Politik

Abstruser US-Wahlkampf Wem dient das Coronavirus?

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US-Präsident Donald Trump reagierte zunächst kaum auf die Coronavirus-Pandemie.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Die Coronavirus-Pandemie bestimmt auch den Wahlkampf in den USA. Von den Vorwahlen der Demokraten spricht keiner mehr im Land. Stattdessen sind erstaunliche Geschichten von den Republikanern zu hören.

Komische Zeiten. Draußen dräuen dunkle Wolken am Himmel, oben in Neuengland fallen die Schneeflocken, in Washington D.C. nur nasskalter Regen. Es ist das passende Wetter zum beginnenden Seuchen-Frühling. Spring time for Corona.

Da sitzt man also im Homeoffice, hört, dass nun auch der Gouverneur von Maryland alle nicht-essenziellen Geschäfte schließt und sinniert über die trübe Frage: Ist das Virus nun eigentlich republikanisch oder demokratisch? Wird es Gewinner geben? Schließlich befinden sich die USA nicht nur in einer Krise, sondern auch im Wahlkampf. Und all das auch noch unter einem Präsidenten namens Donald Trump.

Der hatte noch vor kurzer Zeit aufgeklärt, dass, wenn der Frühling kommt, Corona geht. Also spätestens im April, wenn hier die Kirschbäume so schön blühen. Dann, so Trump, sei es mit dem Virus ja "wundersamer Weise" vorbei. Vorher hatte er noch aus dem üblichen Reflex Einreisen aus China verboten.

Das war zwar richtig, der Erreger aber schon im Land. Ansonsten galt für Trump lange Wochen: Corona? Democratic hoax - Schwindel der Demokraten, Angstmache der "Fake News"-Medien, der letzte Trick des liberalen Establishments, um von seiner hervorragenden Wirtschaftsbilanz abzulenken. Und auf dem Nachrichtensender Fox News hieß es tagelang über die Warnung der Seuchen-Mediziner und demokratischer Gouverneure: Nichts als ein erneuter Impeachment-Versuch.

Coronavirus-Tests im Senat

Was geht einem also durch den Kopf, angesichts dieser Erfahrung der letzten Wochen? Wenn man hört, dass Rand Paul das Virus in sich hat. Rand Paul, das muss man wissen, ist nicht nur einer aus Donald Trumps Truppe. Nein, der Senator aus Kentucky ist ein ganz spezieller Vertreter der heutigen Republikanischen Partei: Paul ist die Speerspitze des libertären Flügels, also eine Art neoliberaler Rechts-Anarchist, für den alles Staatliche des Teufels ist, selbst in Zeiten der Pandemie.

Ganz der Ideologe, stimmte Rand Paul denn auch gegen das erste Corona-Hilfsprogramm. Schließlich ging das ja nicht nur aus einer Initiative von Nancy Pelosis Demokraten hervor, sondern beinhaltete auch noch Finanzmittel für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, erweitertes Arbeitslosengeld oder kostenlose Coronavirus-Tests. Ja, wo bleibt denn da unsere Freiheit, wenn wir noch nicht einmal ohne Einmischung des Staates vor die Hunde gehen können?

Jener Rand Paul war ein typischer Vertreter seiner Republikanischen Partei, als er Donald Trump vor dessen Wahlsieg 2016 einen "orangenen Windbeutel" nannte, dann aber während des Amtsenthebungsverfahrens ganz demonstrativ und zum Zeichen seiner treuen Gefolgschaft während der Sitzungen Kreuzworträtsel löste. Nun ist er erkrankt: Covid-19, Coronavirus-Test positiv.

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Erschütternd ist aber nicht Pauls Krankheit, sondern wie der republikanische Senator und studierte Mediziner (!) damit umging. Dass er möglicherweise mit dem Erreger in Kontakt kam, wusste er seit vielen Tagen. Dennoch ging er über eine Woche lang im Senat ein und aus. Er arbeitete nicht nur in seinem Büro, sondern tummelte sich auch im Plenum und ertüchtigte sich schwitzend im Fitnesscenter des Parlaments, schwamm im Swimmingpool der Volksvertreter. All das während er auf die Ergebnisse seines Corona-Tests wartete.

Börsenkurse wie vor Amtsantritt

So holt das Virus also die Republikaner ein. Denn nicht nur Senator Paul ist nun außer Gefecht gesetzt, sondern auch seine Parteikollegen Mike Lee und Mitt Romney, mit denen er in den letzten Tagen engeren Kontakt hatte. "Mitt Romney ist in Selbst-Quarantäne?", fragte Donald Trump beim täglichen Coronavirus-Briefing, um dann nachzuschieben: "Gee, that's too bad." Das "zu Schade" war angeblich nicht sarkastisch gemeint, allgemein aber als genau das verstanden worden. Ist Romney doch einer der wenigen offenen Trump-Kritiker in seiner Partei.

Auch in den USA gilt: Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Mut zu schwierigen Entscheidungen, Führungskraft - darauf kommt es an. Politiker können aus einer Krise gestärkt hervorgehen oder mit ihr untergehen. In diesen Zeiten geht es nicht nur um einen kühlen Kopf, die richtigen Weichenstellungen, sondern auch um Charakter.

Donald Trump hat mittlerweile begriffen, dass die Krise echt ist. Seine Wirtschaftsbilanz ist dem Virus erlegen. Die Kurse an der Wall Street, derer er sich immer gerühmt hatte, sind heute niedriger als zu seinem Amtsantritt. Millionen Menschen werden in den nächsten Tagen ihren Job verlieren. Niemand spricht mehr von Joe Biden und dem Vorwahlkampf der Demokraten. Die Bühne gehört dem Oberkommandierenden, dem "Kriegspräsidenten", wie sich Trump selbst bezeichnet.

Das Coronavirus wird den Wahlkampf entscheiden. Nach allen Lehren der Politik zugunsten des Amtsinhabers. Aber gilt das auch für Donald Trump und seine Parteifreunde?

Quelle: ntv.de