Technik
Wer Sport treibt, der will auch beschallt werden. Vielleicht mit den Bose Soundsport?
Wer Sport treibt, der will auch beschallt werden. Vielleicht mit den Bose Soundsport?(Foto: Holger Preiss)
Samstag, 14. April 2018

Schneller, höher, lauter: Bose Soundsport - Stöpsel für Extremsportler

Von Holger Preiss

Wer Sport treibt, möchte dabei ganz bei sich sein. Was hilft da besser als Musik im Ohr? Am besten ohne Kabelsalat und mit fulminantem Sound. Bose verspricht genau das für seine Soundsport-Kopfhörer. Aber können die Earbuds das Versprechen halten?

Nicht nur viele Autofahrer legen gesteigerten Wert auf eine hochwertige Sound-Kulisse - auch Freizeit- und Profisportler suchen das optimale Klangerlebnis. Das gibt es selbstredend schon länger, allerdings ist das für viele Musikenthusiasten mit einem leidigen Kabelsalat verbunden, der unter dem Shirt durchgewurschtelt werden muss. Auch der Umstand, dass die Knöpfe aus den Ohren rutschen oder sich am Schweiß oder Regenwasser verschlucken, ist nicht unbekannt. Wer das alles nicht mehr will, könnte auf der Suche nach dem ultimativen Ohrenschmaus im Sportoutfit bei den neuen Bose Soundsport free hängenbleiben. Das "hängenbleiben" ist nicht wörtlich zu nehmen, denn die US-Amerikaner versprechen kabellosen Spitzenklang.

Long Play für Langläufer

Das schicke Case dient auch als Ladestation für die Soundsport.
Das schicke Case dient auch als Ladestation für die Soundsport.(Foto: Holger Preiss)

Und da muss was dran sein. Schließlich ist das Klangunternehmen auch mit Mercedes-Petronas in der Formel 1 verbandelt und liefert für die Silberpfeile und deren Piloten entsprechendes Equipment. Aber wie heißt es so schön: "Versuch macht klug." Also, die Bose In-Ear-Kopfhörer zum Test bestellt. Geliefert werden die Sound-Stöpsel in einer etwa DIN A5 großen Schachtel. Darin enthalten: drei unterschiedlich große Aufsätze für die individuellen Höreingänge, ein Büchlein zur Erklärung der grundlegenden Funktionen - eine ausführliche Betriebsanleitung gibt es im Internet - und eine Hülle für die Kopfhörer. Das ist aber nicht nur für den sicheren Transport, sondern dient auch als mobile Ladestation. Mithilfe eines Mini-USB lässt sie sich selbst mit Strom versorgen, wobei vier LED-Lämpchen über den jeweiligen Zustand Auskunft geben.

Im harten Sporteinsatz haben die Earbuds Saft für fünf Stunden. Weitere zwei Ladungen sind sozusagen in der Box und wer will, kann mit einer 15-minütigen Schnellaufladung die Wiedergabezeit um weitere 45 Minuten verlängern. Das jedenfalls verspricht Bose in seiner Werbung und hier kann auch nichts Gegenteiliges behauptet werden. Im Test erwiesen sich die Kopfhörer tatsächlich als Dauerläufer. Das aber erst, nachdem sie über eine entsprechende von Bose zur Verfügung gestellte App unter dem Namen "Bose Connect" mit dem - im Falle des Autors - iPhone 6S via Bluetooth verbandelt waren. Allerdings war die Herstellung der Verbindung nicht das sprichwörtliche Kinderspiel. Es brauchte schon einige Anläufe, bis die Geräte sich in ihrer Kommunikation einig waren. Ist die Verbindung aber erst einmal hergestellt, reicht es, die Kopfhörer aus der Hülle zu nehmen, um sie wieder in Rufbereitschaft zu versetzen. Lustig ist, dass nach diesem Vorgang eine mehr als gelangweilte Stimme über diesen Umstand informiert.

Ausfall in der Linkskurve

Wer die Soundsport in den Ohren trägt, muss sich schon etwas an den Anblick gewöhnen.
Wer die Soundsport in den Ohren trägt, muss sich schon etwas an den Anblick gewöhnen.(Foto: Holger Preiss)

Aber egal, hier geht es ja nicht um die Bose-Stimme, sondern um den Klang, der einem beim 10-Kilometer-Lauf oder beim Bankdrücken in die Ohren geblasen wird. Der ist natürlich wie immer von den Vorlagen abhängig. Schlechte Aufnahme, schlechte Wiedergabe. Das sei an dieser Stelle nur erwähnt, weil in einigen Chat-Einträgen bereits zu lesen war, dass der Sound extrem blechern klingen würde. Das ist einfach nicht wahr. Natürlich kann das Volumen der Earbuds nicht mit großen Bügel-Kopfhörern verglichen werden, aber mit den Mini-Stöpseln, die an der Strippe hängen schon und die überflügeln die Soundsports um Längen. Geht man ihnen allerdings mit der gleichen Klasse an den Kragen, wird es enger.

Preislich bewegen sich die Bose Earbuds bei 200 Euro. Sind also ähnlich teuer wie die Airpods von Apple. Die jedenfalls spielen die Mitten und Bässe nachhaltiger aus, haben aber in den Höhen ihre Schwächen, die bei den Bose Kopfhörern recht brillant wiedergegeben werden. Allerdings kann man die Apple Airpods für den Sportalltag getrost vergessen. Es gibt Ohren wie die des Autors, die sie schon bei leichten Drehbewegungen auswerfen. Das wird man bei den Bose nicht erleben. Die pressen sich dank ihrer Silikon-Flügel fest in die Ohrmuschel und halten sogar bei extremen Kopfbewegungen fest. Einziges wirkliches Ärgernis ist, dass die Earbuds den Kontakt auf der linken Seite verlieren, sobald der Kopf in diese Richtung gewendet wird. Bewegt der Sportler sein Haupt zurück, spielt die Musik wieder. Gerade für Läufer, die schon ab und an den Verkehr im Blick haben sollten, ist das nervig. Vielleicht kann da ja ein Update Abhilfe schaffen.

Bei Wind und Wetter

Problemlos gestaltet sich hingegen mit etwas Übung die Regelung der Lautstärke oder die Annahme von Telefonaten. Beides erfolgt über Druckfelder am rechten Earbud. Der ist auch alleinig für die tonale Übertragung der Stimme des Kommunikationspartners verantwortlich. In den Buds selbst sind Mikrofone verbaut, die die Sprachübertragung sicherstellen. Das funktioniert leidlich gut. Probanden am anderen Ende klagten über eine recht blecherne Stimmwiedergabe und Tests mit dem schon erwähnten Apple Airpods waren qualitativ deutlich besser. Aber beim Sport soll ja auch nicht geredet werden. Hier geht es um Konzentration und Fitness. Und natürlich auch ein wenig um Eitelkeiten.

Zu denen darf gesagt werden, dass die Bose Soundsport schon ganz schick aussehen. Klar, die dicken aus den Ohren ragenden Klangkörper sind etwas gewöhnungbedürftig, aber sehen lange nicht so albern aus wie die nach unten hängenden Stifte der Apple Airpods. Einzig unter der Mütze fangen sie etwas an zu drücken. Dafür haben sie über insgesamt 30 gelaufene Kilometer, davon 10 in strömenden Regen, und zwei schweißtreibenden Einsätzen in der Muckibude keine nennenswerten Fehler produziert. Bis auf die oben genannten verrichteten die Bose Earbuds ihre Arbeit zur vollsten Zufriedenheit des Autors und ließen sich auch von Regen und Schweiß nicht aus dem Konzept bringen.

Soundtechnisch kann man den Bose Soundsport am Ende genauso wenig am Leder flicken wie bei der Bedienbarkeit. Wenn am Ende die Aussetzer nicht wären und die Sprachqualität bei Telefonaten dem Markenanspruch genügen würde, könnte man sie für 200 Euro problemlos empfehlen. So bleiben am Ende leichte Zweifel, ob das Geld in Gänze gut investiert ist.

Quelle: n-tv.de