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Gülle aus Schweineställen dient auch als Dünger für Felder: Einige Gemüsesorten können die enthaltenen Keime aufnehmen.
Gülle aus Schweineställen dient auch als Dünger für Felder: Einige Gemüsesorten können die enthaltenen Keime aufnehmen.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 18. Mai 2017

Gülleproben aus Schweineställen: Umweltschützer finden resistente Keime

Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Schweinezucht hat schwerwiegende Folgen: Umweltschützer entdecken in Gülle-Stichproben aus 19 deutschen Schweineställen resistente Keime - und die werden immer öfter auch dem Menschen gefährlich.

Mit Gülle aus Schweineställen gelangen nach einer stichprobenartigen Untersuchung der Umweltschutzorganisation Greenpeace resistente Keime und Antibiotika großflächig in die Umwelt. Laboranalysen von insgesamt 19 Gülleproben hätten dies ergeben, teilten die Umweltaktivisten mit. 13 Proben hätten Bakterien enthalten, die gegen ein Antibiotikum resistent waren, das auch bei Menschen häufig verabreicht werde. Allein neun Proben stammten demnach aus Ställen in Niedersachsen - weitere kamen aus Thüringen, Brandenburg, Bayern, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

In sechs Proben fanden sich demnach Bakterien mit Resistenzen gleich gegen drei Antibiotika-Gruppen. In einer Probe sei ein multiresistenter MRSA-Keim gefunden worden. MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) kann Hautentzündungen wie Geschwüre, Wundinfektionen und Entzündungen einzelner Organe verursachen.

Darüber hinaus enthielten 15 Gülleproben Rückstände von Antibiotika. In der Zucht werden sie den Tieren verabreicht, um deren Immunsystem zu stärken. "Die Agrarindustrie setzt viel zu sorglos Antibiotika in den Ställen ein", kritisierte der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. Als Konsequenz könnten Kranke künftig wieder häufiger an harmloseren Infektionen wie Harnwegsentzündungen sterben.

Gröhe setzt auf neue Antibiotika

Problematisch ist der Einsatz von Antibiotika in der Schweinezucht nicht nur für Fleischkonsumenten, sondern auch für Vegetarier und Veganer. Denn mit der Gülle aus den Schweineställen werden auch landwirtschaftliche Nutzflächen gedüngt. So können die resistenten Keime auch in Gemüse und Obst gelangen - und damit über die Nahrung in den menschlichen Organismus. Greenpeace fordert deshalb, den Einsatz von Antibiotika durch bessere Haltungsbedingungen drastisch zu senken.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sterben jährlich rund 700.000 Menschen weltweit durch resistente Keime. Das Thema ist auch ein Schwerpunkt beim Treffen der G20-Gesundheitsminister am kommenden Wochenende in Berlin. "Es darf keinen Rückfall ins Vor-Penicillin-Zeitalter geben", sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Auf internationaler Ebene setzt er im Kampf gegen multiresistente Keime auf die Förderung der Erforschung neuer Antibiotika.

Quelle: n-tv.de

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