Technik

Revolutionärer neuer Standard Was ist Bluetooth LE Audio?

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Sony Ohrhörer Linkbuds S könnten durch ein Update Bluetooth Audio LE erhalten.

(Foto: Sony)

Bluetooth LE Audio ist nicht einfach nur eine Verbesserung der Funkübertragung bei Kopfhörern und Lautsprechern, sondern eine kleine technische Revolution. ntv.de erklärt, was der neue Standard kann.

Im Januar 2020 hat die Bluetooth Special Interest Group (SIG) bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas erstmals Bluetooth LE Audio vorgestellt - doch erst in diesen Sommer ist der Startschuss für den neuen Standard gefallen. Ab jetzt soll es aber schnell gehen: Unter anderem hat Qualcomm kürzlich neue Chips vorgestellt, die die Technologie unterstützen. Erste Kopf- und Ohrhörer mit Bluetooth LE Audio werden vermutlich auf der kommenden CES zu sehen sein.

LE steht für Low Energie, also für einen niedrigen Stromverbrauch. Die Technik wurde bereits 2009 mit Bluetooth 4.0 eingeführt und dann weiterentwickelt. Unter anderem sind die durch den geringeren Energiebedarf bedingten niedrigeren Bitraten verbessert und Bluetooth LE für das Internet der Dinge fit gemacht worden.

Trotz der verbesserten Datenrate nutzen Kopf- und Ohrhörer Bluetooth LE bisher nicht zur Audio-Übertragung, sondern nur zum Koppeln oder der Übermittlung von Informationen wie den Ladestand der Akkus. Stattdessen spielt die Musik immer noch über das energieintensivere Bluetooth Classic, da es stabilere Verbindungen sowie höhere Bitraten und damit eine bessere Qualität ermöglicht. Das gilt nicht nur für höher auflösende Codecs wie Qualcomm aptX oder Sony LDAC, sondern laut "Soundguys" auch den für Standard-Codec SBC.

Neuer Codec LC3

Mit Bluetooth Audio LE kommt aber der neue Codec LC3 (Low Complexity Communication Codec/Übertragungscodec mit geringer Komplexität), der auch bei niedrigen Datenraten eine hohe Qualität und sehr niedrige Latenzen ermöglichen soll. "Ausführliche Hörtests haben gezeigt, dass LC3 eine bessere Audioqualität als der in Classic Audio enthaltene SBC-Codec bietet, selbst bei einer um 50 Prozent niedrigeren Bitrate", sagt Manfred Lutzky vom Fraunhofer IIS, das LC3 zusammen mit Ericsson entwickelt hat. "Entwickler können diese Energieeinsparungen nutzen, um Produkte zu entwickeln, die eine längere Akkulaufzeit bieten oder in Fällen, in denen die aktuelle Akkulaufzeit ausreicht, den Formfaktor durch Verwendung eines kleineren Akkus verringern."

LE Audio wird kabellose Ohrhörer auch verbessern, indem beide Stöpsel gleichzeitig angefunkt werden. Aktuell geht das Signal zunächst an einen Kanal und wird zum anderen weitergeleitet. Die sehr geringe Latenz lässt künftig mehr Gamer auf die Strippe am Kopfhörer verzichten.

Multi-Stream-Audio und Auracast

Eine weitere wichtige Neuerung, die LE Audio bringt, ist die Möglichkeit, von einer Quelle aus praktisch eine unbegrenzte Zahl von Bluetooth-Empfängern zu bedienen. Bisher dürfen sich Nutzer bereits freuen, wenn sie mit Bluetooth 5.0 einen Kopfhörer mit zwei Geräten gleichzeitig koppeln können, beispielsweise Smartphone und Notebook. Mit Multi-Stream-Audio kann man seine Musik mit vielen Freunden teilen.

Auracast erlaubt es, beispielsweise bei Führungen in Museen den eigenen Kopfhörer zu nutzen. Für die Verbindung genügt es, einen Code zu scannen. Das Gleiche funktioniert bei internationalen Kongressen mit Dolmetscher-Stimmen oder in Hörsälen. Mit LE Audio müssen Fernseher in Warteräumen auch nicht mehr sinnlos Nachrichten ohne Ton zeigen - jeder, der möchte, kann mit seinem Headset zuhören. Bei Kopfhörer-Partys können künftig DJs auflegen, bei Großkonzerten müssen keine Lautsprecher-Wände den Sound in die hinterste Reihe dröhnen, im Kino verfolgen alle den Film in der Sprache ihrer Wahl.

Aus Sicherheitsgründen sind verschlüsselte Übertragungen möglich oder es können Passwörter oder andere zusätzliche Eingaben zur Teilnahme an einem Auracast gefordert werden. Theoretisch könnte über die Verbindung Schadcode auf Geräten geschleust werden. Im vergangenen Jahr warnte das BSI vor Bluetooth-Schwachstellen, die Angreifer in Funk-Reichweite ausnutzen konnten.

Große Vorteile für Hörgerätetragende

Eine große Erleichterung kann Bluetooth Audio LE für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen sein, denn der Standard unterstützt auch Hörgeräte. Sie können mit der Technik beispielsweise ohne zusätzliche Geräte mit ihrer normal hörenden Familie fernsehen, wichtige Ansagen in Zügen entgehen ihnen nicht mehr.

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In Kinos, Theatern oder Hörsälen profitieren Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen noch mehr von der Technik als normal Hörende. In Theatern sei es aktuell beispielsweise üblich, spezielle Plätze in der Nähe einer Ringschleife zu kennzeichnen, über die Hörgeräte mit integrierter Telefonspule Übertragungen empfangen können, schreibt "MeinHörgerät.de".

Um in den Genuss von Audio LE zu kommen, muss man nicht unbedingt neue Hardware kaufen. Die Technologie setzt Bluetooth 5.2 voraus, mit dem bereits etliche Geräte seit vergangenem Jahr verkauft werden. Ein Firmware-Update kann die Funktion unter Umständen aktivieren, sofern es ein Hersteller bereitstellt. Sony hat laut "Computerbase" beispielsweise angekündigt, eine entsprechende Aktualisierung für die Ohrhörer LinkBuds S zu veröffentlichen.

Quelle: ntv.de

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