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Die gedruckte Version des Buches kostet 16,99 Euro.
Die gedruckte Version des Buches kostet 16,99 Euro.(Foto: picture alliance / dpa)

"Muss ich alle Löcher zur Verfügung stellen?": Piratin lässt eigenes Buch löschen

Bei der Piratenpolitikerin Schramm kollidieren Lebensplanung und Realität: Sie ist Expertin für Urheberrecht, ihre Partei will nichtkommerzielle Kopien von Werken legalisieren. Nun veröffentlicht sie ein Buch mit pikanten Sex-Details und soll dafür eine sechsstellige Summe kassiert haben. Gratisversionen im Netz lässt sie löschen. "Jetzt krakeelt der Mob", sagt Schramm.

Im April 2012 kandidiert Julia Schramm in Neumünster als Bundesvorsitzende der Piratenpartei. Vor den anwesenden Mitgliedern verteidigt Schramm einen Vertrag, den sie mit der Random House Verlagsgruppe abgeschlossen hat. Sie sagt, sie werde dadurch finanziell unabhängig und könne sich mehr um die politische Arbeit in der Partei kümmern. Sie wird abgelehnt, Bernd Schlömer gewählt. Sie ist nun Beisitzerin des Vorstands. 100.000 Euro Vorschuss soll Schramm für ihr Buch bekommen haben, wie die FAZ schreibt. Dieses Geld muss der Verlag nun wieder eintreiben.

Über Verkäufe, versteht sich.

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Das erklärt den Wirbel, der die 27-jährige Piratin und ihr Buch "Klick mich: Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin" derzeit erfahren. Unbekannte hatten eine PDF-Version des Werkes online gestellt. Gratis, versteht sich. Als ahnten die Verantwortlichen die Gegensätze, die sie durch die Bereitstellung bewusst machten, fügten sie ein Zitat aus dem Parteiprogramm der Piraten an:

"Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar."

Das Buch lag zunächst als komplettes Dokument beim Datenaustauschdienst Dropbox zum Download bereit. Dann wurde es jedoch auf Antrag von Julia Schramm selbst und ihrem Verlag gelöscht. Die Forderungen der Partei, das Urheberrecht müsse reformiert werden, das Schimpfen Schramms auf die Verwertungsinstanzen von Werken stehen nun im Widerspruch zu ihrem Handeln. Die "Contentmafia" macht mit ihrer Kritikerin gemeinsame Sache.

Schramm verteidigt sich

"Das ist eine Provokation, es geht nur darum, mich vorzuführen, jetzt krakeelt eben wieder der Mob", äußerte sich Schramm bei der SZ als Reaktion auf die harsche Kritik. Die kam auch aus den eigenen Parteireihen.

"Ich sehe darin ... keinen Widerspruch. Ich lehne nicht das Urheberrecht, sondern den Begriff des geistigen Eigentums ab, weil er ein Kampfbegriff ist", verteidigte sich die Piraten-Politikerin weiter. Sie sieht es zudem als "Zeichen in der politischen Debatte", weil die Abmahnpraxis mit Geldstrafen nicht angewandt werde, sondern nur eine Verwarnung ausgesprochen werde.

Im Buch selbst beschreibt Schramm ihre Cybersex-Erfahrungen ("Sex geht auch online") und gibt ihre Gedanken preis, etwa zum Thema Sex mit Tieren. "Frauen, die an inneren Blutungen sterben, weil sie Sex mit einem Pferd haben wollten", sind für sie eine "weniger schockierende Nachricht, als es sein sollte", heißt es dort. Zudem fragt sich Schramm an einer anderen Stelle: "Muss ich alle Löcher zur Verfügung stellen?"

Nachdem das Buch bei Dropbox gelöscht war, tauchte die Datei plötzlich im Wiki der Partei auf. Inzwischen wurde es wieder entfernt.

Auf dem Bundesparteitag hatte Schramm auch gesagt: "Ich glaube aber, dass ich in der Urheberrechtsdebatte eigentlich genau die richtige Person bin. Der Wind pfeift uns da um die Ohren." Ihr selbst nun noch ein bisschen heftiger.

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Quelle: n-tv.de

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