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Cruiser mit Big Boxer BMW R 18 - die Harley-Peitsche aus Bayern

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Die neue BMW R 18 soll der Harley-Jäger der Bayern werden.

(Foto: BMW)

Der Plan, die finale BMW R 18 in den USA vorzustellen, stand fest. Und wäre nicht das Coronavirus gekommen, hätte man vor den Augen der Harley-Fans die First Edition des Big-Block-Boxers losgelassen. Nun findet sie virtuell, aber mächtig den Weg ins Bewusstsein der Cruiser-Freunde.

Eigentlich wollte BMW Motorrad mit der Weltpremiere der R 18 ein zweites Mal in die USA gehen. Auf der Handbuilt Motorcycle Show in Austin (Texas) sollte die Harley-Peitsche in Form eines Cruisers mit seinem massigen Big Boxer vorgestellt werden. Nun hat auch hier das Coronavirus alles durcheinandergewirbelt. Dennoch wollten die Bayern mit der Premiere nicht warten. Auch dann nicht, wenn man dem ärgsten Konkurrenten die R 18 nicht mehr direkt vor die Tür stellen konnte.

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BMW hat dafür gesorgt, dass die R 18 ein wandelbares Motorrad ist.

(Foto: BMW)

Und nichts anderes wäre es gewesen. Denn bereits das Concept hatte auf dem Sturgis, dem größten Harley-Treffen der Welt, für Aufsehen gesorgt. Doch was ist davon jetzt in der Serienversion übrig geblieben und wie sieht es insgesamt um die Details der BMW R 18 aus? Wie keine BMW vorher steht die R 18 sowohl in ihrer Formsprache als auch technisch in der Tradition der historischen BMW-Motorräder. Viel zitiert wurden auch schon mit Blick auf das Concept die Anleihen, die Design und Technik an der R 5 aus dem Jahr 1936 genommen haben.

Das Wesentliche eines Motorrades im Mittelpunkt

Diese Besinnung auf alte Traditionen soll vor allem das Wesentliche eines Motorrades wieder in den Mittelpunkt rücken. Das heißt für die R 18, sie ist puristisch, mit schnörkelloser Technik und einem massigen Boxermotor, der sozusagen das Zentrum des Bikes bildet. Natürlich knüpft auch der Treibsatz an alte luftgekühlte Boxermotor-Traditionen an. Allerdings ist das, was da in der R 18 arbeitet, der hubraumstärkste jemals in einem Motorrad eingesetzte Zweizylinder-Boxermotor. Aus 1802 Kubikzentimetern Hubraum schöpft er 91 PS, die bei 4750 Kurbelwellenumdrehungen anliegen und schaufelt von 2000 bis 4000 Umdrehungen ein maximales Drehmoment von 150 Newtonmetern auf die Kardanwelle.

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Der Big Boxer der BMW R 18 hängt in einem Doppelschleifenrahmen.

(Foto: BMW)

Wie bei allen BMW-Motorrädern mit Boxermotor erfolgt die Drehmomentübertragung vom Getriebe zum Hinterrad auch bei der R 18 über eine Gelenkwelle- beziehungsweise über einen Kardanantrieb mit Kreuzgelenkwelle sowie Hinterachsantrieb mit Kegel- und Tellerrad. Und weil das Ganze auch eine optisch ästhetische Komponente hat, erinnerte man sich in München daran, dass Gelenkwelle und Kreuzgelenk bei Modellen bis 1955 glanzvernickelt waren und offen liefen. Und genau so ist es jetzt auch bei der R 18.

Doch was wäre ein Big Boxer, wenn man ihn nicht irgendwo einhängen könnte. Das Herzstück des Fahrwerks der neuen R 18 bildet nämlich der in Berlin Spandau gefertigte Doppelschleifen-Rohrrahmen aus Stahl. Ebenfalls aus Stahlrohren und Guss- beziehungsweise Schmiedeteilen ist die Hinterradschwinge gefertigt. Warum das hier überhaupt erwähnt wird? Weil sie wie bei der BMW R 5 über Scheibenverbindungen stilecht am Hinterachsgetriebe befestigt ist.

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LED-Blinker sind natürlich auch bei der BMW R 18 ein Muss.

(Foto: BMW)

Auch bei den Federelementen der R 18 setzt BMW nicht nur auf klassisches Design, sondern verzichtet auch bewusst auf elektronische Einstellmöglichkeiten. Eine Teleskopgabel sowie ein direkt angelenktes Zentralfederbein sollen für einen zeitgemäßen Federungskomfort ohne elektronischen Schnickschnack sorgen. Der Federweg vorn beträgt 120 Millimeter, hinten sind es 90 Millimeter. Wie seinerzeit bei der R5 sind die Standrohre der Telegabel mit Gabelhülsen verkleidet.

Alles wie vor 80 Jahren?

Ganz verzichtet BMW aber nicht auf die obligaten Sicherheitsfeatures. Natürlich bringen Doppelscheibenbremsen vorn und eine Einscheibenbremse hinten mit einem Bremsscheibendurchmesser von 300 Millimetern die über 300 Kilogramm des Cruisers zum Halten. Auch auf das ABS hat BMW bei der R 18 nicht verzichtet. Sogar ein dynamisches Bremslicht gibt es, das den nachfolgenden Verkehr auf eine spontane Vollbremsung aufmerksam machen soll.

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Die BMW R 18 hat nicht nur einen LED-Scheinwerfer, sondern auch Kurvenlicht.

(Foto: BMW)

Und auch beim Frontscheinwerfer will BMW dann im Cruiser-Segment Maßstäbe setzen. Der klassische Rundscheinwerfer der R 18 strahlt nämlich mit LED-Licht und verfügt nicht nur über ein optimiertes Abblend- und Fernlicht, sondern auch über das Kurvenlicht, das schon die neue F 900 R, F 900 XS, und die S 1000 XS auszeichnet. Für die drei Genannten ist das schon eine Besonderheit und für das Cruiser-Segment dürfte es dieses Feature damit auch erstmals in der BMW R 18 geben.

Entgegen dem Look ist auch das Keyless Ride System, was nichts anderes heißt, als dass man den Schlüssel zum Starten in der Hose lassen kann. Zündung und Diebstahlwarnanlage werden mittels Transponder angesteuert. Das haben Autos schon lange, bei Motorrädern ist es relativ neu. Neu für einen Cruiser im Stil der R 18 sind auch Fahrprogramme. "Rain", "Rock" und "Roll" stehen zur Wahl. Ja kein Scherz, mit der R 18 kann man tatsächlich "Rock'n'Roll" fahren. Da kann auch nicht viel passieren, selbst dann nicht, wenn man mit dem Motorrad einen Bettarini tanzt, denn es hat eine abschaltbare automatische Stabilitätskontrolle, also ein ASC. Zudem gibt es auch eine Motorschleppmoment-Regelung (MSR), die bei abrupter Gaswegnahme verhindern soll, dass das Hinterrad anfängt zu rutschen oder zu stempeln.

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Vor allem bei den Details der R 18 hat BMW darauf geachtet, dass sie den Retro-Ansprüchen gerecht werden.

(Foto: BMW)

Und weil so ein Cruiser auch mal in die Lücke geschoben werden muss, gerne auch rückwärts, haben die Bayern der R 18 optional noch eine Rückfahrhilfe spendiert. Die lässt sich per Wahlhebel aktivieren und sorgt dafür, dass die Vorwärtsgänge gesperrt sind und per Druck auf den Starterknopf die Wuchtbrumme rückwärts bewegt werden kann. Auch am Berg muss man mit der R 18 keine Angst haben, zurückzurollen, denn die Hill Start Control gibts hier ab Werk. Und weil wir gerade dabei sind, all die kleinen Nützlichkeiten aufzuzählen, soll nicht verschwiegen werden, dass es auf Wunsch auch Heizgriffe gibt.

Während also bei der Technik mit Blick auf die Vergangenheit schon einige Kompromisse gemacht wurden, hat man mit dem Design der R 18 die BMW-Tradition ohne Schnörkel fortschrieben. Und das ist gut so. Denn nur auf diesem Weg wird man vielleicht die Harley-Jünger in den Bann schlagen. Insofern darf man durchaus gespannt sein, wie sich die ab Herbst 2020 ab 22.800 Euro zu habende R 18 First Edition verkaufen wird.

Quelle: ntv.de