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Mit Saibou, aber ohne Schröder Basketballer starten letzte Olympia-Mission

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Saibou darf wieder mitspielen.

(Foto: dpa)

Der deutsche Ausnahmespieler muss zusehen: Dennis Schröder darf bei Olympia nicht spielen. Ein anderer könnte dafür viel Spielzeit vom Superstar übernehmen: Joshiko Saibou. Kritik am umstrittenen Basketballer will der Bundestrainer schnell abhaken. Denn die Vorbereitung aufs entscheidende Turnier läuft holprig.

Erst ging der Regisseur von Bord, dann fiel die Generalprobe ins Wasser. Gerade in den letzten Tagen der Vorbereitung gab es reichlich Hindernisse, doch Henrik Rödl hat alles abgehakt. "Das ist verarbeitet, und wir schauen nach vorn", sagte der Bundestrainer vor dem Start der Basketball-Nationalmannschaft in das knifflige Olympia-Qualifikationsturnier in Split.

Kurz vor dem letzten geplanten Test gegen den Senegal, der wegen Coronafällen bei den Afrikanern abgesagt werden musste, hatte Rödl das Aus für Dennis Schröder akzeptieren müssen. Der derzeit beste deutsche Spieler kann wegen der enormen Versicherungskosten nicht dabei sein. NBA-Profi Schröder ist vertragslos, und die Summe orientiert sich am Marktwert - der liegt bei 70 bis 100 Millionen Dollar.

"Wir werden jetzt versuchen, mit der Mannschaft, die da ist, das Beste rauszuholen", sagte Rödl. Denn der Ausfall des Anführers wiegt schwer: "Dennis Schröder verändert natürlich das Spiel der Nationalmannschaft. Wenn er nicht da ist, verändert es sich auch."

Der Braunschweiger ist wegen seiner Qualitäten nicht eins zu eins zu ersetzen, das ist allen Beteiligten klar. Auch Maodo Lo von Meister Alba Berlin, der nun auf der Spielmacher-Position als designierter Ersatzmann mehr Verantwortung bekommen wird. Der Point Guard will die Last auf viele Schultern verteilen. "Ich sehe das nicht als meine Aufgabe, die Mannschaft alleine zu tragen", sagte der 28-Jährige.

Lo fehlte zuletzt wie seine Teamkollegen Niels Giffey und Johannes Thiemann wegen der langen Bundesliga-Saison beim Supercup in Hamburg, wo die deutsche Mannschaft mit drei Siegen aus drei Spielen souverän den Turniersieg holte. Dass das Trio kein einziges Testspiel absolvierte, sei "keine ideale Situation", so Lo, "es fehlt schon ein bisschen", sagte Rödl.

Nichts mehr zu Saibou

Grundsätzlich ist der Trainer mit dem Auftreten zufrieden: "Wir haben schon eine sehr gute Teamchemie gezeigt", sagte Rödl: "So wie sich die Mannschaft bis jetzt präsentiert hat, wie sie arbeitet, da bin ich guter Dinge." Ohne Schröder werde man aber "natürlich noch enger zusammenrücken müssen".

Das gilt auch für Joshiko Saibou, der zurück ist im Team. Er könnte viel Spielzeit, die Schröder gemacht hätte, bekommen. Seine Nominierung hat dem Bundestrainer viel Kritik eingebracht, da er sich im vergangenen Jahr unter anderem gegen die Anti-Corona-Maßnahmen geäußert und bei einer Großdemonstration in Berlin teilgenommen hatte. Ein Video-Statement Saibous, in dem vieles unausgesprochen blieb, verbreitete der Deutsche Basketball-Bund vor knapp zwei Wochen als Wiedergutmachung.

Rödl will entsprechend nichts mehr dazu hören: "Ich glaube, es ist genug über das Thema gesagt worden. Joshiko hat sich geäußert, auch die Mannschaft hat mit ihm gesprochen. Er hat sich gut eingebracht und beim Supercup gezeigt, wie wertvoll er für uns sein kann. Damit sollte das Thema erledigt sein."

"Mit Energie, mit Enthusiasmus"

Die sportliche Mission hat es in sich. Sechs Nationen spielen zunächst in zwei Dreiergruppen. Die Auswahl des DBB trifft am Dienstag auf Mexiko und am Donnerstag (beide 16.30 Uhr/MagentaSport) auf Russland. Zwei Teams kommen ins Halbfinale, der Turniersieger fährt nach Tokio (23. Juli bis 8. August). In der Parallelgruppe stehen Gastgeber Kroatien, Brasilien und Tunesien.

"Nur einer schafft es. Es ist eine wahnsinnig schwierige Qualifikation", sagte Lo, der mit seinen Teamkollegen in einer Bubble lebt und in der Spaladium Arena vor bis zu 4400 Zuschauern antreten wird: "Wir müssen als Kollektiv zusammenspielen, mit Energie, mit Enthusiasmus. Die Chance ist da."

Rödl setzt auf neun Spieler, die bei der enttäuschen WM 2019 in China (18. Platz) dabei waren. Damals hatte der Trainer kein Ziel ausgegeben, auch diesmal ist er zurückhaltend: "Was dabei rauskommt, darüber kann man noch gar nicht spekulieren."

1992 war Rödl in Barcelona bei Olympia dabei. "Für mich eines der größten Erlebnisse meiner Karriere", sagte der 52-Jährige: "Das war immer der ausgesprochene Traum von mir, das als Trainer wiedererleben zu können."

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa

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