Politik

"In euren Banken liegt das Geld" Selenskyj appelliert an Schweiz - und kritisiert Nestlé

9299b573ea60edd0bc4d4668c20f3e2c.jpg

Selenskyj war per Videobotschaft auf den Platz vor dem Schweizer Parlament zugeschaltet.

(Foto: dpa)

Nach wie vor gibt es schwerreiche und kremlnahe Russen, die in der Schweiz Geschäfte machen können. In einer Video-Rede vor Tausenden Demonstranten in Bern fordert der ukrainische Präsident Sanktionen gegen diese Oligarchen. Auch richtet er eine Botschaft an einige Schweizer Unternehmen.

Vor Tausenden Antikriegs-Demonstranten in Bern hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Schweizer Regierung aufgerufen, die Konten aller russischen Oligarchen zu sperren. "Auch das ist ein Kampf gegen das Böse", sagte Selenskyj. Er war live zugeschaltet, während auf dem Platz vor dem Schweizer Parlament mehrere Tausend Menschen mit vielen ukrainischen Flaggen gegen den russischen Krieg gegen die Ukraine demonstrierten.

"In euren Banken liegt das Geld der Leute, die diesen Krieg entfesselt haben", sagte Selenskyj. Er verwies auf die Bombardierungen ukrainischer Städte. "Sie werden auf Befehl von Menschen zerstört, die in europäischen, in schönen Schweizer Städten leben, die Eigentum in Ihren Städten genießen. Es wäre wirklich gut, ihnen dieses Privileg zu entziehen", sagte er weiter.

Selenskyj war hinter einem Schreibtisch in einem kurzärmeligen Tarnfarben-T-Shirt zu sehen. Als er die Sperrung von Oligarchen-Konten forderte, brandete großer Applaus auf. Die Schweiz hat sich den europäischen Sanktionen weitgehend angeschlossen. Es gibt aber weitere schwerreiche Russen, die in der Schweiz Geschäfte machen, denen eine Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt wird und die bislang keinen Sanktionen unterliegen.

Der ukrainische Präsident kritisierte Schweizer Unternehmen wie den Nahrungsmittelkonzern Nestlé, der beschlossen hat, sich vorerst nicht wie viele andere Firmen aus Russland zurückzuziehen. Er warf ihnen vor, ihr Geschäft in Russland wie gewohnt fortzusetzen, obwohl im Ukraine-Krieg "unsere Kinder sterben und unsere Städte zerstört werden".

Nach Selenskyjs Angaben sind durch die russischen Angriffe bis zum heutigen Samstag 112 Kinder und Jugendliche ums Leben gekommen. Das Büro der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte hatte bislang gut 60 Todesfälle unter Minderjährigen dokumentiert. Es braucht aber oft Tage, um gemeldete Todesfälle unabhängig zu überprüfen.

Der Schweizer Präsident Ignazio Cassis hatte Selenskyj persönlich von einer Bühne auf dem Bundesplatz begrüßt. "Wir sind beeindruckt von dem Mut, mit dem dein Volk für Freiheit und Frieden kämpft", sagte er. "Wir sind beeindruckt, wie ihr die Grundwerte der freien Welt verteidigt, die auch unsere Grundwerte sind."

Quelle: ntv.de, mbe/dpa/rts/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen