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Auch legale Downloads im Netz werden laut einer neuen Studie immer beliebter.
Auch legale Downloads im Netz werden laut einer neuen Studie immer beliebter.(Foto: picture alliance / dpa)

Mache ich mich strafbar?: Downloads in der Grauzone

Von Britta Bauchmüller

Musik-CDs sind fast so antiquiert wie Vinyl - nur weniger cool. Videotheken und Kinos werden von ersten Dates am Leben gehalten sowie von einer zunehmend älteren, wenig internetaffinen Zielgruppe. Ansonsten gilt: Wer Filme schauen oder Musik hören möchte, macht das meist bequem im Netz. Und bewegt sich oft in rechtlich unsicheren Gefilden.

"Mache ich mich strafbar, wenn ich mir Serien auf 'Kinox.to' anschaue?" oder "Darf ich 'Youtube'-Videos mit Converter-Programmen herunterladen?", das sind schon lange heiß diskutierte Fragen in Foren und Netzwerken. Downloaden und Streamen von Videos und Musik im Netz wird immer beliebter - die Verunsicherung, was erlaubt ist und was nicht, aber gleichzeitig größer. Über 9 Millionen Deutsche handeln hier im illegalen Bereich oder innerhalb einer der vielen Grauzonen. Das ergab die Studie zur digitalen Content-Nutzung 2011 (DCN-Studie), die unter anderem von der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) in Auftrag gegeben wurde. Damit riskieren die Nutzer Abmahnungen und Schadensersatzzahlungen; wenn sie selbst Inhalte hochgeladen haben, blühen ihnen sogar Haftstrafen.

Filesharing und Sharehoster: Fast immer illegal

Gerade bei solchen Angeboten, die nicht eindeutig legal oder illegal sind, herrscht Verwirrung bei den Nutzern. Als Grundregel gilt: Werden urheberrechtlich geschützte Inhalte kostenfrei zum Download bereitgestellt, kann der Nutzer sicher sein, dass er sich im illegalen Bereich bewegt. Beim sogenannten Filesharing, etwa auf "Bittorrent" oder "Emule", ist das fast immer der Fall. Hier können Nutzer Videos oder Musik für andere Nutzer bereitstellen und selbst auf die Uploads der anderen zugreifen. Wären sie selbst die Urheber, wäre das legal. Sobald aber ein urheberrechtlich geschützter Inhalt geteilt wird, ist sowohl das Einstellen als auch das Herunterladen illegal.

Ähnliches gilt für Sharehoster. Wer eine größere Datei mit anderen Menschen teilen möchte, kann sie bei einem Sharehoster hochladen und den Link, mit dem er dann auf die Datei zugreifen kann, an andere Menschen weitergeben. An sich ist das nützlich und legal. Doch Beispiele wie das gesperrte "Megaupload" oder "Rapidshare" zeigen: Das Urheberrecht bleibt auch hier oft auf der Strecke. Denn für Raubkopierer sind die Webspeicher ein Paradies. Ganz einfach können sie so Inhalte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, ohne selbst Speicherplatz auf einem Server bereitstellen zu müssen. "Megaupload"-Betreiber Kim Dotcom kündigte jetzt den Start seines neuen Musikportals "Megabox" an.

Ein anderer Falll ist "Dropbox", der Speicherdienst hat weltweit über 50 Millionen Nutzer und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Auch auf "Dropbox" kann man seit Mai Inhalte per Link teilen, der Empfänger muss dafür nicht einmal registriert sein. Damit unterscheidet sich "Dropbox" technisch kaum noch von umstrittenen Portalen wie "Megaupload". Bisher fiel "Dropbox" allerdings kaum mit Negativschlagzeilen auf. Offenbar ist der Cloud-Dienst bemüht, Missbrauch zu verhindern: Als das Buch der Piraten-Politikerin Julia Schramm ohne ihr Wissen auf "Dropbox" landete, löschte das Portal es auf Antrag der Politikerin und ihres Verlages.

In der Grauzone: Streamripping und Converting

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Weniger eindeutig ist die Rechtslage bei Streamripping und Converter-Programmen. Streamripping, also das Mitschneiden von Audio- oder Video-Streams, ist vor allem bei Musik beliebt und kann sowohl legal als auch illegal sein. Das hängt davon ab, welcher Inhalt mitgeschnitten wird. Ist schon der Originalstream rechtlich umstritten, kann folglich auch der Mitschnitt nicht legal sein. Schneidet man dagegen einen Inhalt mit, den man sich völlig legal anhören oder anschauen kann, etwa von Internetradios, dann ist das nichts anderes, als wenn man früher Radio auf Kassette aufgenommen hat oder einen Fernsehfilm auf Video.

Denn Privatkopien sind weiterhin zulässig, sofern kein wirksamer Kopierschutz geknackt wird und die Vorlage legal ist. Das bedeutet, der Originalstream darf nicht offensichtlich rechtswidrig hergestellt oder im Internet zum Download bereitgestellt worden sein. Die Polizei rät sogar ausdrücklich zum Mitschneiden: In der Broschüre "Im Netz der neuen Medien" gibt sie als Alternative zum Filesharing an: "Softwareprogramme nutzen, die das Aufzeichnen von Musikstücken aus Internetradios ermöglichen".

Beim Konvertieren könnte die Regelung für Privatkopien ebenfalls zutreffen. Allein für "Youtube"-Videos gibt es zahlreiche Seiten wie "Youtube-mp3.org" oder "Tube2mp3.de", auf denen der Nutzer nur den Link des Videos eingeben muss und die Tonspur dann kostenlos als MP3 downloaden kann. Nicht einmal eine Registrierung ist dafür nötig. Ob das legal ist, ist umstritten. "Youtube" legt zwar in seinen Nutzerbedingungen fest, dass auf Videos nur als Streaming zugegriffen werden darf und sie nicht für Downloads oder Kopien bestimmt sind. Rechtsanwalt Christian Solmecke von einer Kölner Medienrechtskanzlei ist allerdings der Meinung, dass das Konvertieren trotzdem nicht illegal ist, weil man diesen AGB gar nicht zustimmen muss, um auf ein "Youtube"-Video zugreifen zu können.

Sonderfall: Kino.to und Co

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Ein weiteres Ergebnis der DCN-Studie: Immerhin elf Prozent der Deutschen halten Streaming von aktuellen Kinotiteln - nach dem Vorbild des gesperrten Portal "Kino.to" - nach wie vor für legal. Dabei war über ein Jahr lang ausführlich über den "Kino.to"-Prozess berichtet worden: Das beliebte Filmportal wurde gesperrt, das Landgericht Leipzig verurteilte den Hauptverantwortlichen zu viereinhalb Jahren Haft. Auf "Kino.to" konnten Nutzer Filme und Serien im Netz anschauen, ohne sie dafür herunterladen zu müssen. Nachfolge-Portale wie "Kinox.to" oder "Movie2k.to" sind laut der Studie aber noch immer beliebt: 2,1 Millionen Deutsche sehen sich hier Filme an, 1,5 Millionen Serien-Junkies suchen hier nach neuem Stoff.

Ob die Film- und Serienfans sich damit strafbar machen, ist bisher nicht eindeutig geklärt, ein grundsätzliches Urteil hierzu gibt es noch nicht. Die Regelung einer Privatkopie gilt hier nicht, da sie "offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte" Vorlagen ausnehmen. Nicht nur wegen des Wirbels um "Kino.to" müsste jedem Nutzer klar sein, dass die Nachfolger-Portale rechtswidrig sind. Auch, dass aktuelle Kinofilme gezeigt werden und andere Streaming-Portale für das gleiche Angebot Geld verlangen, sollte den Filmfan stutzig machen.

Ein anderer Punkt aber sorgt für Diskussionen: Beim Streamen werden nur einige Sekunden des Films im temporären Zwischenspeicher des Computers geladen – ob das aber schon eine Raubkopie des urheberrechtlich geschützten Materials darstellt, bleibt umstritten. Der Leipziger Richter Mathias Winderlich bezeichnete am Rande des "Kino.to"-Prozesses das bloße Streamen schon als Vervielfältigung. Solmecke dagegen beruhigt die Portal-Nutzer und argumentiert mit einer Ausnahmeregelung: Demnach wäre das Streamen zulässig, weil beim Zwischenspeichern nur eine vorübergehende Kopie entsteht, die flüchtig und nur zum Zwecke der technischen Wiedergabe entsteht. Bei "DivX"-Playern gilt diese Ausnahme nicht, die Filme werden hier automatisch dauerhaft gespeichert.

Legale Alternativen

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, hat zum Glück zahlreiche legale Alternativen zu "Kinox.to" und Co. Ganz ohne zu bezahlen kommt der Filmfan etwa bei "MyVideo", "MSN-Movies", "Youtube.com/movies", "Viewster" oder "Free.videoload.de" auf seine Kosten. Bei "Maxdome" kann er sich als registrierter Nutzer sogar aktuelle Kinofilme, wie etwa "Schutzengel" oder "Resident Evil 5" gratis anschauen. Für ein paar Euro kann man etwa auf "Maxdome" oder "Viewster" Filme leihen, also innerhalb von 48 Stunden anschauen, "Maxdome" bietet zusätzlich Abonnements ab 9,99 Euro im Monat an.

Einen Großteil des Fernsehprogramms gibt es auf den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen bis sieben Tage nach Ausstrahlung anzusehen. Und auch die Privatsender bieten teils kostenlos ihr Programm noch einmal im Netz an, etwa auf "RTL-Now". Das Programm der Öffentlich-Rechtlichen im Livestream gibt es auf "Zattoo.com" - völlig legal.

Auch Musik-Liebhaber haben im Netz viele Möglichkeiten, ihre Lieblingslieder legal zu streamen oder zu downloaden. Neben "Youtube" bieten auch "Clipfish", "Dailymotion" und "Tape.tv" Videostreams ganz ohne Registrierung an. Auf anderen Portalen muss man sich zwar anmelden, erhält dafür aber Zugang zu einem riesigen Musik-Angebot. Neben kostenpflichtigen Angeboten wie "Amazon-MP3" und "iTunes" gibt es auch kostenlose Alternativen: Auf "Spotify" kann man einen Gratis-Account anlegen, das Angebot von "Simfy" kann man 30 Tage lang kostenfrei testen. Die Anbieter "Napster" und "Juke" sind da weniger großzügig: Das kostenlose Probe-Abo gilt bei beiden nur eine Woche, danach muss man ein Abo abschließen. Günstige Abos gibt es auch bei "Deezer" oder "Rdio": Hier bekommen Musikfans ab 4,99 Euro im Monat etwas auf die Ohren.

Quelle: n-tv.de

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