Formel1

Nach zahlreichen Kopfoperationen Zanardi kann wieder sehen und sprechen

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Zanardis Genesung macht Fortschritte.

(Foto: picture alliance / Jens Büttner/)

Alessandro Zanardis Genesung macht Fortschritte: Italienische Medien berichten, dass der mehrfache Paralympics-Sieger ein knappes halbes Jahr nach seinem schweren Unfall wieder hören, sehen und sprechen könne. Zuvor war Zanardi erneut am Kopf operiert worden - während er wach war.

Seit seinem schweren Handbike-Unfall im Juni 2020 ist die Motorsportwelt in Sorge: Wie geht es dem ehemaligen Formel-1-Piloten Alessandro Zanardi? Der Italiener hatte sich schwer am Kopf verletzt, musste mehrfach von Spezialisten operiert werden. Ende November die gute Nachricht: Zanardis Zustand hatte sich stabilisiert. Jetzt machen italienischen Medienberichte weiter Hoffnung: Der 54-Jährige soll wieder sprechen können.

Kurz vor Weihnachten berichtete der italienische "Corriere della Sera" bereits, dass Zanardi sein Hör- und Sehvermögen zurückerlangt habe - aber noch nicht sprechen könne, weil er sicherheitshalber noch intubiert sei. Der 2001 nach einem Unfall bei einem Rennen der ChampCar-Serie auf dem Lausitzring beinamputierte Zanardi reagiere aber auf Ansprache, könne eine Hand drücken oder den Daumen hochstrecken, wenn er darum gebeten werden. Nun heißt es, der 54-Jährige könne wieder sprechen.

Die Gehirnspezialistin Federica Alemanno erklärte gegenüber dem "Corriere della Sera": "Es war ein sehr bewegender Moment für die Familie, als Alex begonnen hat zu reden. Das war unglaublich." Die Neurologin berichtete weiter, dass Zanardi einer sogenannten Wachkraniotomie unterzogen worden sei - einem neurochirurgischen Eingriff, bei dem der Patient wach ist und bestimmte Zonen des Gehirns elektrischen Impulsen ausgesetzt werden.

"Es geht darum, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern", so Alemanno. "Zunächst werden Tests gemacht, um festzustellen, wie die vorhandenen Fähigkeiten in der Wahrnehmung, dem Erinnern, Denken und Wissen sind, da eine Hirnverletzung gewisse Bereiche des Gehirns beeinträchtigt. Beim Eingriff werden dann gewisse Zonen des Gehirns elektrischen Impulsen ausgesetzt. Wenn wir etwa in jenem Hirnbereich arbeiten, welcher für Erinnerungen zuständig ist, wird der beruhigte, aber nicht narkotisierte Patient auf Bilder angesprochen, die ihm gezeigt werden."

Zanardi lässt sich also offenbar auch von diesem Schicksalsschlag nicht unterkriegen. Der Rennfahrer musste im September 2001 bei einem Unfall auf dem Lausitzring mehrfach wiederbelebt verloren und hatte als Folge des Zusammenpralls bei rund 320 Kilometern pro Stunde beide Beine verloren, kämpfte sich danach wieder zurück in den Leistungssport. Bei den Paralympics in London 2012 und in Rio de Janeiro 2016 gewann er jeweils im Einzelzeitfahren mit dem Handbike, insgesamt gewann er dort vier Titel und holte sechs Medaillen.

Quelle: ntv.de, tsi/rtl.de