Wirtschaft

Niedrigzinsen und kein Wachstum Banken fürchten das Japan-Szenario

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Die Japaner tragen ihr Geld nach Hause.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn Kredite nichts mehr wert sind, womit sollen Banken dann noch Geld verdienen? Der Umbruch der Branche ist noch nicht vorbei, wahrscheinlich werden weitere Banken pleitegehen.

Ein Blick nach Japan zeigt, wie sich die deutsche Bankenlandschaft künftig entwickeln könnte. Sowohl den kleinen wie den großen Banken geht es schlecht, die Regulierungsbehörden zwingen die Institute zur Fusion. Der Grund: Seit Jahren gibt es in Japan keine Inflation und niedrige Zinsen - es lohnt sich darum kaum, Geld anzulegen.

Stattdessen horten die Unternehmen ihr Geld auf Festgeldkonten und die Bürger tragen es gar nach Hause. Tresore und Gold finden in Japan reißenden Absatz. So erzählt es Peter Kaemmerer, Präsident des Handelskonzerns DKSH Japan auf dem Sparkassentag in Düsseldorf. In privaten Safes nutzt das Geld allerdings niemandem, es muss durch Investitionen oder Aktienkäufe in den Wirtschaftskreislauf eingespeist werden, damit es Wachstum und Arbeitsplätze erzeugen kann.

Steuert die Eurozone auf eine ähnliche Situation zu? Das Beispiel Japan wirkt wie eine Drohkulisse in der aktuellen Diskussion um die Strategie der EZB.

Auf eine schnelle Abkehr von der Niedrigzinspolitik oder auf einen steigenden Ölpreis zu hoffen, sei falsch, glaubt Herbert Hans Grüntker, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Stattdessen müssten sich die Institute auf die neue Lage dauerhaft einstellen: "Willkommen in der neuen Realität der Bankenwirtschaft."

Sparkassen verlieren Einnahmequellen

Wie diese Realität aussieht, weiß Birgit Roos, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Krefeld. Bisher verdienten die Sparkassen ihr Geld auf drei Arten: Erstens, indem sie selbst Wertpapiere kauften. Zweitens durch Fristentransformation, also indem sie zum Beispiel viele kurzfristige Kredite zu hohen Zinsen vergeben und diese durch langfristige, und damit günstigere Kredite finanzieren. Und drittens verdienen die Sparkassen an den Kundenmargen, also an den Aufschlägen und Gebühren, die sie von ihren Kunden verlangen.

Wenn an den Kapitalmärkten aber kaum noch Geld zu machen ist und die Zinsen für Kredite nahe Null sind, dann fallen die ersten beiden Einnahmequellen praktisch weg. Geld lässt sich dann nur noch über die Kundenmargen verdienen - doch die Kunden sind es mittlerweile gewohnt, Girokonten etwa auch gebührenfrei zu bekommen.

Wer also dachte, die Umgestaltung des Bankensektors nach der Finanzkrise sei vorbei, liegt falsch. Andreas Dombret von der Bundesbank erwartet, dass es weiterhin einen "Ausleseprozess" geben wird. Weitere Banken würden aus dem Markt ausscheiden - was nichts schlechtes sein müsse. Nur sei es wichtig, dass dieses Mal keine Ansteckungseffekte entstehen und unter dem Zusammenbruch einer Bank viele weitere leiden.

Furcht vor Deflation

Weiterhin geht es also darum, die Altlasten aus der Finanzkrise zu beseitigen: Bankbilanzen müssten weiter bereinigt werden, sagt Helaba-Chef Grüntker. Die Landesbanken hätten ihren Beitrag dabei bereits geleistet, andere nicht. Außerdem müsste mehr Druck auf die Euro-Staaten aufgebaut werden, ihre Wirtschaft durch Reformen ans Laufen zu bringen. So lange die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank so niedrig seien, bestehe dieser Druck aber offensichtlich nicht.

Stattdessen finde die EU-Kommission immer wieder Entschuldigungen, warum sich die Euro-Staaten nicht an die Vorgaben aus Brüssel halten müssten, sagt Bundesbank-Vorstand Dombret. Sollte der Währungsraum wegen dieser Versäumnisse in die Deflation abrutschen, wäre das "das Allerschlimmste, was wir uns vorstellen können" - nämlich ein "lang anhaltendes Absterben der Volkswirtschaft". So wie in Japan also.

Quelle: ntv.de