Wirtschaft

Studie: Mehr als in Finanzkrise Schon vier Millionen sind in Kurzarbeit

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Der Gastronomiebereich ist bundesweit nahezu zum Erliegen gekommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Corona-Lockdown hinterlässt tiefe Spuren in der Wirtschaft. Tausende Unternehmen schicken ihre Beschäftigten in Kurzarbeit. Vor allem Geringverdiener sind betroffen. Etliche kommen nach eigenen Angaben nur noch wenige Monate finanziell über die Runden.

In Deutschland wächst angesichts des Lockdowns wegen der Corona-Krise das Heer der Kurzarbeiter. Gastronomie und Tourismus sind seit Wochen heruntergefahren und werden dies voraussichtlich noch längere Zeit sein. Die großen Autohersteller haben reihenweise die Bänder angehalten. In ihrem Sog können auch Zulieferer nicht arbeiten oder sind selbst von der Versorgung abgeschnitten. Einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge summiert die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen inzwischen auf rund vier Millionen.

Grundlage der Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung ist eine Online-Befragung von rund 7600 abhängig Beschäftigten. Von ihnen gaben Anfang April rund 14 Prozent an, momentan in Kurzarbeit zu sein, wie die Böckler-Stiftung mitteilte. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der Beschäftigten entspreche dies rund vier Millionen Menschen. In rund einem Drittel der Fälle werde das Kurzarbeitergeld vom Arbeitgeber aufgestockt. Gut die Hälfte habe berichtet, es gebe in ihrem Betrieb keine Aufstockung.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat rund jedes dritte dazu berechtigte Unternehmen in Deutschland Kurzarbeit beantragt. Zur Zahl der betroffenen Beschäftigten macht die BA keine Angaben. Sie geht aber wie die Bundesregierung davon aus, dass der Rekord von knapp 1,5 Millionen Kurzarbeitern vom Frühjahr 2009 zu Zeiten der globalen Finanzkrise bei Weitem übertroffen wird. Allein in der Metall- und Elektrobranche rechnen die Arbeitgeber bis Ende des Monats mit über zwei Millionen Kurzarbeitern.

70 Prozent der Kurzarbeiter mit finanziellen Sorgen

Generell seien Beschäftigte mit niedrigeren Einkommen, in Betrieben ohne Tarifvertrag oder Betriebsrat sowie Frauen derzeit überproportional belastet, heißt es in der Mitteilung weiter. Befragte, die über ein Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1500 Euro verfügten, arbeiteten zudem nur knapp halb so oft in Betrieben, in denen das Kurzarbeitergeld vom Unternehmen aufgestockt werde, wie Personen, die über ein Haushaltsnettoeinkommen von über 4500 Euro verfügten.

Von den Befragten, die in Kurzarbeit seien und keine Aufstockung erhielten, hätten 40 Prozent angegeben, so maximal drei Monate finanziell durchhalten zu können. Insgesamt sorgten sich 70 Prozent der Arbeitnehmer um ihre finanzielle Sicherheit, wie die Erhebung weiter ergab. "Die Corona-Krise verstärkt die soziale Ungleichheit im Land weiter", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann. "Wir brauchen ein klares Signal an die Menschen, dass auch sie jetzt über diese schwierige Zeit gebracht werden und nicht in der Sozialhilfe landen."

DGB und SPD wollen daher, dass das Kurzarbeitergeld von 60 beziehungsweise 67 auf 80 Prozent der Nettoeinbußen (87 Prozent bei Arbeitnehmern mit Kindern) für die Monate Mai, Juni und Juli aufgestockt wird. Das Thema steht am Nachmittag auch auf der Tagesordnung des Koalitionsausschusses. Aus der Union gibt es massive Vorbehalte gegen eine Erhöhung.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts/DJ