Fußball

"Irritiert" und "fragwürdig" Bosse des FC Bayern attackieren Löw

Karl-Heinz Rummenigge (links) und Hasan Salihamidzic sorgen sich um die Ruhe im Klub.

Karl-Heinz Rummenigge (links) und Hasan Salihamidzic sorgen sich um die Ruhe im Klub.

(Foto: imago/Eibner)

Einen Tag lässt sich der FC Bayern Zeit, um auf die doch etwas überraschende Ausmusterung seiner drei Routiniers aus der Fußball-Nationalmannschaft zu reagieren. Die Bosse des Bundesligisten stört vor allem Vorgehen und Zeitpunkt der Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw.

Beim FC Bayern sind sie von Joachim Löw kalt erwischt worden - und wirkten am Tag nach der Ausmusterung seiner drei Spieler Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller aus der Fußball-Nationalmannschaft immer noch baff. Mit ihrem unangekündigten Besuch an der Säbener Straße hatte eine DFB-Delegation um den Bundestrainer am Dienstag den drei Weltmeistern deren Ende in der Auswahl verkündet. Überraschung und Enttäuschung wichen beim Bundesligisten in den 22 Stunden danach der Kritik an Löws Vorgehensweise. Die Bayern-Granden sorgen sich um die Ruhe im Klub - und den sportlichen Erfolg.

Jubeln künftig nur noch beim FC Bayern gemeinsam: Thomas Müller (links) und Mats Hummels.

Jubeln künftig, wenn überhaupt, nur noch beim FC Bayern: Thomas Müller und Mats Hummels.

(Foto: imago/Sven Simon)

Löws Entscheidungen würden die Münchner grundsätzlich nicht kommentieren, hieß es in einer Stellungnahme von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Allerdings halten wir den Zeitpunkt und die Umstände der Bekanntgabe dieser Entscheidung an die Spieler und an die Öffentlichkeit für fragwürdig." Seit dem jüngsten Länderspiel am 19. November habe Löw genug Zeit gehabt, eine schnellere Entscheidung zu treffen - und sie vor allem zu verkünden. "Dass die Spieler und die Öffentlichkeit rund dreieinhalb Monate später unmittelbar vor richtungsweisenden Spielen des FC Bayern am kommenden Samstag im Titelkampf der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg und wenige Tage vor dem entscheidenden Rückspiel im Achtelfinale der Champions League am kommenden Mittwoch gegen den FC Liverpool informiert wurden, irritiert uns." Im ZDF ergänzte Rummenigge: "Der Zeitpunkt ist nicht gut für uns. Das bringt ein Stück Unruhe in den ganzen Klub." Die "Stilfrage" müsse jeder für sich selbst beantworten, der Umbruch an sich jedoch sei zu akzeptieren.  Müller hat 100 Länderspiele absolviert, Boateng 76 und Hummels 70.

Lothar Matthäus, Rekordnationalspieler und Sky-Experte, unterstützt die Münchner: "Die Entscheidung finde ich okay, weil wir von einem Umbruch reden, den Zeitpunkt finde ich jedoch sehr unglücklich", sagte der ehemalige Bayern-Kapitän. Eine Woche vor der Partie gegen Liverpool bring Löw nur Unruhe rein. "Man hätte diese drei Spieler nach so vielen verdienstvollen Jahren auch vor zwei Monaten aus der Nationalmannschaft verbannen können und nicht eine Woche vor dem wichtigen Spiel in der Champions League."

"Spieler werden zeigen, welche Qualität in ihnen steckt"

Die drei Routiniers "haben eine extrem erfolgreiche Dekade des DFB geprägt mit dem Gewinn des Weltmeister-Titels im Jahre 2014 als absoluten Höhepunkt", schrieben Rummenigge und Salihamidzic, die nun andererseits ein paar Sorgen weniger haben und nach großen Turnieren drei erschöpfte oder gar verletze Spieler weniger integrieren müssen. Boateng hatte sich schon am Dienstag enttäuscht gezeigt vom Aus im DFB-Team. Hummels stellte am Mittwoch ein Selfie-Bild von sich und seinem einjährigen Sohn Ludwig mit dem Schriftzug "Aufmunterer" online. Von Müller gab es zunächst keine öffentliche Reaktion.

Rummenigge setzt auf eine Steigerung des Trios: "Ich bin sicher, Thomas, Mats und Jérôme werden sich von dieser Entscheidung nicht irritieren lassen", sagte der Bayern-Vorstandschef der "AZ". "Ich denke vielmehr, dass es eine Woche wird, in der unsere drei Spieler zeigen werden, welche Qualität in ihnen steckt." Löw habe mit dem Verzicht "eine große persönliche Verantwortung übernommen." Serge Gnabry hat beobachtet, dass "die Jungs heute im Training wieder Gas gegeben haben, ihre Karrieren gehen weiter. Mal schauen, was in der Zukunft passiert", berichtete der 23-Jährige nach der Vormittagseinheit.

"Dass es ein Nackenschlag war für die Spieler, das ist klar. Nichtsdestotrotz muss man das alles akzeptieren." Gnabry, der gerade seinen Vertrag beim FC Bayern vorzeitig bis 2023 verlängert hat, dürfte in der Nationalmannschaft dabei selbst einer der Nutznießer der jüngsten Entwicklungen sein - und nach dem unfreiwilligen Abschied von Thomas Müller künftig in den Offensiv-Überlegungen Löws mehr Raum einnehmen. Zusätzlichen Druck verspüre er aber nicht. "Ich mache mir keine Gedanken, ob Thomas irgendwo dabei ist, egal ob in der Nationalmannschaft oder hier", erzählte der Mittelfeldspieler und ergänzte: "Genauso macht er sich keine Gedanken, ob ich da bin oder nicht."

Quelle: n-tv.de, ter/sid/dpa

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