Wirtschaft

Kreditausfälle setzen zu Corona-Krise trifft US-Banken hart

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Kreditausfälle und Niedrigzinsen belasten US-Banken.

(Foto: REUTERS)

Die Corona-Pandemie hat die US-Wirtschaft fest im Griff. Wegen krisenbedingter Massenarbeitslosigkeit können immer mehr Amerikaner ihre Kredite nicht zurückzahlen, Firmen gehen Pleite. Das spüren auch die Banken. Der Anleihenhandel lässt jedoch hoffen.

Die Corona-Pandemie trifft die USA mit voller Wucht: Mit den täglichen Rekorden bei der Zahl an Neuinfektionen hat sich die Hoffnung auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung zerschlagen, zugleich drohen wichtige Konjunkturhilfen Ende des Monats auszulaufen. Wie stark die Krise die US-Banken trifft und wie sie die Zukunft sehen, erfahren die Anleger in der neuen Woche: Am Dienstag legen JP Morgan, Citi und Wells Fargo ihre Zahlen für das zweite Quartal vor, gefolgt von Goldman Sachs am Mittwoch.

Bank of America und Morgan Stanley geben am Donnerstag Einblick in ihre Bücher. Bei den Instituten müsse im Schnitt mit einem Gewinneinbruch von 70 Prozent gerechnet werden, prognostiziert Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Hauptgrund sind die stark steigenden Kreditausfälle. Immer mehr Unternehmen gehen Pleite, immer mehr Verbraucher können in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit ihre Rechnungen nicht mehr zahlen.

Bei den sechs größten US-Banken werden die Rückstellungen für faule Kredite daher auf 31,7 Milliarden Dollar explodieren, erwartet Barclays-Analyst Jason Goldberg. Das ist sechs Mal so viel wie im zweiten Quartal 2019. Damals brummte die Konjunktur noch und mehrere Geldhäuser fuhren Rekordgewinne ein.

Auch niedrige Zinsen machen den Banken zu schaffen

Neben den wachsenden Kreditausfällen setzen die sinkenden Zinsüberschüsse den US-Banken zu. Schließlich stemmt sich die Notenbank Fed unter anderem mit Zinssenkungen gegen die Wirtschaftskrise, der Leitzins liegt nahe Null Prozent. Vor Strafzinsen schreckt die Fed im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB) bislang zurück, doch auch in den USA ist die Debatte darüber längst entbrannt.

Während Fed-Vize Richard Clarida zuletzt weitere Unterstützung der Notenbank für die Wirtschaft signalisiert hat, ist die Debatte im US-Kongress über ein weiteres Konjunkturpaket in vollem Gange. Die Zeit drängt: Die vorübergehende Aufstockung der Arbeitslosenhilfe, die der Kongress im März beschlossen hatte, läuft Ende Juli aus. Sollte es dabei bleiben, droht eine weitere Welle an Kreditausfällen und eine Dämpfung des privaten Konsums, der etwa 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung ausmacht.

Banken hoffen auf das Kapitalmarkt-Geschäft

Diese Entwicklung setzt vor allem Banken wie Wells Fargo zu, die stark vom Geschäft mit Verbrauchern abhängig sind und sich auf kein starkes Kapitalmarktgeschäft stützen können. Von dem Datenanbieter Refinitiv befragte Analysten rechnen bei der Bank aus San Francisco im Schnitt mit einem Verlust von rund 300 Millionen Dollar. Bei JP Morgan, Bank of America und Citigroup, die alle ein großes Kreditgeschäft haben, erwarten die Experten zwar schwarze Zahlen. Allerdings dürften ihre Gewinne um 60 bis 84 Prozent einbrechen.

Bei Goldman Sachs und Morgan Stanley, die sich stärker auf das Kapitalmarktgeschäft konzentrieren, werde der Gewinnrückgang dagegen nur zwischen 15 und 40 Prozent liegen, sagen die Analysten voraus. Denn das Geschäft mit der Platzierung von Anleihen und Aktien brummte auch im zweiten Quartal. Unternehmen heuerten die Wall-Street-Häuser an, um sich in der Krises frisches Geld am Kapitalmarkt zu besorgen.

Zudem profitierten die Banken von den höheren Spannen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen, erklärten die Analysten von Keefe Bruyette & Woods (KBW). Zugleich haben die sich immer wieder verändernden Einschätzungen der konjunkturellen Aussichten für ein Auf- und Ab an den Märkten und ein steigendes Handelsvolumen gesorgt. KBW erwartet daher, dass die Erträge im Anleihenhandel bei den größten Banken um 65 Prozent gestiegen sind.

Deutsche Bank setzt auf brummenden Anleihenhandel

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Davon profitiert auch die Deutsche Bank, für die der Anleihenhandel auch nach dem Konzernumbau eine wichtige Rolle spielt.Das Geschäft mit Anleihen und anderen Schuldpapieren (DCM) habe wie schon im ersten Quartal gebrummt, berichtete Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing vor wenigen Tagen. "Der positive Trend hat angehalten, vor allem in der Investmentbank", sagte Sewing.

Im ersten Quartal hatte sich die Deutsche Bank überraschend gut geschlagen und die Markterwartungen übertroffen. Von der Bank selbst befragten Analysten erwarten für das zweiten Quartal im Schnitt einen Verlust vor Steuern von 485 Millionen Euro.

Quelle: ntv.de, lmw/rts