Ratgeber
Wer außerhalb der EU nicht aufs Smartphone verzichten will, sollte sich frühzeitig um eine passende SIM-Karte kümmern.
Wer außerhalb der EU nicht aufs Smartphone verzichten will, sollte sich frühzeitig um eine passende SIM-Karte kümmern.(Foto: imago/Westend61)
Mittwoch, 19. April 2017

Tenhagens Tipps: Günstiges Roaming weltweit? So geht's!

Das leidige Thema Roaming ist in zwei Monaten passé, zumindest innerhalb der EU. Aber kann man sein Smartphone auch im USA- oder Thailand-Urlaub nutzen, ohne arm zu werden? Man kann, sagt Finanztip-Chef Tenhagen und erklärt, wie es geht.

n-tv.de: Lassen Sie uns zuerst über das Roaming innerhalb der EU sprechen. Das fällt ja nun bald weg.

Hermann-Josef Tenhagen: Genau. Am 15. Juni ist Schluss mit den Extrakosten im EU-Ausland. Das ist schön, denn dann kann man über die Grenze fahren und genauso telefonieren und surfen wie zu Hause.

Man muss dann also auch keinen speziellen Tarif mehr auswählen?

Nein. Die Handynutzung im EU-Ausland darf dann grundsätzlich nicht mehr kosten als in Deutschland. Das ist nicht nur im Urlaub praktisch, sondern auch, wenn man in Grenzregionen unterwegs ist. Wenn man sich zum Beispiel tief im Osten befindet, landet man bislang ja manchmal ganz unerwartet im polnischen oder tschechischen Netz, obwohl man noch auf der deutschen Seite ist. Diese Sorgen hat man dann ab dem Sommer nicht mehr. Es darf nicht mehr kosten.

Und das gilt wirklich für alle Tarife?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Website Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Website Finanztip.

Nicht ganz. Jetzt tauchen die ersten "AfD"-Tarife auf. Das hat mit der Partei nichts zu tun, die Tarife gelten "ausschließlich für Deutschland". Ein paar Marken der Drillisch-Gruppe haben solche Angebote jetzt im Programm und da dürften noch weitere kommen. Das Besondere: Man kann nur in und aus Deutschland telefonieren. Im Ausland streikt die SIM-Karte, da kann man sein Handy also mit der SIM-Karte nicht gebrauchen. So einen Tarif sollte man nur in Betracht ziehen, wenn man ziemlich sicher ist, dass man die nächsten Jahre sowieso keinen Fuß über die Grenze setzt.

Nun gibt es ja noch das Ausland außerhalb der EU. Und da bleibt die Handynutzung leider teuer.

Genau. Bei Finanztip haben wir das mal für einen deutschen Modellkunden durchgerechnet: Wenn der in den USA seinen Vertrag einen Monat ganz normal weiternutzen würde, wäre er in einem Monat über 12.000 Euro los. Zum Glück gibt es ja Warnungen, die einen davon abhalten. Sobald Kosten von 60 Euro angelaufen sind, muss der Kunde seine Verbindung neu freischalten und so bestätigen, dass er weitermachen will.

Sollte man im USA- oder Thailandurlaub also das Handy lieber ganz aus lassen?

Wir empfehlen eine doppelte Strategie. Wenn man nur kurz im Land ist, also wenige Tage, dann sollte man einfach zusehen, dass man nur im Wlan surft und möglichst wenig telefoniert. Manche Anbieter haben ja auch spezielle Auslandsoptionen, wenn man das Telefon etwas öfter nutzen möchte. 

Und wenn man länger da ist oder sich nicht einschränken möchte?

Bei zwei Wochen Urlaub oder mehr legt man sich eine Prepaid-Roamingkarte zu, die für das jeweilige Land gilt. Der Vorteil: Man kann sich die Karte schon in Deutschland kaufen und hier ganz  bequem die jeweiligen Tarife studieren. Und wenn man dann im Ausland aus dem Flugzeug steigt, muss man die Karte nur noch einschieben. Wenn man, wie ich, schon mal versucht hat, ohne Sprachkenntnisse in Thailand auf dem Land eine SIM-Karte zu kaufen, bei einer Verkäuferin, die nur Khmer spricht, dann wird man solchen Komfort zu schätzen wissen.

Wo bekommt man solche Karten?

Die kann man online bestellen. Wir haben uns mal die Anbieter für die sechs wichtigsten Reiseländer außerhalb der EU angeguckt. Zwei davon sind ziemlich preiswert: Holidayphone und Travsim. In allen Ländern war jeweils einer von den beiden am günstigsten.  Unser Musterkunde sollte vier Wochen im jeweiligen Land sein, telefonieren und intensiv das mobile Netz nutzen. In den USA hätte er dafür beispielsweise mit Travsim knapp 30 Euro gezahlt, in der Schweiz ebenfalls mit Travsim 55 Euro. In Thailand war Holidayphone mit rund 88 Euro am besten. Das klingt vielleicht nicht so ganz billig, ist aber auf jeden Fall viel günstiger, als wenn man die Karte aus Deutschland im Telefon lassen würde.

Die Karten gelten aber immer nur für ein bestimmtes Land, oder?

Ja. Aber wenn man eine Rundreise durch mehrere Länder plant, gibt es auch Lösungen, sogenannte World-SIM-Karten. Wir empfehlen die " Lufthansa Mobile". Die ist zwar in den einzelnen Ländern immer teurer, als es eine Länder-SIM wäre. Aber im Vergleich zu den übrigen World-SIMs, die wir uns angeschaut haben, ist sie auf jeden Fall die preiswerteste Option.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

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