Sport

NBA-Star Chris Paul im Finale Die lange Reise des großen Anführers

246743318.jpg

Im sechsten Spiel gegen die Clippers war Chris Paul nicht zu stoppen.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Chris Paul ist seit 16 Jahren in der NBA und einer ihrer besten Basketballer. Dennoch ist er noch nie Meister geworden. Nun hat Paul endlich die Chance zum Titelgewinn, steht mit Phoenix erstmals im Finale.

Eigentlich war es ja ganz anders vorgesehen. Denn eigentlich sollte Chris Paul es nicht gegen die Los Angeles Clippers ins Finale der Nordamerikanischen Basketball-Liga NBA schaffen, sondern mit ihnen. Dafür war er 2011 aus New Orleans gekommen. Die Clippers wollten nach Jahrzehnten der Bedeutungslosigkeit endlich mal etwas aufbauen. Sie wollten endlich mal Erfolg haben und so richtig wahrgenommen werden in der kalifornischen Metropole - und darüber hinaus. Denn NBA und L.A. - das waren stets schlichtweg die Lakers.

Doch aus dem angestrebten Machtwechsel wurde nichts. Sechs Jahre trug Paul das Clippers-Trikot. Sechs Jahre sorgte er zusammen mit den beiden anderen Stars, Blake Griffin und DeAndre Jordan, zwar für reichlich Spektakel. Der Spielmacher diktierte das Tempo, Griffin und Jordan vollendeten seine hohen Anspiele vor den Korb mit wuchtigen Dunks im Netz. Die Clippers bekamen deshalb den Spitznamen "Lob City". Aber die Clippers kamen in den Playoffs trotzdem nie über die zweite Runde hinaus.

Pauls NBA-Reise ging weiter. Houston, Oklahoma, Phoenix. Und ausgerechnet mit den oft belächelten Phoenix Suns hat er nun das geschafft, was ihm mit den vier anderen Klubs nie gelungen war: Er steht erstmals im Finale. Im Alter von 36 Jahren. 5720 Tage nach seinem NBA-Debüt. Mit 130:103 hatten die Suns Spiel sechs der Halbfinalserie bei den Clippers gewonnen. Es war der vierte und entscheidende Sieg - und es war die Erlösung für Paul.

Makel des titellosen Topstars

"16 Jahre, Operationen, harte Arbeit, Niederlagen, schlimme Niederlagen", zählte er in einem einem Interview noch auf dem Parkett auf. Ein Satz wie ein Spiegelbild seiner bisherigen Karriere. Chris Paul, 1,83 Meter kleiner Point Guard, einer der besten Spieler seiner Generation. Einer, der sein Team und seine Teamkollegen besser macht. Und der trotzdem noch ein titelloser Topstar ist.

In den vergangenen Tagen drehte sich vieles in der NBA-Berichterstattung um ihn. Würde er es, im Alter von 36 Jahren und nach 16 Jahren in der Liga, endlich erstmals in Finale schaffen? Und wer außerhalb des Clippers-Kosmos würde ihm nicht die Daumen drücken, diesem Christopher Emmanuel Paul - der so unschuldig gucken und trotzdem mit seiner Spielweise so brutal sein kann?

Am 1. November 2005 betrat er die NBA-Bühne - im Trikot der New Orleans Hornets, die seit 2013 die Pelicans sind. Gegner waren die Sacramento Kings. Gespielt wurde in Oklahoma City, weil die Arena in New Orleans nach Hurrikan "Katrina" noch beschädigt war. Die Hornets gewannen 93:67, Paul traf drei seiner sieben Würfe, erzielte 13 Punkte und hatte mit 33:32 Einsatzminuten die meiste Spielzeit seines Teams.

Der "vielleicht der beste Game Manager, den Liga je hatte"

Seine Mitspieler in der Starting Five waren P.J. Brown, J.R. Smith, David West und Bostjan Nachbar. Sie alle haben ihre Karrieren bereits beendet. Auch von den anderen New Orleans und Sacramento-Profis an jenem Dienstagabend spielt niemand mehr.

Paul ist immer noch aktiv, hat mittlerweile 1213 NBA-Partien absolviert. Er ist elfmal ins Allstar-Team gewählt worden, war 2013 der wertvollste Spieler (MVP) dieses Show-Spektakels. In vier Spielzeiten hatte Paul die meisten Assists der Liga, in sechs gar die meisten Steals. Und zweimal Olympiagold hat er mit den USA auch noch gewonnen. "Er ist vielleicht der beste Game Manager, den die Liga je hatte", sagt Ex-Profi Reggie Miller.

Doch die wichtigste Trophäe, die war für Paul bislang so unerreichbar weit weg - egal, wie sehr er sich auch bemüht und sich nach ihr gestreckt hatte. 2018 war er mit den Houston Rockets mal ganz nah dran gewesen am Finale. 3:2 lagen die Texaner in der Halbfinal-Serie gegen Meister Golden State vorne. Doch ausgerechnet Paul hatte sich in jenem fünften Spiel eine Oberschenkelverletzung zugezogen und fehlte anschließend. Diesen Vorteil nutzte Golden State zum Finaleinzug.

OKC wollte Neuanfang, Paul nach Phoenix

Doch nun greift "CP3" nach der Meisterschaft. "Ich bin einfach so glücklich für alle Leute um mich herum. Und das hier in L.A. zu schaffen, nach sechs Jahren mit den Clippers - das ist auch meine Familie", betonte Paul und zeigte auf Freunde auf der Tribüne des Staples Center. Doch dann schaute er umgehend auf seine Suns-Mitspieler. "Mensch, die Truppe hier. DIESE TRUPPE. Die haben mich mit offenen Armen empfangen", sagte er unter dem Jubel der Teamkollegen.

Am 16. November war Paul von den Oklahoma City Thunder nach Phoenix abgegeben worden. OKC wollte einen Neuanfang und Paul unbedingt zu den Suns. Denn die haben mit Devin Booker einen herausragenden Schützen - und ein Zusammenspiel mit dem 24-Jährigen reizte Paul. Allerdings hatte Phoenix seit 2010 die Playoffs nicht mehr erreicht. Und bis auf die Neuzugänge Paul, sowie Jae Crowder von Vizemeister Miami Heat, war es das gleiche Team, das die Vorsaison mit einer Bilanz von 34:39 beendet hatte. Die Voraussetzungen, dass Paul ausgerechnet in Phoenix eine Chance auf sein erstes NBA-Finale haben würde, waren also in etwa so groß wie die einer Weißen Weihnacht in der Wüste von Arizona.

Dass die Suns nun trotzdem die Endspiele erreicht haben, führt der langjährige NBA-Spieler und Trainer Mark Jackson, der nun als TV-Experte arbeitet, auf Chris Paul zurück. "Dies ist ein Erfolg, der meiner Meinung nach höher anzurechnen ist, als der Titelgewinn von manch anderem Verein." Phoenix ist in der starken Western Conference mit 51:21-Siegen Vorrunden-Zweiter geworden. In den Playoffs haben die Suns Meister L.A. Lakers, die Denver Nuggets und die Clippers eliminiert - und dabei nur vier Spiele verloren.

41 Paul-Punkte beim entscheidenden Sieg

Beim entscheidenden Sieg zum Finaleinzug ragte Paul mit 41 Punkten heraus. Als noch zwei Minuten zu spielen waren, nahm Trainer Monty Williams ihn aus der Partie. Phoenix führte 124:100, das Spiel war längst entschieden. Williams und Paul umarmten sich innigst. Beide kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit 2010 in New Orleans. Damals kamen der Trainer-Neuling und der aufstrebende Star nicht miteinander klar. Nun spielen beide um die Meisterschaft. "Den größten Erfolg, den ich als Trainer hatte, hatte ich mit ihm. Er ist ein großartiger Spieler, ein Anführer, das haben wir heute gesehen", meinte Williams.

Devin Booker wurde in den vergangenen Wochen oft gefragt, was Chris Paul für sein Spiel bedeutet? Die Antwort des 24-Jährigen mag verblüffen, denn Booker verwies vor allem auf Pauls Einfluss außerhalb des Spielfeldes. "Seine Routine, wie er sich gibt und wie er sich um seinen Körper kümmert. Ihn jeden Tag auszuhorchen und alles wie ein Schwamm aufzusaugen, hat meinem Spiel gewaltig geholfen", so Booker.

Vielleicht hat es ja einfach so sein sollen, dass Paul erst nach Phoenix kommen musste, um die Finalserie zu erreichen. Mit dem Verein, der seit 1993 nicht mehr in den Endspielen stand. Damals war Charles Barkley noch der Star der Suns, die den Chicago Bulls um Michael Jordan 2:4 unterlagen. Barkley ist seit vielen Jahren Experte des Fernsehsenders "TNT". Seine Meinung zu Chris Paul klingt wie ein krachender Dunking in seiner aktiven Zeit: "Dieser Mann ist der beste Anführer, den ich seit langer Zeit in der NBA gesehen habe."

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen