Fußball

"Mich schockt nichts mehr" Bentaleb rechnet mit dem FC Schalke ab

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Einen neuen Klub hat Bentaleb noch nicht gefunden.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Fünf Jahre spielt Nabil Bentaleb für den FC Schalke. Fünfmal wird der Mittelfeldspieler vom Ex-Erst-und-nun-Zweitligisten suspendiert. In einem Interview erzählt der 26-Jährige seine Sicht der Dinge. Und spricht auch darüber, was er dem Klub wünscht, den er nun verlässt.

Als Nabil Bentaleb im Sommer 2016 zum FC Schalke wechselte, waren damit große Hoffnungen verknüpft. Dem damals 21-Jährigen wurde immerhin zugetraut, das königsblaue Mittelfeld auf Jahre hinweg zu prägen. Aus der Ausleihe wurde nach wenigen Monaten ein Spielerkauf, Bentaleb überzeugte mit starken Leistungen. Junger Fußballprofi, langfristiger Vertrag, sowohl Bentaleb als auch der Verein gingen offenkundig davon aus, voneinander profitieren zu können. Nun, am 30. Juni 2021 endet das Arbeitspapier. Eine Verlängerung ist ausgeschlossen. Schon allein, weil der heute 26-Jährige mit drastischen Worten auf seine Erfahrungen in Gelsenkirchen zurückblickt: "Mich kann nach fünf Jahren auf Schalke nichts mehr schockieren!"

Fünfmal suspendierten die Trainer der Schalker den 35-fachen algerischen Nationalspieler, die Formulierung "die Trainer" ist notwendig, weil es insgesamt sieben davon in Bentalebs Zeit auf Schalke gab, fünf davon in der vergangenen Saison, die im verdienten Abstieg des Klubs endete. Im Interview mit "Sport1" möchte Bentaleb nun "meine Version erzählen", als darauf angesprochen wird, dass bei einer solchen Häufung von Suspendierungen wohl eher nicht immer nur die anderen Schuld seien dürften. Und so berichtet er von seinem 26. Geburtstag am 24. November 2020, vom Gespräch, dass er nun eben wieder suspendiert sei.

Er werde "nie vergessen, was Jochen Schneider", der mittlerweile entlassene Sportdirektor, "zu mir gesagt hat: 'Ich weiß, dass wir dich nicht fair behandeln, Nabil. Aber du musst unsere Entscheidung akzeptieren.'" Und, dass der Verein in einer schwierigen Lage sei. Eine Schilderung, die es so erscheinen lässt, als sei Bentaleb ohne echte Begründung ausgeschlossen worden. "Ich wurde zwei Jahre lang von vielen Leuten im Verein attackiert", beschreibt der defensive Mittelfeldspieler seine Wahrnehmung. "Ich war sofort das schwarze Schaf", so Bentaleb, "ich war der, der angeblich alle runterzieht." Und ja doch auch fünfmal wieder begnadigt wurde, denn auf jede Suspendierung folgte eine Rückkehr in die Mannschaft.

"Hatte vorher nicht diesen Ruf"

Vorwürfe gegen die sportliche Führung schwingen auch mit, als Bentaleb bei "Sport1" erklärt, wie es, war, "als ich das erste Mal suspendiert wurde". Seine Frau sei zu dieser Zeit schwanger gewesen mit Zwillingen, die "nur eine Überlebenschance von 50 Prozent" bekommen hätten. Aus Sorgen habe er "drei Monate im Krankenhaus bei meiner Frau geschlafen" und es "aus diesem Grund leider nicht immer" geschafft, zum Training zu kommen. Heute gehe es allen drei gut, doch den Tag der Geburt seiner Kinder werde er nicht nur deshalb nicht vergessen. Abends spielte Schalke gegen Leipzig, verlor mit 0:1, Bentaleb saß anders als vom Verein gefordert nicht auf der Tribüne und wurde tags darauf suspendiert. Auf Instagram schrieb er laut "Kicker" dazu, er habe in der Freude schlicht vergessen, eine SMS zu senden und sich zu erklären.

"Sicherlich habe ich Fehler gemacht", sagt Bentaleb aber auch. Fünf Suspendierungen passieren eben nicht aus Versehen. Im Herbst 2019 wurde ihm der Führerschein entzogen, 14 Punkte hatte er in nur zehn Monaten gesammelt, hieß es. Weil er die aus diesem Grund geforderte medizinisch-psychologische Untersuchung nicht nachwies, war der Führerschein dann weg, ein Einspruch wurde abgewiesen. Dass er als Problem-Profi wahrgenommen werde, war vorher nie der Fall gewesen, wie er bei "Sport1" versichert. "Bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich sicher nicht diesen Ruf."

Einen Groll auf den Bald-Ex-Klub hege er aber dennoch nicht. "Ich drücke Schalke die Daumen und hoffe für meine langjährigen Mitspieler und die Fans, dass es mit dem Wiederaufstieg klappt." Während die königsblaue Zukunft zumindest unmittelbar in der Zweitklassigkeit, ist noch offen, wohin es Bentaleb als Nächstes zieht. 26 Jahre sind kein Alter für einen Fußballer, derzeit bringe er sich mit Privattraining in seiner Geburtsstadt Lille in Form. Ein paar Angebote gebe es bereits, Europa sei das bevorzugte Ziel. "Jetzt beginnt hoffentlich ein neues Kapitel."

Quelle: ntv.de, tsi

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