Technik

Wenn Kinder zum Tablet greifen Ist Amazon FreeTime eine gute Sache?

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Kinder finden sich auf der Oberfläche von FreeTime leicht zurecht.

(Foto: kwe)

Amazon baut seinen Dienst "FreeTime" aus, der Kindern einen sicheren und altersgerechten Zugang zu digitalen Inhalten ermöglichen soll. Eltern erhalten mehr Kontrolle, aber auch Anregungen für "Gesprächsideen". Ist das eine gute Sache?

Manche Eltern vertreten die Meinung, Kinder so lange wie möglich von Internet, Smartphones oder Tablets fernzuhalten. Andere halten es eher für sinnvoll, den Nachwuchs behutsam an neue Techniken heranzuführen, damit sie sich später in einer modernen Welt besser zurecht finden und Chancen und Risiken besser einschätzen können. Für solche Eltern ist "Amazon FreeTime" gedacht. Der Dienst bietet Kindern über eine eigene Benutzeroberfläche auf Amazon-Tablets Zugriff auf Bücher, Videos, Apps und einem Web-Browser. App-Käufe, In-App-Käufe oder soziale Medien sind gesperrt, Messenger oder E-Mail-Programme ebenfalls. Kinder haben kein eigenes Konto, sie erhalten ein Profil innerhalb des Eltern-Kontos.

Das Angebot ist dabei entweder für Drei- bis Zehnjährige oder für Kinder ab elf Jahren zugeschnitten, was im Profil des Kindes festgelegt wird. Eltern können aber auch das Alter in den Einstellungen aufs Jahr genau über den "intelligenten Filter" festlegen oder Inhalte nach eigenem Ermessen hinzufügen oder entfernen. Bei aktiviertem Browser bietet Amazon an, den Zugriff auf manuell kuratierte Webinhalte zu beschränken. Ansonsten haben Eltern nur die Möglichkeit, den Verlauf der besuchten Webseiten zu kontrollieren.

Erst lesen, dann gucken

Wichtig ist auch, dass Eltern festlegen können, wann und wie lange ein Kind "FreeTime" hat und auch bestimmen dürfen, wie viel Zeit sie mit Videos, Apps oder im Internet verbringen können. Wer Wert darauf legt, dass Kinder mehr lesen, kann auch aktivieren, dass sie zunächst eine gewisse Zeit mit Schmökern zubringen, bevor sie spielen oder Videos gucken dürfen.

Kürzlich hat Amazon außerdem das Eltern-Dashboard hinzugefügt. Hier können Eltern im Web-Browser auf dem PC oder mobilen Geräten sehen, wie viel Zeit ihr Kind mit welchen Inhalten zugebracht hat. Dort haben sie aber auch die Möglichkeit, sogenannte "Gesprächsideen" abzurufen, wenn hinter einem aufgelisteten Buch, Video oder einer App eine Sprechblase angezeigt wird. Sie erhalten dann zusätzlich zu Infos über den Inhalt Vorschläge, über was sie mit dem Kind sprechen können. Außerdem erhalten sie Vorschläge, was sie "offline" mit dem Kind passendes unternehmen könnten. Bei den "Drei Fragezeichen" wird beispielsweise angeboten, eine Schatzsuche zu organisieren.

Am besten wird der Dienst als kostenpflichtiges Abo "FreeTime Unlimited" genutzt, denn dann hat das Kind Zugriff auf alle genehmigten Inhalte, ohne dass bei kaufpflichtigen Angeboten nachgefragt oder diskutiert werden muss. Es kostet 5 Euro pro Monat, bei bis zu vier Kindern 10 Euro. Prime-Kunden zahlen 3 oder 7 Euro. Wer ein 7-Zoll-Tablet als Fire Kids Edition für 120 Euro kauft, erhält das Abo für ein Jahr gratis.

"FreeTime" kein Ersatz für gemeinsame Zeit

Im Prinzip ist "FreeTime" eine gute Sache, um es Eltern zu erleichtern, ihren Kindern einen dosierten Zugang zu digitalen Inhalten zu ermöglichen. Ihm dabei zu helfen, sich selbstständig damit zu beschäftigen, ohne es alleine zu lassen. Internet, Smartphones und Tablets gehören heutzutage zum Leben dazu. Es ist besser, dafür früh eine Kompetenz zu entwickeln, als später unkontrolliert davon überwältigt zu werden. Wann ein Kind so weit ist, kann aber nicht pauschal gesagt werden. Das liegt ebenso in der Verantwortung der Eltern wie darauf zu achten, dass "FreeTime" kein Ersatz für gemeinsame Aktivitäten wird.

Bisher steht "FreeTime" nur Käufern eines Amazon-Tablets zur Verfügung, doch es gibt jetzt auch eine Android-App. Bisher steht sie zwar in Deutschland noch nicht zur Verfügung, es dürfte aber nicht mehr allzu lange dauern, bis es so weit ist. Dann ist der Dienst aus der App heraus aber voraussichtlich auf Bücher und Videos beschränkt.

Quelle: ntv.de