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"What a sexy Bike!" BMW Concept R 18 - in der Höhle des Löwen

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Die BMW R 18 präsentiert sich als Concept auf dem größten Harley-Treffen der Welt.

(Foto: Holger Preiss)

Die Sturgis Motorcycles Rally ist ein Heimspiel für Harley. Seit 1938 trifft sich die Szene um die Bikes aus Milwaukee Jahr für Jahr in South Dakota. Außer den Harleys und ihren Fahrern hat dort eigentlich niemand etwas zu suchen. BMW hat sich jetzt mit dem Concept R 18 in die Höhle des Löwen gewagt.

Der 6600-Seelen-Ort Sturgis in South Dakota ist zum 79. Mal das Mekka der Harley-Davidson-Fahrer. Während man dieses Städtchen über 355 Tage im Jahr getrost als Kaff bezeichnen kann, wächst es immer Anfang August zu einer wahren Metropole. Bis zu 600.000 Menschen reiten dann über zehn Tage in die Gemeinde ein. Und Reiten ist hier wörtlich zu nehmen, denn 98 Prozent der Besucher sitzen auf einer Low Rider, Street Bob, Fat Boy oder Breakout. Eigentlich ist es egal, was da an den Tagen des Donners in Sturgis einfährt, es muss nur Harley-Davidson auf dem Tank stehen. Und darunter? Muss der Milwaukee-Eight werkeln. Eben jener Big Twin-V2-Motor, der momentan in seiner kleinsten Ausführung als 107cui die Kraft aus 1745 Kubikzentimetern schöpft, bei 5020 Kurbelwellenumdrehungen satte 145 Newtonmeter auf das Hinterrad wuchtet und 87 PS generiert.

Nie allein, immer in Gruppen wird der Einmarsch unter einer wahren Endrohr-Symphony zelebriert. Wer sich das nicht vorstellen kann, der nehme das typische Böllern dieses uramerikanischen Motorrades, das er auch von deutschen Straßen kennt, und potenziere es mal zehn für den kleinen Einlauf, für den großen Auftritt kann das aufspielende Orchester gerne noch mal verzehnfacht werden. Die, die sich nach Sturgis aus allen Bundesstaaten der USA aufmachen, werden so zum größten Motorenorchester der Welt.  Das bietet ihnen aber auch immer wieder Raum für exzentrische Soloeinlagen. Und auch das entspricht dem Wesen des Harley-Fahrers. So sehr er die Gemeinschaft sucht und seine Marke verehrt, so sehr ist er Individualist. Wer an den Tausenden Bikes in Sturgis vorbeiläuft, wird nicht eines finden, das dem anderen gleicht.

Der zweite Versuch

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Das BMW Concept R 18 fein drapiert in Sturgis.

(Foto: Holger Preiss)

Genau in dieses Umfeld hat sich BMW mit dem Concept R 18 gewagt. Das ist insofern doppelt mutig, weil die Münchner seinerzeit mit der R 1200 C bei der Eroberung des US-amerikanischen Marktes nicht so erfolgreich waren. Kaum ein Harley-Fan hat sich seinerzeit dem Konzept des BMW-Choppers anschließen wollen. Da scheint der Monster-Boxer der R 18 wohl eher den Nerv der Harley-Gemeinde zu treffen. Denn tatsächlich zeigten sich vom weißbärtigen Old-Rider bis zum, nun, nennen wir ihn einfach Young-Rider, alle vom Concept beeindruckt.

Eigentlich klar, denn so viel ist bereits bekannt: In dem, was BMW mit der 18 für die Zukunft plant, steht der wuchtige Treibsatz außer Frage. Auch in dem Cruiser, der mit ziemlicher Sicherheit den Namen R 18 tragen dürfte, wird der Luft-Öl-gekühlte Big Boxer mit 1800 Kubikzentimetern Hubraum mit seinem ganz eigenen linken Haken zuschlagen. Dabei lohnt es an dieser Stelle gar nicht, über die möglichen Pferdestärken oder das maximale Drehmoment zu spekulieren. Erstgenanntes wird auf Grund der Segmentierung nicht so groß ausfallen, zweites dann schon wuchtiger, denn genau so mag es der Harley-Fahrer.

Das Spiel auf der Endrohrklaviatur

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Im Hintergrund des Concept R 18 eine Mitbewerberin aus Milwaukee.

(Foto: Holger Preiss)

Für das soundverwöhnte Milwaukee-Publikum durfte das bayrische Kraftwerk sich auch schonmal tonal zu Wort melden. Bei der Einfahrt in das Harley-Mekka jedenfalls rief ein Harley-Jünger aus: "What a sexy Bike, man!" Denn natürlich können auch die Erbauer des "Krautmotors" auf der Endrohr-Klaviatur spielen. Das haben sie nicht zuletzt mit den Modellen der R nineT-Reihe bewiesen. Und am Ende des Tages läuft auch die kommende R 18 unter diesem Retro-Label, das bis dato in Gänze aufgegangen ist. Und so scheint das Kommende, das da in die Harley-Phalanx fährt, für alles offen zu sein. Betrachtet man in Sturgis die Hauptelemente dessen, was der Fahrer einer Harley liebt, kann man sich das alles auch an einer BMW R 18 vorstellen: hohe Frontscheibe, Seitenkoffer, Einzel- oder Doppelsitzbank und natürlich vorgelagerte Fußrasten für diesen so typischen Cruiser-Fahrstil mit langen Armen und in leichter Rücklage.

Wie, das mit den Fußrasten geht nicht, wegen des ausladenden Boxers? Oh doch, das geht! Wartet mal ab. Das geht genauso wie die offene Kardanwelle, die bei diesem Modell kein Mensch verstecken will. Zudem wird der Boxer unverändert zum Konzept in einem Starrahmen hängen. Der schicke Solex-Doppelvergaser, der seinerzeit in ähnlicher Weise im BMW 2002 verbaut wurde, wird es allerings nicht über das Concept hinaus schaffen. Was wohl eher ein Kreuz in der Optionsliste wird, sind die Fishtail-Endtöpfe und auf den verdrehten Brems- und Kupplungsgriff muss man in Deutschland aus sicherheitstechnischen Gründen verzichten. Das ist schade, hat sich aber bei einer ersten Sitzprobe auch nicht so gut angefühlt. Besser gefiel da schon der tiefe Schwingsattel, auf dem sich der Pilot direkt hinter dem Motorgehäuse und fast schon unter dem schwarzen Tank mit den zwei weißen Zierstreifen, die ebenfalls so kommen werden, platziert. So hat er auch einen festen Stand, die nicht ganz leichte R 18 locker zwischen den Schenkeln zu halten.

Der Hype bei den Customizern

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Die ersten Customizer haben bereits ihr Interesse an der kommenden BMW R 18 bekundet, um sie zu individualisieren.

(Foto: Holger Preiss)

In Summe sollte das dann auch das sein, was die Harley-Gemeinde begeistern wird. Auch die ersten Customizer waren schon ganz eckig. Sie sicherten sich bereits jetzt ein Serienmodell, um es zu gegebener Zeit individualisieren zu können. Und auch das ist ein Ritterschlag für das Kraut-Bike, denn die Customizer, die sich in Sturgis zeigen, haben sonst ebenfalls eher Harleys unter ihren Schraubenschlüsseln. Am Ende des Tages hat sich der Vorbote der R 18 also ausgesprochen souverän in der Höhle des Löwen geschlagen. Wobei man an dieser Stelle auch mal eine Lanze für die Harley-Fans brechen muss. Denn anders als erwartet, haben die sich in ihrem Revier in keinster Weise als eine alles verachtende Horde von Milwaukee-Motor-Idioten gezeigt, sondern als ein durchaus aufgeschlossenes Rider-Volk, das Gelungenes neben den eigenen Favoriten akzeptiert und in vielen Fällen sogar lobende Worte dafür findet.

Natürlich war der Aufschlag in South Dakota vorerst ein Versuchsballon. Ab der zweiten Jahreshälfte 2020, wenn das Serienmodell, das es mit ziemlicher Sicherheit in mindestens vier unterschiedlichen Ausführungen geben wird, zu den Händlern fährt, wird sich zeigen, wie durchschlagend der Erfolg der R 18 werden kann. Der Wunsch eines der Harley-Fahrer in Sturgis war, dass es dieses "awesome bike" hoffentlich unter 24.000 Dollar geben wird. Wie weit BMW diesem Wunsch am Ende entsprechen kann bleibt abzuwarten. Fakt ist aber, dass die Bayern Harley einiges an Kundschaft abjagen wollen. Die Motorräder aus Milwaukee verkauften sich im vergangenen Jahr weltweit 228.000 mal, BMW setzte über alle Segmente 165.000 Zweiräder ab. Aber bei allem, was in Sturgis mit dem Concept zu erleben war, steht zu befürchten, dass die R 18 den Bayern auf dem Weg zur 200.000er-Absatzmarke sehr behilflich sein wird. Und wer weiß, vielleicht fahren auf dem 81. Sturgis im Jahr 2021 schon die ersten Biker mit einem bayrischen Cruiser vor. Hätte doch was, oder?

Quelle: n-tv.de

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