Ratgeber
Mittwoch, 02. Juni 2010

Die Kleinen triumphieren: Bank des Jahres 2010

Das Herz der Kunden schlägt für die GLS Bank: Sie gewinnt unsere Leserumfrage zur "Bank des Jahres 2010". Welche Bank bietet die höchsten Zinsen, das attraktivste Girokonto, den schnellsten Wertpapierhandel und die günstigsten Kredite? Und vor allem: Welches Institut ist die beliebteste Hausbank der Deutschen? n-tv und BÖRSE ONLINE riefen von Ende März bis Anfang Mai gemeinsam zur Wahl der "Bank des Jahres 2010" auf – und mehr als 33 700 Teilnehmer haben ihre Institute bewertet. Die Umfrage fand zum ersten Mal statt. Der Siegerbank der nicht repräsentativen Studie ist zwar längst keine Unbekannte mehr, dennoch ist die GLS Bank mit 80 000 Kunden nur ein kleiner Anbieter am Markt. Die Deutsche Bank hat mehr als hundertmal so vielen Kunden, landete aber auf Platz 21.

"Man kann die Kunden der GLS Bank schon fast als Fans dieser Bank bezeichnen", sagt Stefan Henrichsmeier, vom Aachener Marktforschungs- und Beratungsunternehmen team steffenhagen, der mit seinem Team die Umfrage betreute.

Damit nicht genug: Die GLS Bank trägt nicht nur in der Kategorie Hausbank den Sieg davon, sondern auch bei Girokonten und Sparanlagen. In den Kategorien Wertpapiergeschäft und Ratenkredit siegt die Direktbank ING-Diba, bei Darlehen die Sparda-Bank München.

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Wer jetzt erwartet, dass das Angebot der GLS Bank besonders günstig ist oder sich durch exorbitant hohe Sparzinsen auszeichnet, wird enttäuscht. Es ist die Orientierung an Nachhaltigkeitsthemen, die der Kundschaft der Bank so gut gefällt. Dass die Zinsen für Kreditnehmer wie für Sparer "nur" guter Marktdurchschnitt sind, scheint sie nicht zu stören.

Auffällig: "Mehr als 50 Prozent der Befragten mit einem Konto bei der GLS Bank sind jünger als 35 Jahre", sagt Henrichsmeier. "Die Kundschaft von ökologisch-sozialen Banken wie der GLS Bank ist durchwegs gut ausgebildet, hat überdurchschnittlich hohe Einkommen und macht sich Gedanken um ihre Umwelt und die Zukunft der Gesellschaft", weiß Katrin Lumma, von der Bankberatung zeb Rolfes Schierenbeck. Was nach einer kleinen Gruppe klingt, nennt Lumma einen riesigen Markt. Laut Umfragen möchten mehr als zehn Prozent der Deutschen, dass ihr Geld Gutes tut und nicht in wenig greifbaren Spekulationen um den Globus geistert.

"Auch große Banken werden sich diesem Trend mittelfristig nicht verschließen können", prognostiziert die Beraterin von zeb Rolfes Schierenbeck. Das Ergebnis unserer Umfrage belegt, dass mit der Finanzkrise das Vertrauen in die Großbanken bei vielen Kunden gesunken ist. "Sie schneiden auffällig schwach ab, ähnliches gilt aber auch für die Sparkassen in ihrer Gesamtheit", sagt Henrichsmeier.

In der Kundengunst stehen insbesondere Institute aus dem genossenschaftlichen Sektor oben. Die konzentrieren sich in ihrer Geschäftspolitik auf ein Privatkundengeschäft ohne viel Schnickschnack, aber mit lokaler Nähe, allen voran die PSD-Banken und die Sparda-Banken.

Unterteilt nach Institutsgruppen liegen die Genossenschaftsbanken wie Sparda- und PSD-Banken ganz knapp vor den Direktbanken.Die Großbanken erhalten die Quittung für die Finanzkrise – die Sparkassen allerdings auch.
Unterteilt nach Institutsgruppen liegen die Genossenschaftsbanken wie Sparda- und PSD-Banken ganz knapp vor den Direktbanken.Die Großbanken erhalten die Quittung für die Finanzkrise – die Sparkassen allerdings auch.

Denkbar knapp dahinter rangiert die Gruppe der Direktbanken, die seit Jahren viele Neukunden anziehen können. Der Kundenzustrom speist sich nach Angaben dieser Institute anhaltend stark aus der Sparkassenklientel. Zwar können gerade die Sparkassen mit lokaler Nähe punkten, doch dieser Bonus scheint sich – anders als bei den Genossen – nicht in größerer Kundenzufriedenheit niederzuschlagen.

Insgesamt schneiden die Sparkassen zusammengenommen in unserem Vergleich am schwächsten ab. Bildet man einen Durchschnittswert über alle Sparkassen, so wurden sie um eine ganze Schulnote schlechter bewertet als die siegreichen Genossenschaftsbanken. Diese Durchschnittsbildung war nötig, da kaum eine Sparkasse das erforderliche Quorum von 100 Benotungen auf sich vereinen konnte. Dies war die Voraussetzung dafür, um in unseren Vergleich aufgenommen zu werden.

In Summe nahmen in der wichtigsten Kategorie "Hausbank" 26 regionale oder bundesweit aktive Banken die Hürde von 100 Stimmen. In der Kategorie Sparanlagen waren es sogar 31 Institute, da sich auch Banken mit Spezialisierung auf Sparprodukte wie etwa die Bank of Scotland, die NIBC Bank sowie die Autobanken BMW-Bank und Mercedes-Benz Bank qualifizieren konnten. Im Bereich Girokonto landeten 26 Institute im Ranking, bei Wertpapiergeschäften 16, bei Darlehen 17 und beim Ratenkredit neun Institute.

Das gute Abschneiden der Genossenschaftsbanken zeigt sich bei einem Blick auf die Plätze: In der Kategorie Hausbank folgen der GLS die PSD Banken aus Nürnberg und RheinNeckarSaar auf Rang zwei und drei. Acht Häuser aus den Top Ten sind genossenschaftliche Institute, die Ausnahmen bilden die DKB, die Direktbankentochter der Bayern LB und damit dem Sparkassenlager zuzuordnen, sowie Deutschlands Direktbankenprimus INGDiba.

In dieser Kategorie wollten wir wissen, wie die Kunden mit Breite und Qualität des Produktangebots, mit der Beratung, mit der Anzahl der Geschäftsstellen und Geldautomaten, den Mitarbeitern, den Möglichkeiten von Online- und Mobile Bank und zu guter Letzt auch mit der empfundenen Einlagensicherheit der Bank zufrieden sind. Zum Teil liegen Welten zwischen der Bewertung von Topinstitut GLS Bank und der letztplazierten Targo Bank, der früheren Citibank: "Etwa bei der Frage nach dem Ruf der Bank bekommt die GLS Bank die Traumnote 1,02, die Targo Bank dagegen ist mit großem Abstand letzte und erhält nur eine 3,56", erläutert Henrichsmeier.

Sparen - der Kunde bestimmt mit

Mitbestimmung statt Zinsrekorden ist die Devise bei den Sparangeboten der GLS Bank: Die Bochumer lassen ihren Kunden die Wahl, wo das Geld angelegt werden soll. Das können etwa Bio-Supermärkte, Schulen oder Unternehmen mit strengen ethischen und ökologischen Standards sein. Auf der Internetseite der Bank finden Interessenten eine Liste der finanzierten Projekte. Die Auswahl ist groß: Vom Tagesgeld bis zum Sparbrief über zehn Jahre bietet GLS sechs Anlagekonten. Die Zinsen orientieren sich am Marktdurchschnitt. So gibt es beim Tagesgeld aktuell 1,1 Prozent p.a. ab einer Mindesteinlage von 10 000 Euro. Das Geld ist über den Sicherungsfonds des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken zu 100 Prozent geschützt. Wer dagegen nur auf den Zins schielt, ist als Neukunde bei der ING-Diba besser aufgehoben. Dort gibt es aktuell zwei Prozent bei vergleichbarer Einlagensicherung. Beim Sparkonto, das die GLS Bank an ihr Girokonto gekoppelt hat, zahlt die Bank immerhin 1,3 Prozent. Positiv fällt auf, dass die Bank bei ihren Konten außer bei den Anlagesummen, keine Einschränkungen macht.

Girokonto - der Preis zählt nicht immer

Das Girokonto der GLS Bank ist mit Gebühren von 64 Euro im Jahr alles andere als kostenlos – und dennoch erhielt es die Bestnote in unserer Umfrage. Die Gebühren schlüsseln sich auf in monatliche Kosten von zwei Euro, 15 Euro im Jahr für die Service-Karte und 25 Euro für die Mastercard. Dafür können GLS-Kunden an mehr als 18 000 Automaten der genossenschaftlichen Banken kostenlos Bargeld abheben. Trotz dieses auf den ersten Blick durchschnittlichen Angebots gewinnt die Bank ständig neue Kunden. Diese loben vor neben der Beratung online, per Telefon oder in einer der bundesweit sieben Geschäftsstellen, vor allem die klare Kostenstruktur. Es gibt keine Fußnoten mit "wenn" und "aber". Verglichen mit der Konkurrenz sind die Gebühren marktüblich. So zahlen Kunden der Deutschen Bank im Jahr auf 83,88 Euro für die gleiche Leistung. Doch auch viele "kostenlose" Angebote können teuer sein. Wer als Postbank-Kunde den monatlichen Mindestgeldeingang von 1000 Euro unterschreitet, zahlt 5,90 Euro im Monat oder 71,80 Euro jährlich. Null Euro zahlen Kunden bei DKB, ING-Diba und Comdirect.

Wertpapiere - der Seriensieger gewinnt

Business as usual. Fast immer wenn BÖRSE ONLINE nach dem besten Onlinebroker fragt, landet die INGDiba auf Platz eins. Daher verwundert es auch kaum, dass Deutschlands größte Direktbank auch in dieser Umfrage die besten Noten bekommen hat. Statt sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen, bieten die Frankfurter ab Mitte Juni gemeinsam mit der Börse Stuttgart intelligente Ordertypen, die das Anlegen noch einfacher machen sollen. Langfristanleger können bald aus einem Angebot von ETF-Sparplänen wählen. "Wir haben immer das Angebot ausgebaut, sind aber stets übersichtlich geblieben", sagt Bankchef Ben Tellings. Auf den Plätzen hinter der ING-Diba folgt die Überraschung: Nicht etwa die üblichen Verdächtigen wie Comdirect und Cortal Consors stehen auf den weiteren Medaillenrängen – die Sparda-Bank München und die PSD Bank RheinNeckarSaar landen auf Platz zwei und drei. Die beiden Regionalbanken punkten bei den Umfrageteilnehmern vor allem bei der Beratung. Comdirect schafft es in der Umfrage immerhin noch auf Platz vier. Cortal Consors landet auf Rang zehn hinter weiteren Sparda Banken

Darlehen - die gründliche Beratung zählt

Die Sparda Bank München will ihre Kunden bei der Finanzierung ihrer eigenen vier Wände ganzheitlich beraten. Das ist für Banken in Zeiten wie diesen nichts besonderes. Denn der Wettbewerb auf dem Baugeldmarkt ist hart und nicht nur der Zins zählt. Doch warum setzen sich die Bayern gegen so große Finanzierer wie die ING-Diba (Platz sieben), den Platzhirsch Deutsche Bank (Rang elf) oder die Spezialisten von der BHW (Rang 14) durch? "Wir beraten unsere Kunden so, dass ihr Traum vom Eigenheim nicht zum Alptraum wird", erklärt Christine Miedl von der Sparda Bank München. Das bedeute auch, dass man einem Kunden, der sich zu viel vorgenommen hat, auf den Boden zurückholen. Neben Bestnoten bei der Beratung gilt die Bank, die 44 Filialen in Oberbayern unterhält, als besonders schnell bei der Kreditzuteilung und langt laut Kunden-Urteil weniger heftig bei den Bearbeitungsgebühren zu. Besondere Konditionen bietet die Bank ihren Genossenschaftsmitgliedern – zurzeit etwa 2,65 Prozent bei fünfjährigen Baudarlehen. Insgesamt schaffen es vier Regionalbanken unter die besten Fünf. Der bestplatzierte überregionale Finanzierer ist die DKB.

Ratenkredit - das einfachste Angebot siegt

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Ab dem 11. Juni gilt in Deutschland die Verbraucherkredit-Richtlinie. Danach dürfen Banken nur noch mit den Konditionen werben, die auch zwei Drittel ihrer Kunden bekommen würden. Viele Banken müssen dann ihre Werbekampagnen überdenken. Die ING-Diba nicht. Zum Zins von 6,4 Prozent können Kunden Beträge zwischen 5000 und 50000 Euro aufnehmen. Das Angebot gilt für Laufzeiten zwischen einem und sieben Jahren. Wer nur den Zins betrachtet, kommt sicherlich anderswo eine billigere Offerte. So bietet die Institute wie die Norisbank aktuell niedriegere Zinsen zu vergleichbaren Konditionen. Gleiches gilt für die C&A Bank, die in den gleichnamigen Bekleidungshäusern auf sich aufmerksam macht. Durch ihren Zins, der ohne Fußnoten für alle gilt, steht die ING-Diba in der Kundengunst aber dennoch ganz vorne. Besonderes Lob erntet die Möglichkeit, die Kredite jederzeit zurückzuzahlen. Teure Restschuldversicherungen suchen Kunden ebenfalls vergebens. Dicht hinter der ING-Diba rangiert die Sparda Bank Südwest. Sie punktet vor allem bei der Beratung, einem Service mit dem die ING-Diba als Direktbank nur via Telefon oder Online aufwarten kann.

Quelle: n-tv.de