Fußball

"Das tut uns allen weh" Das große Entsetzen nach der BVB-Gala

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Mateu Morey verletzte sich gegen Holstein Kiel mutmaßlich schwer.

(Foto: Foto: Ralf Ibing/firo Sportphoto)

Borussia Dortmund erlebt lange einen perfekten Pokalabend - doch dann macht eine üble Szene mit einem Schlag jede Freude über den lockeren Finaleinzug zunichte. Der Schock sitzt tief beim BVB, freuen über die Titelchance will man sich nicht.

Der Final-Jubel fiel aus, von Freude war keine Spur. Die schwere Knieverletzung von Mateu Morey legte sich wie ein Schatten über Borussia Dortmunds sportlich gelungenen Pokalabend. 5:0 stand es gegen Holstein Kiel schon nach 45 Minuten, 5:0 stand es auch am Ende. "Bis zur 72. Minute war es ein perfekter Abend", sagte BVB-Trainer Edin Terzic - doch dann zerstörte eine schlimme Szene alle Freude über den Kantersieg und den Einzug ins Pokalfinale.

Mateu Morey, erst zehn Minuten vorher eingewechselt, war Mitte der zweiten Halbzeit unglücklich im Rasen hängengeblieben, wobei sein rechtes Knie fatal nach hinten überstreckt wurde. Die anschließenden Schmerzensschreie des Spaniers hallten minutenlang durch das menschenleere Stadion in Dortmund. Seine Mitspieler schlugen entsetzt die Hände vors Gesicht, dem verletzt auf der Tribüne sitzenden Erling Haaland stand der Schock ins Gesicht geschrieben. Morey wurde mit einer Trage vom Feld und sofort ins Krankenhaus gebracht.

"Das tut extrem weh"

"Es ist brutal schwer. Wir kennen ihn als Menschen. Wenn man so einen fantastischen Jungen dann auf dem Boden sieht und, viel schlimmer noch, seine Reaktion gehört hat, das tut extrem weh", erklärte Terzic direkt nach dem Spiel und fügte hinzu: "Er ist auf dem Weg ins Krankenhaus. Wir hoffen, dass wir morgen etwas mehr erfahren", sagte Trainer Edin Terzic nach dem Spiel. "Ich glaube, ihn hat jeder im Stadion gehört. Er ist nicht dafür bekannt, dass er schmerzempfindlich ist, das ist jemand, der immer auf die Zähne beißt."

Wie sich der junge Spanier Morey minutenlang unter Schmerzensschreien direkt vor der eigenen Bank auf dem Rasen wand, war ihm und allen im Stadion in Mark und Bein gefahren. Während der für alle sicht- und vor allem hörbar unter starken Schmerzen leidende Morey auf dem Platz von den Sanitätern versorgt wurde, versammelten sich beinahe alle Dortmunder um den leidenden Rechtsverteidiger, der 2019 aus dem Nachwuchs des FC Barcelona nach Dortmund gewechselt war. Beim Abtransport applaudierten Dortmunder und Kieler gemeinsam. Den Schmerz und den Schock linderte das allerdings nicht.

"Wenn man die Szene sieht, weiß jeder, dass es eine schwere Verletzung sein kann", litt der in seiner Karriere immer wieder mit Verletzungen geschlagene Kapitän Marco Reus mit seinem jungen Mannschaftskameraden: "Ich habe es von der Bank aus gesehen. Man muss ehrlich sagen, dass es nicht so gut aussah. Das sah sehr, sehr bitter aus und überschattet den Sieg."

"Ganz bitter für den Jungen"

"Wahrscheinlich ist die Verletzung sehr schlimm. Unsere Gedanken sind bei Mateu. Er ist ein Super-Junge. Er ist ein Super-Fußballer. Das tut uns allen weh", sagte Emre Can in der ARD: "Schön, wir sind im Finale, aber die Freude hält sich in Grenzen. Unsere Gedanken sind bei ihm. Egal, wie schwer die Verletzung ist, wir stehen hinter ihm und werden ihn unterstützen."

Terzic wünschte Morey ebenfalls nur das Beste. "Wir hoffen, dass seine Familie ihn jetzt wenigstens sehen darf, das ist mit Corona ja nicht so einfach. Aber seinen Sohn so hier aus dem Stadion abtransportiert zu sehen...", sagte der Trainer und brach mitten im Satz ab. "Wir hoffen, dass seine Familie ihm jetzt den Halt geben kann." Auch die unterlegenen Kieler dachten nach dem Schlusspfiff an den schwer verletzten Spanier. "Ich kann nur hoffen, dass es nichts Schlimmes ist", sagte Offensivspieler Fin Bartels.

In ihren Social-Media-Postings zum Sieg würdigten der Klub und die Kollegen Morey: "Wenn es jemanden gibt, der alles geben wird, um gestärkt zurückzukommen, dann ist es Mateu", schrieb der Klub auf Twitter, Torschütze Jude Bellingham twitterte "Ich liebe dich, Bruder. Komme stärker zurück!" und Jadon Sancho versicherte: "Wir sind alle bei dir, Bruder. Gute Besserung, bleib stark."

Nach einem lange durch und durch erfreulichen Pokalabends wollte Terzic schließlich den Blick zumindest ein wenig auf das Endspiel gegen RB Leipzig am 13. Mai richten: Sicher, "jetzt wollen wir natürlich das Maximale herausholen. Wir freuen uns sehr, dass es nach Berlin geht." Aber unmittelbar danach fing der Trainer seine kurz schweifenden Gedanken schnell wieder ein: "Trotzdem sind heute Abend unsere Gedanken bei einem unserer wichtigsten Teammitglieder."

Morey war 2018/19 bereits wegen einer Knieverletzung einmal acht Monate lang ausgefallen. "Es tut mir unendlich leid für den Jungen. Alle Borussen und viele andere Menschen sind heute in Gedanken bei Mateu", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dem "SID" am Sonntag. "Die Bilder sahen schrecklich aus. Wir brauchen nun eine genaue Diagnose und können nur hoffen, dass es nicht ganz so schlimm ist."

BVB-Lizenzspielerchef Sebastian Kehl deutete schon, dass es keine positiven Nachrichten geben werde: "Es ist eine schwere Band- und Kapselverletzung. Weitere Diagnosen werden heute und morgen noch stattfinden. Aber der Junge wird lange ausfallen und in Berlin nicht dabei sein. Das wird ein Grund mehr sein, diesen Titel zu holen", sagte Kehl in der Sport1-Sendung "Doppelpass". "Seine Schreie waren sehr lange im Stadion zu hören. Das tut uns für den Jungen sehr, sehr leid."

Quelle: ntv.de, ter

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