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DBB teilt "Statement" von Saibou Die seltsame Erklärung des Corona-Zweiflers

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Saibou möchte wieder für Deutschland spielen, viele Fans möchten das nicht.

(Foto: imago images/kolbert-press)

Im Gespräch mit ntv.de erklärt der Deutsche Basketball-Bund, dass Joshiko Saibou erst dann wieder fürs Nationalteam spielt, wenn er sich glaubhaft von früheren Aussagen distanziert. Nun teilt der Verband ein Video des Basketballers. Die Reaktionen sind deutlich.

Der höchst umstrittene Basketballprofi Joshiko Saibou hat sich nach der viel kritisierten Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft mit einem Video zu Wort gemeldet. "Mir ist wichtig zu sagen, dass ich die Existenz von Corona nicht bezweifle und nie angezweifelt habe", sagte der 31-Jährige in einer Botschaft, die der Deutsche Basketball-Bund (DBB) auf dem verbandseigenen Twitter-Account veröffentlichte. Eine solche Stellungnahme hatte DBB-Vizepräsident Armin Andres am Wochenende im Gespräch mit ntv.de angekündigt: "Nur wenn sich Joshiko klar von einigen Dingen, die er in der Vergangenheit geäußert hat, distanziert - dem DBB und den Teamkollegen gegenüber -, hat er eine Chance wieder zu spielen."

Saibou war im Vorjahr nach der Teilnahme an einer Großdemonstration in Berlin gegen die Anti-Corona-Maßnahmen von Bundesligist Telekom Baskets Bonn entlassen worden und hatte den Schritt als angeblichen "Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit" bezeichnet und sich gewissermaßen zum Märtyrer verklärt. Später einigten sich nach einem Rechtsstreit beide Parteien außergerichtlich.

Dass Bundestrainer Henrik Rödl den Profi, der mittlerweile beim französischen Erstligisten Champagne Basket Reims spielt, für den Supercup am Wochenende in Hamburg nominierte, hatte für heftige Reaktionen gesorgt. Denn Saibou hatte sich nicht von den Aussagen distanziert, die er unter anderem gemeinsam mit Lebensgefährtin Alexandra Wester getätigt hatte. Saibous Video, in dem er davon spricht, dass Menschen in Deutschland lernen würden, das wiederzugeben, was "Fernsehen, Zeitung und die Politik sagen", die angeblich davor gewarnt würden, zu hinterfragen, "selbst wenn du deine Menschenrechte verlierst", war zum Zeitpunkt des DBB-Postings noch auf seinem Instagram-Account zu finden.

Eher aufgesagt als frei gesprochen

Nun nahm Saibou aus seinem Hotelzimmer Stellung, dem DBB entstand das Video noch vor seiner Anreise zur Nationalmannschaft und somit offenbar vor dem von Andres anekündigten klärenden Gespräch. "Wofür ich absolut einstehe sind letztendlich die gleichen Werte, für die auch der DBB einsteht. Respekt, Toleranz, Freiheit, Offenheit. Dafür stehe ich jeden Tag meines Lebens ein", sagte Saibou. Er stelle sich gegen "Diskriminierung, Hass, Gewalt. Und das war auch schon immer so." Es sind die Werte, die auch Verbandsvize Andres gegenüber ntv.de betont hatte, wie eine freie Rede wirkt es nicht.

Dass Saibous Lebensgefährtin Wester, immerhin als Weitspringerin 2016 für Deutschland bei Olympia angetreten, antisemitische Verschwörungsmythen verbreitete, dazu sagte er nichts. Auch nicht dazu, dass sein bereits genanntes Instagram-Video eine Sprache benutzt, wie sie auch von Rechten und Rechtsextremen genutzt wird. Und immer noch online ist.

Einzig die Demonstrationen sprach er an, an denen habe er teilgenommen, "da ich nicht immer mit allen Maßnahmen der Regierung bezüglich der Pandemie einverstanden war. Leider gab es bei den Demos auch verschiedene Extremisten, die den Rahmen für sich genutzt haben." Sowohl er auch als auch Wester hielten dort auch Reden, umgaben sich mit Verschwörungsgläubigen und attackierten Journalisten persönlich, die kritisch über sie berichteten. Unmittelbar nach der Demo schrieb er noch auf Instagram: "Seh keinen Rechtsextremisten." Dass er sich mit und zu diesen Extremisten auf die Bühne stellte, darüber verliert Saibou in dem Video ebenfalls kein Wort.

Das zweite Fiasko in wenigen Tagen

Konkreter als mit seiner Aussage zur Demo-Teilnahme wird Saibou bezüglich eines möglichen Fehlverhaltens nicht, wenn er sich an die wendet, "die sich von meinen Handlungen und Aussagen verletzt gefühlt haben". Womit er andeutet, dass er seine Handlungen und Aussagen dem Wortlaut nach nicht selbst als verletzend wahrnimmt, sondern dies an der Perspektive der betrachtenden Personen liege. Bei diesen wiederum wolle er sich "entschuldigen und auch sagen, dass es absolut nicht meine Intention war. Ich weiß, dass ich Worte öfter überspitzt formuliert habe. Im Nachhinein hätte ich Worte sicher anders gewählt." Was nach Entschuldigung klingt, ist eher ein "Tut mir leid, dass ihr mich missverstanden habt". Das Video auf dem DBB-Account sei da, um "damit aufzuräumen".

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Außerdem sagte Saibou: "Allerdings weiß jeder, der mich kennt, dass in meinem Leben absolut kein Platz für diskriminierendes Gedankengut ist. Egal ob Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Sexismus." Die Reaktionen unter dem Tweet des DBB fallen eindeutig aus, Zustimmung ist fast keine zu finden, Kritik dagegen vielfach. Dem DBB droht damit das zweite Kommunikations-Fiasko in kurzer Zeit. Schon die Nominierung Saibous hatte massive Kritik ausgelöst, der Verband sich erst zu einer kurzfristigen Klarstellung gezwungen gesehen und dann auf Anfrage von ntv.de erklärt, ein intensives Gespräch mit Saibou führen zu lassen.

Den ersten Reaktionen auf das Ergebnis dieses Gesprächs nach ist es nicht gelungen, einen glaubhaften Sinneswandel zu vermitteln. Oder wie es der 90-fache Nationalspieler Bastian Doreth im Kontext der Berufung Saibous formulierte: "Jetzt wird alles langsam sehr, sehr fragwürdig."

Quelle: ntv.de, mit sid

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