht, "dass dies die Mobilitätsform der nächsten 30 Jahre sein wird". Diese Bemerkung sei eine Vermutung gewesen, rudert Laschet nun zurück. "Aber was sich durchsetzt, werden die klügsten Wissenschaftler, Forscher, Tüftler, Erfinder uns zeigen."

"Man kann das erahnen"

Wenn's nicht läuft, dann läuft es einfach nicht. Das gilt nicht nur, wenn Laschet Antworten gibt, sondern auch, wenn er sie verweigert. In einem am Donnerstag veröffentlichten Ausschnitt einer Diskussionsrunde der Münchner Sicherheitskonferenz waren die drei Kanzlerkandidaten gefragt worden, wohin sie ihre erste Reise als Kanzler oder Kanzlerin unternehmen würden. Die Grüne Annalena Baerbock würde nach Brüssel fahren, weil deutsche Außenpolitik immer auch eine europäische sein müsse. SPD-Kandidat Olaf Scholz würde nach Paris fahren, weil die deutsch-französische Zusammenarbeit zentral dafür sei, Europa voranzubringen.

Nur Laschet drückte sich vor einer Antwort. "Das würde ich erst dann machen, wenn es soweit ist", sagte er. "Man kann das erahnen, aber ich mache es erst, wenn es soweit ist."

Natürlich sollte man die Rolle der sozialen Medien nicht überbewerten. Aber für beide Auftritte, für die Antwort vor der Tesla-Baustelle ebenso wie für die verweigerte Antwort zu seiner ersten Auslandsreise, erntete Laschet dort heftige Kritik. Zu gut passen die Szenen ins Bild eines Wahlkampfes, der erst glücklos war und dann auch noch Pech hatte. Der lange Streit mit dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder, die ungeschickten Auftritte in den Hochwassergebieten, vor allem das von Kameras eingefangene Lachen - dem Wahlkampf der CDU ist es bislang nicht gelungen, Laschet ein Image zu verpassen, das bei einer Mehrheit der Wählerinnen und Wähler funktioniert. Laschet, der verlässliche Staatsmann, der abwägende Moderator, der krisenfeste Politik-Profi, der sich in der Diskussionsrunde und in Grünheide vermutlich zeigen wollte - sie alle sind in diesem Wahlkampf bisher nicht aufgetaucht.

Er zieht die Union nach unten

Zumindest wird er so nicht wahrgenommen. Im aktuellen ZDF-Politibarometer erreicht Laschet bei der Frage, wen man am liebster als Kanzler oder Kanzlerin hätte, nur 21 Prozent. Damit liegt er zwar vor Baerbock, aber weit abgeschlagen hinter Scholz, der 44 Prozent erreicht. Dass die Union in dieser Umfrage noch bei 26 Prozent liegt, dürfte nur ein schwacher Trost sein. Denn erstens ist das weit unter dem Anspruch, den Söder im April klar definiert hatte: "Es muss schon ein Ergebnis sein, das deutlich über 30 Prozent liegt - näher an 35 Prozent", sagte er damals der "Süddeutschen Zeitung". Und zweitens hat Scholz im Gegensatz zu Laschet ein Momentum, das nach oben geht. Der Finanzminister ist zwar beliebter als seine Partei. Aber mittlerweile profitiert auch die SPD von Scholz: Von 16 auf 19 Prozent ging es für die SPD im jüngsten RTL/ntv-Trendbarometer.

Laschet scheint die Union - zumindest derzeit - eher nach unten zu ziehen. Im Trendbarometer sagten 50 Prozent der Wahlberechtigten, Laschet solle seine Kandidatur zugunsten von Söder aufgeben. Nur 35 Prozent fanden, er solle daran festhalten. Noch deutlicher fällt das Ergebnis unter den Anhängern der Union aus, die doch eigentlich von ihrem Kanzlerkandidaten begeistert sein sollten: 59 Prozent der CDU-Anhänger und 64 Prozent der CSU-Anhänger fänden es richtig, wenn Laschet die Kanzlerkandidatur Söder überließe.

Wie realistisch ist das? Als diese Debatte vor vier Wochen über die Grünen geführt wurde, tat Baerbocks Co-Chef Robert Habeck das als "Kokolores" ab. Von Söder dagegen kommt nicht Unterstützung für Laschet, sondern Sticheleien.

"Ich bin nicht enttäuscht von Laschet", sagt Philipp Amthor

Vergleichbar sind die Situationen der beiden Parteien ohnehin nicht. "Wir haben den Anspruch, ums Kanzleramt zu kämpfen, aber vor allem geht es darum, in die Regierung zu kommen", sagte Habeck kürzlich im ZDF. Bei der Union ist das völlig anders, das Kanzleramt ist ihr Minimalziel. Je niedriger die Umfragewerte, umso stärker steigt die Nervosität.

Offiziell ist das alles kein Thema. "Ich bin nicht enttäuscht von Armin Laschet", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor im "Frühstart" bei ntv. Aber dann nennt er zwei Namen, die ihm politisch näherstehen: "Auch wer Söder oder Merz will, wer diese Politik will, der muss die CDU wählen." Laschet als Argument reicht offenbar nicht mehr.

Andere CDU-Politiker äußern sich deutlich kritischer. "Als Union haben wir es bisher nicht geschafft, den Bürgern deutlich zu machen, dass wir mit Armin Laschet das beste Personalangebot und das beste inhaltliche Angebot haben. Da müssen wir nachlegen", sagte Amthors Fraktionskollege Marco Wanderwitz der "Rheinischen Post". Und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther, der eigentlich zum Laschet-Lager zählt, sagt dem "Handelsblatt", die Union werde derzeit ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht.

Was wäre, wenn Söder übernimmt?

Solche Zitate sind noch keine Auflösungserscheinungen, natürlich nicht. Aber der Gedanke ist in der Welt: Was wäre, wenn Söder Laschet als Kanzlerkandidaten ersetzen würde? Forsa-Chef Manfred Güllner, dessen Institut das Trendbarometer ermittelt, hält das für eine gute Idee. Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" sagte er, dies wäre ein Signal, dass die Union die Menschen doch noch ernst nimmt. "Mit Söder erhielte die Union jetzt den entscheidenden Schub. Sie käme verlässlich auf mehr als 30 Prozent." Der CSU-Chef wäre für die Unionsparteien "der Garant fürs Kanzleramt", so Güllner. Der "Tagesspiegel" sieht das ähnlich: Nur noch ein Prozentpunkt weniger, "und dann werden sich die CDU-Führungsgremien wohl gegen ihren eigenen Vorsitzenden wenden", mutmaßt die Zeitung in einem Kommentar.

Vor der Tesla-Baustelle wird unterdessen eine weitere Frage gestellt. "Mr. Musk, Sie sind eine sehr energetische Person, Sie sind ein Experte für Energie", ruft ein Journalist, als eigentlich schon Schluss sein soll mit dem kurzen Auftritt vor der Presse. Laschets Wahlkampagne scheine Energie vermissen zu lassen, fährt er fort. Ob Musk einen Vorschlag für Laschet habe? Wieder lacht der Tesla-Chef. Dieser Termin verbreite doch Energie. Das hofft Laschet vermutlich auch.

Quelle: ntv.de

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