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"Das ist nur der Anfang" Satellitenbilder zeigen Zerstörungen auf der Krim

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Ist es nur ein Verstoß gegen die Brandschutzbestimmungen - oder doch ein erfolgreicher ukrainischer Angriff und einer der verheerendsten Tage der russischen Luftwaffe? Satellitenbilder legen nun zumindest nahe, dass Russland auf der Krim etliche Jets verliert.

Nach den Explosionen auf einer Militärbasis der von Russland annektierten Krim, zeigen erste westliche Satellitenbilder das Ausmaß der Zerstörung. Nach Einschätzung von Experten belegen die Bilder des Stützpunkts Saki, dass Russland viele der dort stationierten Jets verloren hat.

Wie der Sender CNN schreibt, zeigten die Bilder von Planet Labs, dass Russland mindestens sieben Flugzeuge verloren habe. Weitere Flugzeuge auf der Start- und Landebahn scheinen demnach unversehrt zu sein. CNN spricht von einem der möglicherweise "verheerendsten Tage für die russische Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg". Nach Angaben der Behörden der Krim wurden bei der Explosion mindestens eine Person getötet und mehrere verletzt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von neun russischen Kampfflugzeugen, die auf der Krim zerstört worden seien. Das Verteidigungsministerium in Kiew vermutete zuvor sogar eine höhere Zahl. Es seien mindestens zehn russische Flugzeuge zerstört worden, sagte der Sprecher des ukrainischen Luftwaffenstabs, Jurij Ihnat, am Mittwoch im Fernsehen. Die ukrainische Führung räumt nicht offiziell ein, für die Anschläge auf der Krim oder auf russischem Gebiet verantwortlich zu sein. Aber verkneifen können sich viele in Kiew die Freude nicht. "Das ist nur der Anfang", schrieb der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak auf Twitter.

Russland beharrt auf Unfall-These

Bei dem immer noch rätselhaften Vorfall haben nach inoffiziellen Angaben Kiew-treue Partisanen eine Rolle gespielt. Russland bestreitet bislang, dass es sich um einen Angriff handelt. Offiziellen Angaben aus Moskau zufolge ist ein Verstoß gegen die Brandschutzregeln die Ursache der jüngsten Explosionen. Schon als im April die "Moskwa", das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, sank, nannte das Verteidigungsministerium in Moskau einen solchen Grund. Allerdings gilt als sicher, dass die ukrainische Armee das Schiff mit Harpoon-Raketen aus US-Produktion versenkte.

Die Krim gehört völkerrechtlich zur Ukraine, doch Russland sieht sie wegen der strategisch wichtigen Lage im Schwarzen Meer traditionell als seinen Einflussbereich. Schon seit Zarenzeiten ist die Krim Sitz der russischen Schwarzmeerflotte, die dort auch nach dem Zerfall der Sowjetunion stationiert war. 2014 annektierte Russland die Halbinsel und baute dort die Militärpräsenz massiv aus. Die Ukraine fordert die Rückgabe der Krim und hat Russlands Forderungen nach einem Verzicht stets abgelehnt.

Anschläge auf russische Einrichtungen in besetzten Gebieten

Auch aus anderen besetzten Gebieten gibt es Berichte über Anschläge auf russische Einrichtungen und auf Ukrainer, die mit der Besatzung kooperieren. In der besetzten Stadt Melitopol im Süden ereigneten sich nach ukrainischen Berichten am Mittwochabend zwei Explosionen. Die Zufahrten zur örtlichen Polizeizentrale seien gesperrt worden. Russische Quellen deuteten die lauten Explosionen als Feuer der Flugabwehr. Unabhängige Berichte dazu gab es nicht.

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Selenskyj äußerte die Erwartung, dass die russischen Besatzer bald die Flucht ergreifen. "Sie haben bereits das Gefühl, dass die Zeit gekommen ist, aus Cherson und im Allgemeinen aus dem Süden unseres Landes zu fliehen. Es wird eine Zeit geben, in der sie aus dem Gebiet Charkiw, aus dem Donbass und von der Krim fliehen werden."

Selenskyj rief zudem die Bewohner der von Russland besetzten Gebiete zum Widerstand auf. Sie sollten den ukrainischen Streitkräften über sichere Kanäle Informationen zum Feind oder über Kollaborateure übermitteln, sagte Selenskyj. Die Kriegsdauer hänge von den russischen Verlusten ab. "Je höher die Verluste der Okkupanten sind, desto schneller können wir unser Land befreien", sagte er. Dies wiederum hänge von der Militärhilfe für die Ukraine ab. Je entschiedener sie ausfalle, desto eher könnten die Ukraine und Europa wieder in Frieden leben.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/AFP

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