Formel1

Formel-1-Lehren aus Abu Dhabi Dominanter Verstappen macht seine Drohung wahr

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So viele Saisonsiege wie Verstappen schaffte niemand vor ihm.

(Foto: IMAGO/NurPhoto)

Der Abschied von Sebastian Vettel bestimmt das letzte Formel-1-Wochenende der Saison. In Abu Dhabi sind sich aber die meisten sicher, dass der Deutsche ins Fahrerlager zurückkehren wird. Voll präsent in diesem ist Max Verstappen, der Titelverteidiger. Er schafft, was er groß angekündigt hatte. Doch der Druck wächst.

Alle hoffen auf Rückkehr von Vettel ins Fahrerlager

Als Nobody aus der südhessischen Provinz kam Sebastian Vettel 2006 in die Formel 1, er verlässt sie als einer der Größten. Nicht nur aufgrund enormer sportlicher Erfolge, darunter vier WM-Titel und 53 Siege, sondern auch und gerade wegen seiner menschlichen Qualitäten. Ausnahmslos jeder Fahrerkollege und jedes Team huldigte "Seb", der stets sein Herz auf der Zunge trug, an diesem vor Emotionen überbordenden Wochenende. Das 299. Rennen in der Formel 1 ist für Vettel auch das letzte. Der viermalige Weltmeister kämpft nochmals mit Feuereifer und holt am Ende als Zehnter den 3098. Punkt seiner Laufbahn.

"Es war eine ganz eigene Energie das ganze Wochenende unter den Fahrern, im Fahrerlager, auch von außen waren gute Schwingungen zu bekommen. Da ist man natürlich sehr, sehr dankbar", sagte der 35-Jährige, der sich mit einer Ansprache bei den Zehntausenden Fans auf dem Yas Marina Circuit bedankte. "Ich bin natürlich auch ein bisschen traurig, aber ich freue mich auch auf neue Aufgaben, mehr Zeit mit der Familie." Die Formel 1 verliert eine Persönlichkeit und eine ihrer lebenden Legenden. Die Szene bedauert seinen Rückzug, doch nicht wenige sehen ihn schon bald zurückkehren. Wenn nicht als Fahrer, dann vielleicht als Teamchef oder Berater. Auch das könnte er. Denn Sebastian Vettel ist keiner, der nur bis zur nächsten Kurve denkt.

Neue Motivation für Schumacher

Ein unnötiger Crash mit Williams-Fahrer Nicholas Latifi, eine Fünf-Sekunden-Strafe und schließlich Platz 16: Mick Schumacher verlässt Haas ohne Punkte im letzten Grand Prix. "Im Endeffekt hatten wir nicht die Geschwindigkeit und sind dementsprechend von Anfang an ziemlich durchgereicht worden", beschrieb der 23-Jährige sein Rennen für das US-Team. "Ich habe versucht, die Runden zu genießen, soweit es ging, das Auto hat sich nicht gerade super angefühlt." Nach zwei Jahren wird Schumacher durch Nico Hülkenberg ersetzt, der einziger Deutscher mit Stammcockpit sein wird. Mercedes hat großes Interesse an Schumacher als Ersatzfahrer. "Ich nehme vieles mit an Positivem und Negativem, das macht mich zu einem stärkeren Fahrer", beteuerte er. Am Sonntag formulierte er selbstbewusst, spätestens 2024 wieder ein Stammcockpit zu besitzen.

Verstappen dominiert - aber wie lange noch?

Max Verstappen hat seine Drohung wahrgemacht. Er hat sich im Vergleich zu seinem ersten Titeljahr noch einmal gesteigert, ist konstanter geworden, wirkte phasenweise unantastbar. 15 Siege in 22 Rennen sind eine bemerkenswerte Rekordmarke. Was allerdings auch damit zu tun hatte, dass der Konkurrenz schnell die Puste ausging (Ferrari) bzw. sie überhaupt nie in Titelform war (Mercedes). Im nächsten Jahr könnte das Gesamtbild anders aussehen. Mercedes machte am Jahresende zumindest auf bestimmten Streckentypen Druck. "Ich habe es genossen, mit dem ganzen Team zu arbeiten und etwas wie in diesem Jahr zu erreichen", sagte Verstappen. "Ich weiß aber, dass es schwer wird, so etwas zu wiederholen. Das wird eine sehr gute Motivation sein, um es auch im nächsten Jahr wiedergutzumachen." Doch Red Bull muss 2023 für seine Verstöße gegen den Budgetdeckel bezahlen: Das Weltmeisterteam hat kaum noch Versuche im Windkanal zur Verfügung, nach eigenen Schätzungen könnte dies bis zu einer halben Sekunde pro Runde kosten.

Mercedes hat wieder ein internes Top-Duell

Lewis Hamilton konnte es gar nicht mehr erwarten, den Mercedes W13 endlich abzustellen. Der Rekordweltmeister und sein diesjähriger Dienstwagen sind miteinander nie warm geworden. Im 16. Jahr in der Formel 1 blieb der erfolgreichste Fahrer der Seriengeschichte erstmals ohne Sieg. Und zum erst dritten Mal musste er sich in der Jahresabrechnung seinem Teamkollegen geschlagen geben. George Russell allerdings offenbarte, mehr als nur ein großes Talent zu sein. Der 24-Jährige ist ein Weltmeister von morgen - wenn das Auto es zulässt. Und das, so glaubt man bei Mercedes, könnte 2023 der Fall sein, wenn die positive Entwicklung anhält. Die groben Konstruktionsfehler des W13 jedenfalls scheinen abgestellt.

Ferrari manövriert sich selbst in die Krise

Ob Ferrari dann auch ganz vorne mitmischt, darf leise angezweifelt werden. Am Jahresanfang waren die Roten noch die Profiteure des neuen Reglements, drückten den ersten Rennen ihren Stempel auf. Doch das Polster auf Red Bull war schnell aufgebraucht. Die Entwicklung stagnierte, zudem beging der Kommandostand der Scuderia haarsträubende taktische Fehler. Teamchef Mattia Binotto geht arg angezählt in die Pause, Ferrari sondiert den Markt nach Alternativen. Dem glamourösesten und emotionalsten aller Rennställe droht wieder ein heißer Winter. In der Vergangenheit bedeutete das für die kommende Saison selten etwas Gutes.

Neue Gesichter in der Formel 1

Sebastian Vettel, Mick Schumacher, Nicholas Latifi und Daniel Ricciardo sind raus aus den Formel-1-Stammcockpits der kommenden Saison. Vettel beendet bei Aston Martin seine Karriere und Latifi ist nach seinem Aus bei Williams ohne Rennstall. Schumacher (Haas) und Ricciardo (McLaren) können ihre Karrieren hingegen noch auffangen. Der Deutsche hat das Interesse von Mercedes als Ersatzfahrer geweckt, der Australier steht vor der Rückkehr zu Red Bull, wo er kommendes Jahr repräsentative Aufgaben wahrnehmen soll. Neu im Fahrerfeld für 2023 sind Oscar Piastri (McLaren), Nyck de Vries (Alpha Tauri) und Logan Sargeant (Williams), Nico Hülkenberg (Haas) ist wieder zurück.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 21. November 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

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