Wirtschaft

Inflationsschutz ist gefragt Krypto-Experte: "Bitcoin ist das neue Gold"

imago0107883927h.jpg

Seit März, als der Tiefstand bei 5000 Dollar markiert wurde, hat sich der Wert des Bitcoin fast verfünffacht. Bitcoin und Gold haben einiges gemeinsam - vor allem dienen sie als Inflationsschutz.

(Foto: imago images/Alexander Limbach)

Die älteste und wichtigste Digitalwährung kennt zurzeit nur eine Richtung: nach oben. Der Bitcoin ist ein "Corona-Gewinner", sagt Markus Miller ntv.de. Die Schuldenorgien in der Pandemie sind für ihn "der Beginn einer neuen Krypto-Ökonomie". Sollten Anleger trotz Rekordhochs noch einsteigen?

ntv.de: Mehr als 23.000 Dollar werden inzwischen für einen Bitcoin auf der Plattform Bitstamp fällig. Das ist ein Kursanstieg mit Überschallgeschwindigkeit. Woher kommt der plötzliche Schub?

Bitcoin
Bitcoin 36.903,50

Markus Miller: Der massive Aufschwung hat vor allem zwei Gründe: Erstens, die Regulierung von Kryptowährungen wie dem Bitcoin wird in vielen Ländern immer liberaler. In 130 Staaten, darunter allen großen Volkswirtschaften, ist der Bitcoin mittlerweile legal. Einschränkungen gibt es lediglich noch in China und in Indien. Dadurch steigt die Rechtssicherheit und dieser Effekt führt dazu, dass auch große institutionelle Investoren wie Vermögensverwalter, Fondsgesellschaften, Banken, Family Offices, Versicherungen und Pensionskassen in die neue Anlageklasse investieren können. Zweitens ist die Akzeptanz für Kryptowährungen in der Finanzwirtschaft deutlich gestiegen, wie man unschwer sehen kann. Die Marktkapitalisierung der mittlerweile über 8000 auf Coinmarketcap.com gelisteten Digitalwährungen liegt derzeit bei rund 650 Milliarden US-Dollar. Mit einem Marktanteil von rund 65 Prozent macht der Bitcoin den Löwenanteil aus. Nach meiner Einschätzung liegt das vor allem daran, dass wir derzeit starke Geldzuflüsse von großen institutionellen Investoren wie beispielsweise den US-Vermögensverwaltern Grayscale oder Fidelity Digital Investments sehen.

Ist der Bitcoin ein Corona-Gewinner?

Ja, Bitcoin ist in mehrfacher Hinsicht ein Corona-Gewinner. Aufgrund der Schuldenorgien im Zuge der Corona-Hilfsprogramme leidet das Vertrauen in unser bestehendes Geldsystem. In den 80er- Jahren gab es "Reaganomics", die expansive Wirtschaftspolitik unter dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. In Großbritannien gab es den "Thatcherismus" und in Japan die "Abenomics". In den kommenden Jahren wird ein neuer politischen Treiber für Veränderungen in der Weltwirtschaft sorgen. Das wird kein einzelner Politiker oder Staat sein, sondern mit den Entwicklungen und Maßnahmen in der Corona-Krise zu tun haben. Weltweit werden Regierungen, Unternehmen, Gesellschaften von der Pandemie zum Handeln getrieben. Logischerweise müsste diese wirtschaftliche Ära als "Coronanomics" in die Geschichtsbücher eingehen. "Coronanomics" wird zu einer weiteren Explosion der Schulden führen. Ich bin überzeugt, dass wir am Beginn des Zeitalters einer neuen Krypto-Ökonomie stehen, die ich als Kryptonomics bezeichne.

Kritiker bezeichnen den Bitcoin gerne auch mal als Manie. Weil man so etwas in kein Modell zwängen könne, seien Vorhersagen nicht möglich, heißt es. Was sagen Sie dazu?

Vorhersagen sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent für nichts in unseren Leben möglich. Dass der Bitcoin sich in kein konventionelles Modell zwängen lässt - aufgrund seiner dezentralen Ausgestaltung die unabhängig ist von der Einflussnahme Dritter oder einer Zentralinstanz - ist gerade der größte Vorteil. Eine Manie ist eine Sucht oder eine krankhafte Leidenschaft. Damit hat der Bitcoin nichts gemein, im Gegenteil. Der Bitcoin basiert auf Mathematik und Rationalität. Irrational ist unser bestehendes Finanz- und Geldsystem. Dieses muss als krank bezeichnet werden, weil es durch immer neue Schulden und Geldmengen am Leben gehalten werden muss, zulasten der Kaufkraftstabilität der Währungen in der Zukunft.

Markus-Miller.jpg

Markus-Miller ist der Gründer der Plattform krypto-x.biz

Jetzt noch auf den rasenden Zug aufzuspringen dürfte gefährlich sein. Was raten Sie Anlegern?

Ich rate genau das, wozu ich schon seit Jahren rate. Ich erwarte grundlegend noch deutlich höhere Bitcoin-Kurse, dennoch wird es - wie in der Vergangenheit auch - auf dem Weg dorthin zu keiner Einbahnstraße kommen, sondern massive Schwankungen, Kursverwerfungen und Kurseinbrüche werden auch in naher Zukunft zum Bitcoin dazugehören wie das Amen in der Kirche. Ja, ich rate weiterhin zu einem Einstieg, aber in Tranchen. Das heißt, das wichtigste ist ein echtes Krypto-Konto zu eröffnen, einen ersten Kauf zu tätigen und dann in regelmäßigen Abständen Zukäufe umzusetzen. Dadurch ist man investiert, wenn die Entwicklung weiter nach oben geht und diversifiziert in einem alternativen Finanzsystem, falls es in unserem konventionellen Geld- und Finanzsystem zu Verwerfungen oder gar einem Kollaps kommt. Kommt es zu Kursrücksetzern beim Bitcoin, kann weiter zugekauft werden. Deswegen machen disziplinierte Sparplan-Strategien bzw. Investitionsplan-Strategien auf Kryptowährungen sehr viel Sinn.

In den Augen der Kritiker ist eine Digitalwährung nichts anderes als eine Wette auf den Kollaps des Weltfinanzsystems. Die Regierungen der Welt werden das aus ihrer Sicht keinesfalls zulassen. Ist ein Aus für Digitalwährungen im Sinne einer absoluten Kontrolle oder sogar eines Verbots denkbar?

Ein angeblich sicheres Sparbuch oder eine AAA-Staatsanleihe ist auch eine Wette, nämlich die Wette auf die Stabilität unseres Banken- und Währungssystems. Diese Wette bewerte ich als viel gefährlicher als ein dosiertes Bitcoin-Investment. Ich wette als Anleger dadurch nicht auf einen System-Crash, sondern ich versichere mich dagegen. Wenn ich eine Unfallversicherung abschließe, wette ich ja auch nicht auf einen Unfall oder hoffe einen Unfall zu haben, sondern schütze mich davor. Ein einzelnes Land, das Bitcoin & Co. verbietet, verliert seine Attraktivität als Demokratie und Technologie-Standort und somit die Basis für Investitionen aus dem In- und Ausland. Eine absolute Kontrolle wäre nur möglich, wenn alle Länder der Welt einheitlich den Bitcoin verbieten. Und selbst dann wäre es technologisch schwer in der praktischen Durchführung der Verbotsmaßnahmen aufgrund der digitalen Eigenschaften und Möglichkeiten des Bitcoin. Das ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unwahrscheinlich.

Kryptofans bezeichnen Bitcoins häufig als das neue Gold. Sehen Sie das auch so?

Mehr zum Thema

Ja! Bitcoin und Gold haben mehrere Gemeinsamkeiten. Der Bitcoin ist aufgrund seiner weltweiten Akzeptanz und Marktdurchdringung und seinem hohen Marktanteil unter den Kryptowährungen die Krypto-Weltleitwährung. Der Bitcoin entwickelt sich zunehmend auch zu einer alternativen Weltreservewährung, vergleichbar mit Gold. Gold ist durch die Natur limitiert durch sein begrenztes Vorkommen in der Erdkruste. Gold kann nicht durch Menschenhand - wie Papier- oder Giralgeld - künstlich produziert werden. Gleiches gilt für den Bitcoin, dieser ist mathematisch limitiert auf Basis seines Programmcodes auf maximal 21 Millionen Stück. Diese Mengenbegrenzungen bei Bitcoin und Gold sind wichtige Inflationsschutzeffekte.

Mit Markus Miller sprach Diana Dittmer

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.