Sport

Höllenritt bei Nacht Lindsey Vonn rast die Streif herunter

Wer gleitet so schnell durch Nacht und Wind? Es ist die Ski-Queen Lindsey Vonn auf zwei Brettern – und das nicht irgendwo, sondern auf der berüchtigten Streif in Kitzbühel. Als erste Frau überhaupt ist Vonn die legendäre Abfahrt runter gedonnert und dann noch bei Nacht.

Lindsey Vonn hat in ihrer Karriere alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Gold bei den Olympischen Spielen, WM-Titel, den Gesamtweltcup. Bei 82 Weltcup-Rennen stand sie ganz oben – Rekord. Noch. Mit Mikalea Shiffrin steht eine 27 Jahre junge Landsfrau, für die sie früher die Babysitterin war, mittlerweile auf der gleichen Stufe. Die Ski-Welt ist sich einig, dass es nicht eine Frage ist, ob der Rekord von Vonn irgendwann fällt, sondern nur wann. Ein großes Ziel blieb für die Amerikanerin aber ungeachtet dessen noch: Einmal wollte sie die legendäre Streif herunterrasen, die Mutter aller Abfahrten, das Größte und Gefährlichste, was es im alpinen Skisport gibt.

Und: It's a done deal! Noch bevor am Freitag die Männer am Freitag das 83. Hahnenkamm-Rennen eröffneten, stürzte Vonn ins Tal. Als erste Frau. Als erste Athletin überhaupt bei Nacht. "Es ist absolut verrückt, was Lindsey Vonn gemacht hat", sagte Daron Rahlves, erster US-Sieger auf der Streif, der Vonn mit seinen Tipps unterstützte.

"Ich wusste, dass das Risiko nochmals größer wird, wenn ich die Streif in der Nacht bezwingen will. Wir haben die Schlüsselstellen gut ausgeleuchtet", berichtete Vonn. Für sie ging der Lebenstraum in Erfüllung. "Erst wenn man die Streif bezwingt, ist man ein echter Downhiller. Ich hatte schon immer Respekt für alle Athleten, die die Streif bezwungen haben. Jetzt sogar noch mehr", sagte die 38-Jährige. Und weiter: "Es ist so steil, man baut so extrem schnell Speed auf. Es war rundherum dunkel und ich konnte nur bis zur Mausefalle sehen und ich hatte das Gefühl, als ob ich über den Rand der Welt hinweg springen würde. Ich glaube, ich war noch nie in meinem Leben so nervös vor einem Start, es war mental eine meiner größten Challenges."

Das erste von zwei Abfahrtsrennen der Männer auf der Streif gewann am Freitag übrigens der Österreicher Vincent Kriechmayr. Die deutschen Speedstars Thomas Dreßen und Andreas Sander zeigten mit starken Fahrten und den Plätzen 13 und 15 aufsteigende Form. Topfavorit Aleksander Aamodt Kilde patzte in der Traverse schwer und wurde 16. Danach sprach er von einer "Nahtoderfahrung". Auch sein Schweizer Dauerrivale Marco Odermatt vermied mit Mühe einen Sturz und verzichtet auf den zweiten Start am Samstag. Er kam wie Josef Ferstl und Dominik Schwaiger nicht in die Punkte. Der Norweger Henrik Röa stürzte im Ziel und wurde per Helikopter geborgen.

Quelle: ntv.de, tno/mar

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