Sport

Ein Bergmannssohn vor 86 Jahren Der legendäre Sprung des 18-jährigen Bradl

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Ein Sprung in eine neue Zeitrechnung.

(Foto: picture alliance / IMAGNO/Austrian Archives (S))

Was heute nach einer wenig beeindruckenden Weite klingt, war in den 1930er Jahren das Ziel aller Skispringer: die 100-Meter-Marke. In Planica knackte heute vor 86 Jahren erstmals jemand die dreistelligen Weiten. Zuerst gelang dies jedoch keinem der Stars, sondern einem unbekannten 18-Jährigen.

Diese verflixte Traummarke! Die größten Skispringer ihrer Zeit hatten sich über Jahre hinweg an diese vermaledeiten 100 Meter herangepirscht, der Norweger Birger Ruud, erster Superstar dieser verwegenen Sportart, sein Bruder Sigmund und ihr Landsmann Reidar Andersen. Letzterer war 1935 in Planica auf 99 Meter geflogen, der letzte Meter war nur eine Frage der Zeit.

Doch dann kam ein blutjunger Emporkömmling den Norwegern auf dem Weg in die wintersportliche Unsterblichkeit zuvor: Josef Bradl, ein österreichischer Bergmannssohn aus Mühlbach am Hochkönig war gerade 18 geworden, als er am 15. März 1936 in eine neue Dimension abhob.

Die Bloudkova-velikanka-Schanze im damals jugoslawischen Planica war die modernste und größte Schanze ihrer Zeit und eigentlich nur dazu gebaut worden, um das Skispringen in die neue dreistellige Welt zu befördern. Birger Ruud war damals auf der Höhe seines Schaffens und einen Monat zuvor in Garmisch-Partenkirchen zum zweiten Mal Olympiasieger geworden, während Novize Bradl - einst in Innsbruck ein Schüler Ruuds - von einem Trainingssturz geschwächt nur 19. geworden war.

Der Weltverband FIS jedoch hatte seit Jahren versucht, die Weitenjagd einzudämmen, um die stilistische Komponente des Fliegens zu bewahren, ein Weitenlimit von 80 Metern festgelegt und die Organisatoren in Planica eindrücklich auf die Einhaltung eingeschworen. Birger Ruud pfiff daraufhin auf Planica, blieb aus Protest fern.

Früh der Rekord, spät der große Sieg

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Bradl in den 1950er Jahren.

(Foto: picture alliance / IMAGNO/Votava)

So sollte die Stunde Bradls schlagen, der aber auch auf der Bloudkova velikanka zunächst eine Nebenrolle spielte. Im zweiten Durchgang aber packte ihn "ein unbändiger Ehrgeiz wie nie zuvor", schrieb Bradl später in seiner Biografie. Nach dem perfekten Absprung "drückte die Luft gewaltig gegen meine Brust, ich legte mich richtig drauf und ließ mich von ihr tragen. Ich hatte nur den einen Wunsch: immer so weiterfliegen!"

Bradl landete, das Publikum schrie, verstummte dann gebannt. "Viele tausend Augen starrten gespannt hinauf zum Kampfrichterturm. Ich konnte es fast nicht glauben, als neben der normalen Anzeigetafel eine Eins herausgeklappt wurde." 101,5 Meter - eine neue Zeitrechnung begann.

Auch für Bradl: 1939 wurde er nach dem "Anschluss" Österreichs für das Deutsche Reich Weltmeister. Der Zweite Weltkrieg kostete ihn zwar die vielleicht besten Karrierejahre, eine angebliche SS-Mitgliedschaft brachte ihm Lagerhaft und eine Sperre für Olympia 1948 ein, vier Jahre später stürzte er bei den Winterspielen in Oslo.

Doch 1953 fand "Buwi" Bradl, der "Adler vom Hochkönig" als erster und bis heute ältester Sieger der Vierschanzentournee endgültig seinen Platz in den Geschichtsbüchern des Skispringens.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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