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Nur zahlen, was man braucht Wie schnell muss mein Internet sein?

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Welcher Nutzertyp benötigt welche DSL-Geschwindigkeit?

(Foto: imago/Christian Ohde)

Wer sich einen neuen Internetanschluss zulegt, hat die Wahl zwischen verschiedenen Geschwindigkeiten. Genügt der günstigste Tarif oder muss es der teure Highspeed-Anschluss sein? n-tv.de zeigt, welcher Nutzertyp welche Bandbreite benötigt.

Auf den Webseiten der Internet-Anbieter gibt es sehr viele Informationen, aber selten die, die Nutzer wirklich brauchen, um sich für einen angebotenen Tarif zu entscheiden. Vor allem die benötigte Bandbreite ist für die Kunden nur schwer zu ermitteln. Wer weiß schon, ob 16 MBit/s Downstream und 2,4 MBit/s Upstream für die eigenen Bedürfnisse ausreichen? Die Telekom beispielsweise bietet immerhin eine Beratung an. Nutzer erfahren dort aber auch nur, wie schnell ein Film oder Musikalbum geladen oder ein Video startklar ist. Für den Upload gibt's ein Fotoalbum als Beispiel. Das hilft ein bisschen, wichtiger wäre aber anzuzeigen, ob etwas grundsätzlich bei einer bestimmten Bandbreite funktioniert.

Pseudo-Informationen

Beim Videostreaming über Netflix & Co. beispielsweise ist es eigentlich ziemlich egal, wie schnell ein HD-Film theoretisch heruntergeladen ist, die Leitung muss nur stabil und kontinuierlich die benötigte Bandbreite bieten. Ebenso wenig aussagekräftig ist die Download-Zeit für ein gekauftes MP3-Album. Ist es da wichtig, ob es in 8 Sekunden oder 2 Minuten geladen ist? Wer die optimale DSL-Geschwindigkeit ermitteln möchte, sollte besser überlegen, was seine alltäglichen Bedürfnisse sind, welche Funktionen er jetzt oder in absehbarer Zeit regelmäßig benötigt.

Üblich sind drei verschiedene Downstream-Geschwindigkeiten, die in Megabit pro Sekunde angegeben werden und zwischen 16 MBit/s und 100 MBit/s liegen. Einige Anbieter verkaufen sogar Tarife mit 200 MBit/s, manche Provider bieten auch günstigere Bandbreiten mit 8 MBit/s oder weniger an. In ländlichen Gebieten erlaubt oft auch die Infrastruktur kein schnelleres Internet. Beim Upload geht's bei 1 MBit/s los, 40 MBit/s ist gewöhnlich das Maximum.

Normalnutzer

Gelegenheitssurfer, die eigentlich nur im Browser unterwegs sind, E-Mails schreiben und vielleicht noch Youtube-Videos sehen, können getrost zum günstigsten Tarif greifen. Auch Musik-Streaming bei Spotify & Co schafft die Leitung locker, selbst CD-Qualität benötigt nur 1,4 MBit/s. Um große Downloads - beispielsweise für Updates - nicht zur Geduldsprobe zu machen, sollte möglichst aber kein Tarif mit weniger als 16 MBit/s gewählt werden. Außerdem hat man so ein Polster, falls man doch noch Dienste nutzen möchte, die mehr Bandbreite verlangen. Langsamere DSL-Tarife sind außerdem meist nur unwesentlich günstiger. Auch wenn sich mehrere Gelegenheitssurfer einen Anschluss teilen, gibt's bei 16 MBit/s keine Probleme. WGs oder Großfamilien sollten am besten so kalkulieren, dass der Anschluss pro Person 8 MBit/s Bandbreite bietet.

Spieler

Online-Spieler kommen normalerweise ebenfalls mit der aktuellen Standard-Geschwindigkeit klar. Kritischer ist für sie die Latenzzeit (Ping), die Verzögerung bei der Datenübertragung. Schnelle Reaktionen, die zu langsam beim Server ankommen, können spielentscheidend sein. Die Ping-Werte von DSL-Leitungen sind gewöhnlich okay, Latenzen entstehen vor allem bei der Übertragung im WLAN oder über größere Distanzen. Wer etwas über die Ping-Werte eines Anbieters herausfinden möchte, kann versuchen, beim Kundendienst nachzufragen oder googelt nach Nutzererfahrungen. Wer Spiele herunterlädt, statt zu kaufen, oder die fast obligatorischen Giga-Updates von neuen Titeln beschleunigen möchte, ist mit Bandbreiten ab 32 MBit/s gut bedient.

Videostreamer

Möchte man Filme oder Serien via Netflix, Amazon Prime oder andere Streaming-Dienste ansehen, sollte man mindestens einen Tarif mit 16 MBit/s buchen. Zwar sind die Mindestanforderungen für HD-Videos mit höchstens 8 MBit/s deutlich niedriger. Aber hier geht es um kontinuierlich zur Verfügung stehende Bandbreite. Die Angaben der Anbieter sind Höchstgeschwindigkeiten, die auch nur dann selten erreicht werden, wenn nur ein Verbraucher im Internet ist. 16 MBit/s reichen außerdem nur dann aus, wenn lediglich eine Person einen Film online ansieht. Bei zwei Streamern sollte die Bandbreite doppelt so groß sein, also ein Tarif mit 32 MBit/s oder mehr gewählt werden. Das Angebot von 4K-Videos ist noch gering, wer trotzdem jetzt schon ultrahochauflösende Filme streamen möchte, sollte mindestens eine 50er-Leitung haben.

Uploader

Für eine Großzahl der DSL-Kunden spielt die Upload-Geschwindigkeit (noch) eine untergeordnete Rolle. Für Youtuber oder eifrige Nutzer von Online-Speichern und anderen Cloud-Diensten sind aber auch hier hohe Geschwindigkeiten wertvoll. Full-HD-Videos hochzuladen oder Fotos zu archivieren kann bei langsamen Verbindungen eine Quälerei sein. Deshalb sollten solche DSL-Kunden möglichst einen Tarif mit mindestens 10 MBit/s Upload buchen.

Die Realität

Wie schon erwähnt, zeigen die Angaben der Internet-Anbieter nur theoretische Höchstwerte. In der Realität dürfen Nutzer glücklich sein, wenn ihre Leitung annähernd so schnell ist. Unter anderem nimmt die Geschwindigkeit mit zunehmenden Abstand zu einem Knotenpunkt ab.

Wer wissen möchte, wie schnell sein DSL tatsächlich ist, kann beispielsweise den kostenlosen Geschwindigkeitstest von Netflix verwenden. Um vor einem Vertragsabschluss herauszufinden, wie gut der Speed eines Anbieters in der Umgebung ist, kann man Nachbarn fragen oder im Internet nach Nutzer-Erfahrungen googeln.

Quelle: n-tv.de

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