Fußball

BVB macht sich selbst ratlos Roses "verdammt noch mal" verhallt ungehört

273292609.jpg

Marco Rose hatte sie ja gewarnt, aber sie wollten nicht hören: Der BVB war am Ende eines Debakels enttäuscht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Borussia Dortmund erlebt einen schlimmen Nachmittag: Im Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen kassiert der Vizemeister im eigenen Stadion fünf Tore. Das schockiert vor allem den BVB selbst. Denn man hatte sich doch auf so vieles so präzise vorbereitet.

Marco Rose ärgerte sich: "Was dazu geführt hat, dass ich mich umgedreht habe, darüber möchte nicht reden. Wenn Kinder das hören, wird es schwierig", sagte der Trainer von Borussia Dortmund am frühen Sonntagabend zu einer Szene am Ende eines bitteren Bundesliga-Nachmittags. Rose, Trainer des BVB, hatte einen pöbelnden Fan hinter seiner Trainerbank eingenordet. Nachhaltiger als der offenbar betrunkene Krakeeler dürfte Rose aber das Spiel selbst mitgenommen haben. 2:5 (1:3) war sein beeindruckend wackeliges Team gegen Bayer Leverkusen untergegangen.

Viele Gegentore, schon wieder. Großes Spektakel, wie meistens. Zweimal waren fußballerisch offene Saalschlachten in der Rückrunde gut gegangen: Jeweils 3:2 schlug man Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim, beim 5:1 gegen den SC Freiburg begeisterte man die Liga und sich selbst. Diesmal aber war es viel zu wild. Und Rose schüttelte den Kopf. Nicht nur über den Fan, den man schnell dem Vergessen anheimgeben sollte. Über das Spiel aber ist noch zu reden.

"Härter und konsequenter verteidigen"

Dabei ist es wahrlich nicht so, als würde der einstige Mainzer Bundesligaprofi das sportliche Schicksal leichtfertig und schulterzuckend in die Hände seiner Fußballer übergeben: "Es muss bei jedem in den Kopf, dass wir - verdammt noch mal - unser eigenes Tor härter und konsequenter verteidigen", lautete noch am Freitag seine vehement vorgetragene Forderung an seine Mannschaft. Zwei Tage später, nach einem schlimmen Sonntag, wusste Rose: Sowohl seine akribischen Trainingspläne als auch seine deutlichen Worte zeigten keine Wirkung. Sie verhallten ungehört oder gingen unter im nervösen Grundrauschen Dortmunder Verunsicherung. Beim 2:5 bezog Borussia Dortmund von Bayer Leverkusen ordentlich fußballerische Kloppe. Das Eigentor von Manuel Akanji leitete das Debakel ein, es war aber nicht nur das Missgeschick des Schweizers, das Rose hinterher meinte: "Wir legen uns alle paar Minuten die Eier selbst hinten rein."

Seine Mannschaft ließ in Abwesenheit von Abwehrchef Mats Hummels wahnwitzig viel zu. Und dabei wussten alle, worauf es gegen das wieder erstarkte Bayer Leverkusen ankommt, das nun im zweiten Bundesligaspiel in Serie fünfmal traf: "Wir wussten, dass sie bei Umschaltsituationen schnell sind", sagte der bedauernswerte Torwart Gregor Kobel. "Heute gab es so viele Situationen, wo sie gekontert haben und nochmal reingespielt haben oder vor mir standen." Und es hätte nach Kobel auch alles noch viel schlimmer kommen können: "Es gab noch gefühlt zehn andere Situationen, in denen sie es nicht gut ausgespielt haben, wo man auch treffen kann. Das ist dann zu wenig." Es war zu erwarten, das schnelle Umschaltspiel ist die Kernkompetenz Bayer Leverkusens. "Es sind die Dinge, die wir angesprochen haben", sagte Rose bei "DAZN". "Was gefehlt hat, war genau das, worauf wir uns vorbereitet haben", fand Torwart Kobel.

Erschütternde Statistik

36 Gegentreffer hat Borussia Dortmund in den 21 Saisonspielen schon kassiert. Kein Team oberhalb des unteren Drittels hat so viele kassiert wie der Tabellenzweite. Sogar Arminia Bielefeld, der 15., und der FC Augsburg auf dem Relegationsrang stehen wenigstens in der Gegentrefferstatistik besser da. Dass der BVB auch in dieser Runde zwischenzeitlich offiziell als "Bayern-Verfolger" besprochen wurde, wirkt da wie Hohn. Durch die Pleite ist der Rekord- und designierte Wiedermeister wieder auf neun Punkte enteilt. Weil es von hinten wenig Druck gibt - Bayer Leverkusen ist noch fünf Zähler zurück, der SC Freiburg auf dem ersten Nicht-Champions-League-Rang sogar zehn - sorgt dafür, dass sie im Westfälischen eigentlich konzentriert und frei von Tabellendruck daran arbeiten könnten, ihre Fehler endlich in den Griff zu bekommen.

Allein: Genau das tun sie ja offenbar, es nutzt nur nichts. "Zum Teil setzen wir die Vorgaben nicht um", kritisierte Kapitän Marco Reus. "Wir haben uns zwei Wochen auf das Spiel vorbereitet, wir erzählen immer dasselbe und dann müssen wir es auf den Platz bringen. Das haben wir heute gar nicht geschafft." Es ist ehrenvoll, dass sich der Nationalspieler immer wieder stellt und versucht, das schwer Erklärbare zu erklären. "Leider ist es dann auch ein Kopfproblem, das dazukommt", versuchte sich Reus im Erklären. "Wir müssen eine andere Körpersprache an den Tag legen, vor allem nach dem 3:1 zur Pause." Es bleibt kompliziert. "Wir waren gefühlt nie im Spiel. In den Phasen, in denen wir mal dran waren, wurde uns schnell wieder der Stecker gezogen", sagte Rose.

Marco Rose, seit Beginn der Saison verantwortlich für das sportliche Fortkommen des längst zum Hinterherhechler herabgestuften Verfolgers, wirkt mehr erschrocken als ratlos. Dass Rose seinem Kader eine Spielidee beibringen kann, hatte er zuvor in Mönchengladbach gezeigt. Bei der anderen Borussia hatte er binnen einer Vorbereitung aus einer Verwaltungseinheit ein spannendes, hocheffektives Überfallkommando gemacht, dessen Schlagkraft den Klub erstmals in die K.-o.-Runde der Champions League gebracht hat, bevor rund um seinen lauten Abschied vieles den Bach runtergegangen war.

"Andere Themen als Bayern"

Rose ist ein akribischer Trainer mit klaren taktischen Ideen. Borussia Dortmund hat schon große Siege mit überzeugenden Leistungen in dieser Saison gefeiert. Nicht selten lag das an der großen individuellen Klasse von Wunderstürmer Erling Haaland. Der aber fehlte gegen Bayer Leverkusen. Und das sorgt nicht nur - natürlich - für einen Qualitätsverlust in der Offensive, sondern auch für eine Menge Stress für die gesamte schwarz-gelbe Konstruktion. "Die Niederlage ist bitter. Die Jungs haben viel investiert, mussten aber schauen, dass sie nicht wieder in einen Konter laufen. Wir hatten in der ersten Halbzeit zu wenig Ruhe und Klarheit mit dem Ball. Zudem hatten wir kaum Torschüsse, und dementsprechend ist es ein verdienter Sieg für Leverkusen."

"Damit bestätigen wir leider wieder ein paar Dinge, die uns in den letzten Wochen, Monaten und Jahren vorgehalten wurden. Es ist einfach unser Verschulden. Fertig. Aus. Das Aus macht mich sauer, weil es die Chance auf einen Titel war und wir das Spiel einfach wegschenken", schimpfte Rose noch. Reus sagte richtig: "Wir müssen andere Themen haben, als über Bayern zu reden." Am kommenden Sonntag (15.30 Uhr im Liveticker auf ntv.de) muss Borussia Dortmund bei Union Berlin antreten. Die Vorbereitung läuft schon, das ist sicher. "Wir werden die Dinge analysieren und die Entwicklung vorantreiben. Zur Entwicklung gehören auch Rückschläge, und daran arbeiten wir."

Auf das 5:1 gegen den SC Freiburg folgte eine Pokalpleite beim Zweitligisten FC St. Pauli. "Wir sind in diesen Pokalabend nicht so gestartet, wie man in einen Pokalabend startet in den ersten zehn Minuten. Mit dem Wissen, was uns hier erwartet. Da bringen wir uns selbst in Probleme mit dem Rückstand und spielen in der ersten Halbzeit ein bisschen kopflos", ärgerte sich Rose auf "Sky" damals. "Damit bestätigen wir leider wieder ein paar Dinge, die uns in den letzten Wochen, Monaten und Jahren vorgehalten wurden. Es ist einfach unser Verschulden. Fertig. Aus. Das Aus macht mich sauer, weil es die Chance auf einen Titel war und wir das Spiel einfach wegschenken." Es folgte ein 3:2 gegen die TSG Hoffenheim. Ein Schritt nach vorne, wenigstens das Ergebnis. "Wir müssen als Team gemeinsam die nächsten Schritte gehen. Konstanz ist das große Wort", sagte Rose gestern. Nun stehen sie wieder da, wo sie vor drei Wochen standen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen