Redelings Nachspielzeit

Der Schimanski aus Marl Als Peter Neururer mit Pistole erwischt wird

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Peter Neururer ist immer für eine Überraschung gut.

(Foto: imago/Norbert Schmidt)

Geschichten für die Sommerpause: Auch Weltmeister Christoph Kramer mag Kult-Trainer Peter Neururer - vor allem diesen unverwechselbaren Typen und überragenden Geschichten-Erzähler, der schier wahnwitzige Storys erlebt hat.

Als der ehemalige Bundesligatrainer Peter Neururer vor einigen Wochen seinen 65. Geburtstag feierte, gratulierte ihm auch sein ehemaliger Spieler beim VfL Bochum, der Weltmeister von 2014, Christoph Kramer - und er hatte eine ganz spezielle Bitte an seinen Ex-Coach: "Ich wünsche ihm von Herzen, dass er einfach so bleibt, wie er ist, weil ich den Typen Peter Neururer wirklich in mein Herz geschlossen habe." Da auch Christoph Kramer durchaus ein echter Typ ist, darf man sich wohl schon heute auf Geschichten der beiden aus ihrer gemeinsamen Zeit in Bochum freuen. Noch bleibt das eine oder andere unter dem sicheren Deckmantel verborgen - aber warten wir mal ab, bis auch Christoph Kramer seine Laufbahn eines Tages beendet hat, was da noch so an herrlichen Storys kommen mag.

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Bei Peter Neururer weiß man schon heute nicht, wo man im Rückblick auf seine lange und ereignisreiche Karriere als Coach beginnen soll. Denn der gebürtige Marler hat neben seinem Talent als Trainer noch eine andere große Gabe: Er ist ein überragender Geschichtenerzähler. Hier einmal zwei dieser Storys zur angeregten Unterhaltung in der Sommerpause.

Nach einem kurzen Abstecher von Peter Neururer nach Hannover landete er am 1. April 1996 bei seinem Herzensverein in Köln: "Ich war schon FC-Fan, als Overath noch als Quark im Schaufenster ausgestellt war." Eine erlebnisreiche Zeit folgte, die auch den FC-Anhängern munter im Gedächtnis geblieben ist. So wollte bei einer Fragerunde einmal ein Kölner Fan von Peter Neururer erfahren, ob die unglaubliche Anekdote stimme, dass sich der Coach vor der ersten Begegnung die Mannschaftsaufstellung von einem Anhänger habe diktieren lassen, weil er nicht recht wusste, wen er da genau vor sich hatte.

Neururer: "Dass ich, als ich damals Trainer vom FC geworden bin, die Spieler nicht kannte, kann ich mir nicht vorstellen. Aber es ist durchaus richtig, dass ich - ich weiß nicht mehr, wer es war - einen Beteiligten gefragt habe: 'Wenn du die Verantwortung hättest und ihr meckert immer rum, dann sag du mir doch mal, wer soll denn in Leverkusen spielen. Nenn mir mal die Aufstellung.' Das gleiche Spielchen mache ich übrigens auch immer gerne mit Präsidenten, wenn die beginnen, Kritik auszuüben, dann sag ich: 'Was stellen Sie sich eigentlich vor? Machen Sie mal für morgen die Aufstellung, dann haben Sie aber auch die Verantwortung. Da wird kein Präsident dieser Welt etwas sagen.' Dieser Fan hat mir ein paar Namen genannt, und es ist durchaus möglich, dass davon auch einige in Leverkusen gespielt haben. Aber wenn es so war: Wunderbar! Wir haben, glaube ich, in Leverkusen damals gewonnen, 2:1. Ich glaube, der Herr war Gemüsehändler aus Köln. Kennt jeder. War jeden Tag am Geißbockheim."

Neururer nahm die Frage also mit Humor - genau wie damals, als er schließlich irgendwann auch beim FC entlassen wurde: "In Köln rauszufliegen ist keine Schande. Ich habe meinen Vertrag sogar zweimal verlängert - wer hat das denn in Köln sonst noch geschafft. Einen Fußball-Nobelpreis gibt es ja nicht. Aber eigentlich hätte ich ihn verdient!"

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Und dann gibt es da noch eine Geschichte, die Peter Neururer immer wieder aufs Neue erzählen muss. Und in dieser, es ist wahrscheinlich eine seiner legendärsten Anekdoten überhaupt, kommen ein Blaulicht und ein Schreckschuss-Revolver vor. Als Trainer des MSV Duisburg wurde Neururer damals auf einer Landstraße kurz vor dem luxemburgischen Machtum von der Polizei gestoppt. Wie er selbst nicht müde wird zu betonen, soll er "angeblich" mit 153 Kilometern pro Stunde von einer Laser-Anlage geblitzt worden sein. Erlaubt waren schlappe 90. Doch die Geschwindigkeitsübertretung sollte an diesem Tage zu seinem kleinsten Übel werden.

Denn bei der anschließenden Kontrolle seines Fahrzeugs fanden die Luxemburger Beamten ein Blaulicht auf dem Beifahrersitz und einen Schreckschuss-Trommelrevolver samt Munition im Handschuhfach. Als man sich freundlich bei ihm erkundigte, ob er vielleicht ein deutscher Kollege sei, überkam den Marler Schimanski ein Moment der Schwäche und er bejahte die Frage. Die kurze telefonische Kontrolle der Personendaten Neururers endete schließlich mit erhobenen Händen und einer intensiven Leibesvisitation des Trainers am Kofferraum seines Flitzers.

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Bens aktuellem Buch und seinem gleichnamigen Tourprogramm ("Fußball. Die Liebe meines Lebens") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Das Blaulicht ist damals übrigens ein Geschenk seiner Spieler beim VfL gewesen. Die hatten ihrem Coach eine besondere Freude machen wollen und dabei voll ins Schwarze getroffen. Denn immer dann, wenn Peter Neururer über die vollgestopfte A40 zum Training eilen wollte und ihn ein Stau am pünktlichen Erscheinen hinderte, packte die Marler Kultfigur ihr Blaulicht aufs Dach und wartete, was passierte. "Das dauerte nur Sekunden und dann teilte sich die Autoschlange wie bei Moses in der Bibel das Wasser in der Mitte auf und ich konnte mit meinem Wagen hindurchstechen wie mit einem warmen Messer durch die kalte Butter", plauderte Neururer einmal aus dem Nähkästchen und strahlte.

Nur ein einziges Mal hielt ihn die deutsche Polizei wegen dieses Vergehens an. Doch die TV-Kommissare Toto & Harry drückten noch einmal ein Auge zu. Schließlich sei Neururer zwar kein Berufskollege, aber wenigstens ein Vereinskollege beim VfL Bochum, meinten sie. Genau wie übrigens auch Christoph Kramer. Der Spieler von Borussia Mönchengladbach ist mit seinem Ex-Klub bis heute eng verbunden.

Quelle: ntv.de