Technik
Weil der Akku des Blaupunkt Carl 280 im Rahmen versteckt ist, sieht man dem Klapprad kaum an, dass es ein Pedelec ist.
Weil der Akku des Blaupunkt Carl 280 im Rahmen versteckt ist, sieht man dem Klapprad kaum an, dass es ein Pedelec ist.(Foto: kwe)
Montag, 30. Juli 2018

Pedelec-Premiere von Blaupunkt: Carl 280 ist ein gutes, günstiges E-Klapprad

Von Klaus Wedekind

Das E-Klapprad "Carl 280" ist eines der ersten beiden Pedelecs, die unter dem berühmten Namen Blaupunkt verkauft werden. n-tv.de stellt im Test fest, dass die Premiere bis auf einen Übersetzungsfehler durchaus gelungen ist.

Weil Blaupunkt mal für seine Autoradios berühmt war, die auch jüngere Semester noch in Gebraucht-Fahrzeugen kennenlernten, wird man erstmal misstrauisch, wenn unter dieser Marke ein Pedelec verkauft wird. Schließlich hat der Name so gut wie nichts mehr mit der altehrwürdigen Firma zu tun, die 1923 in Hildesheim gegründet wurde. Doch das E-Klapprad "Carl 280", das unter der Regie der Hamelner Evo Sales GmbH hergestellt wird, ist keine Enttäuschung, sondern eine durchaus gelungene Premiere, hat n-tv.de bei seinen Probefahrten festgestellt.

Klappt, aber klappert nicht

Zusammengeklappt passt das Rad in jeden Kofferraum.
Zusammengeklappt passt das Rad in jeden Kofferraum.(Foto: kwe)

"Carl" sieht nicht nur sehr solide aus - es ist es auch. Seine Klapp-Verbindungen sitzen bombenfest, an dem Fahrrad klappert absolut nichts. Das zentrale Gelenk in der Rahmen-Mitte ist allerdings ziemlich schwergängig, weshalb man schon mal einen Fuß zur Hilfe nehmen muss, um das Fahrrad auseinander- oder zusammenzuklappen.

Ansonsten ist alles mit wenigen Handgriffen schnell erledigt. Ist das Fahrrad in der Mitte geknickt, fährt man den Lenker ein und kippt die Lenkstange um, fährt den Sattel ein und klappt die Pedale in der Mitte hoch. Gefaltet ist "Carl" nur 68 x 38 x 63 Zentimeter groß und findet auch im kleinsten Kofferraum noch Platz. Dabei wiegt das Fahrrad für ein Pedelec mit knapp 18 Kilo nicht allzu viel, was die Handhabung ohne spezielle Haltegriffe erleichtert.

Starker Motor

Das zentrale Scharnier wirkt sehr stabil.
Das zentrale Scharnier wirkt sehr stabil.(Foto: kwe)

Angetrieben wird das E-Klapprad von einem 250-Watt-Heckmotor (36 Volt), der ein Drehmoment von 35 Newtonmetern (Nm) liefert. Die Kraft kann man in fünf verschiedenen Stufen wirken lassen oder beim Schieben und Anfahren in Schrittgeschwindigkeit einsetzen. Im Test blieb die höchste Stufe eingestellt, weil so wahrscheinlich auch die meisten anderen Radler auf dem "Carl 280" fahren würden.

Der Motor wartet nicht lange, sondern geht schon beim Anfahren ordentlich zu Sache. Das macht Spaß, ist aber manchmal vielleicht etwas zu viel des Guten. Denn wenn man in einem mittleren Gang kräftig in die Pedale tritt, legt man schon mal einen ungewollten Hochstart hin.

Irgendwo muss gespart werden

Die Schaltung ist okay, könnte aber besser sein.
Die Schaltung ist okay, könnte aber besser sein.(Foto: kwe)

Wenn man nicht in den Hochalpen ist, schaltet man bei Blaupunkts Pedelec aber ohnehin nicht viel, sondern bleibt die meiste Zeit im siebten Gang. Das liegt daran, dass die Übersetzung etwas zu kurz ausgelegt ist. Das stört vor allem dann, wenn man auf flachen Strecken mit 25 Stundenkilometern entspannt radeln möchte und stattdessen hektisch kurbelt.

Man merkt an dieser Stelle, dass bei Schaltung, Kassette und Kettenblatt gespart wurde. Die Komponenten von Shimano gehören eher zu der günstigen Preisklasse. Ähnliches gilt für die Jak-Scheibenbremsen, die zwar gut greifen, aber vielleicht nicht ganz so lange halten wie teurere Bremsen.

Bequem und ausdauernd

Ansonsten liegt das E-Klapprad sehr sicher auf der Straße und die 20-Zoll-Räder kommen auch abseits glatt asphaltierter Straßen gut zurecht. Durch eine vordere Federgabel steckt das kleine Pedelec auch erstaunlich problemlos fiese Kopfsteinpflaster-Pisten weg, ein gut gepolsterter Sattel schont dabei auch das Hinterteil des Fahrers. Klasse ist außerdem, dass große Fahrer nicht zu kurz kommen. Sattel- und Lenkerstange sind so lang, dass auch 2-Meter-Menschen bequem unterwegs sind.

Als bemerkenswert gut hat sich die Laufleistung des Klapp-Pedelecs herausgestellt. 50 bis 70 Kilometer gibt der Hersteller die Reichweite mit einer Akku-Ladung (280 Wattstunden/7 Amperestunden) an. Im Test reichte es sogar in höchster Unterstützungs-Stufe für rund 70 Kilometer. Dabei schonten die wenigen echten Anstiege in Berlin und Umgebung zwar die Batterie, aber 50 Kilometer sollten immer drin sein. Der Akku versorgt auch ein fest installiertes Vorderlicht. Das Rücklicht wird dagegen angeklemmt und benötigt eigene Batterien.

Schnell geladen, aber Schlepp-Gefahr

Der Akku ist in weniger als vier Stunden geladen, was recht erfreulich ist. Allerdings ist er fest im Rahmen verbaut, weshalb man das Rad unter Umständen in die Nähe einer Steckdose schleppen muss. Die integrierte Batterie bedeutet aber nicht, dass man das Fahrrad entsorgen muss. Laut Hersteller kann man sie in Werkstätten problemlos wechseln lassen. Der Ersatz-Akku kostet 385 Euro, der Austausch soll maximal zehn Minuten dauern.

Unterm Strich ist das "Carl 280" ein gutes und solides E-Klapprad, das Urlauber vom Campingplatz zum Supermarkt oder Pendler vom Parkplatz zum Büro bringen kann. Es ist bequem, hat eine gute Reichweite und kommt auf fast jedem Untergrund zurecht. Eine längere Übersetzung und etwas hochwertigere Komponenten bei Schaltung und Bremsen wären schön, sind aber bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von knapp 1500 Euro kaum zu erwarten.

Quelle: n-tv.de