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Wie viel Neandertaler steckt in uns?
Wie viel Neandertaler steckt in uns?(Foto: picture-alliance/ dpa)
Dienstag, 22. Oktober 2013

Der Neandertaler und wir: Forscher suchen den gemeinsamen Urahn

Die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Neandertaler und modernem Menschen werfen der Wissenschaft Rätsel auf. Molekularanalysen datieren die Trennung der beiden Linien auf rund 350.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Neue Zahnanalysen stellen den bisherigen Wissensstand jedoch infrage.

Die Suche nach dem gemeinsamen Vorfahren von Neandertaler und modernem Menschen ist einem Zahnabgleich zufolge noch nicht annähernd am Ziel. Die Analyse von 1200 Backenzähnen fossiler Hominider lässt die Forscher schließen, dass die beiden Linien sich schon vor rund einer Million Jahre trennten. Das wäre deutlich früher als bisher angenommen, berichten sie in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.

Das Team um Aida Gómez-Roblesa von der George Washington University in Washington (USA) hatte die Form der Zähne genau analysiert und daraus einen Stammbaum erstellt. Keiner der fossilen Zähne habe eine Struktur aufgewiesen, wie sie bei einem gemeinsamen Vorfahren von modernem Menschen und Neandertaler zu erwarten sei, schreiben die Forscher. Dies gelte für Homo heidelbergensis ebenso wie für Homo erectus und Homo antecessor. Der wahre Urahn harre offenbar noch seiner Entdeckung.

Zahnanalyse wirft neue Fragen auf

Zähne seien eine gute Basis dafür, die Evolution von Hominiden nachzuzeichnen, erläutern die Forscher. Sie kämen an Fundstellen häufig vor und seien meist gut erhalten. Zudem blieben ihre Merkmale während der gesamten Lebenszeit erhalten, Umweltfaktoren beeinflussten sie kaum. Das Team erfasste Struktur und Form der mehr als tausend Zähne und setzte sie in Bezug zu ihrem Alter und dem Fundort.

Die aus ihrer Analyse resultierenden Ergebnisse zur Verwandtschaft der beiden Linien wichen erheblich von den aus molekularen Analysen gewonnenen ab, berichten die Wissenschaftler. Ihren Daten nach habe der letzte gemeinsame Vorfahr vor etwa einer Million Jahren gelebt – Molekularanalysen datierten die Trennung hingegen auf rund 350.000 Jahre. Es gelte nun, der Ursache dieser Diskrepanz auf den Grund zu gehen, etwa mit morphologischen Vergleichen weiterer Körperteile.

Die Unsicherheiten im menschlichen Stammbaum sind – vor allem wegen der geringen Zahl fossiler Fundstücke – groß. Schweizer Forscher hatten vor einigen Tagen in "Science" berichtet, dass die menschliche Artenvielfalt vor etwa zwei Millionen Jahren viel kleiner gewesen sein könnte als bislang angenommen. Der Schädel eines Frühmenschen aus dem georgischen Dmanisi vereine Merkmale, die bisher verschiedenen Arten von Frühmenschen zugeordnet wurden, berichtete der Anthropologe Christoph Zollikofer von der Universität Zürich.

"Wären Hirn- und Gesichtsschädel des Dmanisi-Exemplars als Einzelteile gefunden worden, wären sie mit großer Wahrscheinlichkeit zwei verschiedenen Arten zugeordnet worden." Viele Forscher gingen von bis zu fünf gleichzeitig existierenden Spezies in Afrika aus, darunter Homo habilis, Homo rudolfensis und Homo erectus. Zollikofer glaubt, dass es sich bei diesen Frühmenschen um Vertreter einer Art handeln könnte: Homo erectus.

Quelle: n-tv.de

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