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Kurvenraub und Wind im Haar BMW Z4 M40i - Feuerstöße wie von der "Golden Hinde"

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Der BMW Z4 M40i ist eine Kurven- und Sound-Maschine.

(Foto: Wolfgang Groeger- Meier)

Nach knapp zwei Jahren Pause hat BMW den Z4 zurückgebracht. Schuld daran ist auch Toyota, die eine Basis für den Supra brauchten. Darum sei dies, nach der Fahrt im M40i, auch eine Danksagung an die Japaner.

Ob es den Z4 Roadster von BMW gäbe, wenn nicht Toyota-Chef Akio Toyoda einen neuen Supra hätte haben wollen? Denn beide Sportwagen, der Z4 als auch der Supra, sind eine Gemeinschaftsinvestition. Die brachte den Bayern einen schnittigen Roadster und den Japanern ein rennstreckentaugliches Coupé. Da der Sommer vor der Tür steht, soll an dieser Stelle aber ein Blick auf den bajuwarischen Sonnenanbeter geworfen werden. Der kommt in drei Leistungsstufen daher: als sDrive20i mit 197 PS, als sDrive30i mit 258 PS und als M40i mit 3,0-Liter-Reihensechszylinder und 340 PS.

Feuerstöße kommen achtern

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Die Sound-Salven entlässt der BMW Z4 M40i achtern aus hübsch anzusehenden Endrohrverblendungen.

(Foto: Wolfgang Groeger- Meier)

Während das Einstiegsmodell bereits für 46.450 Euro zu bekommen ist, müssen für den Sechsender mindestens 61.000 Euro berappt werden. Eine Stange Geld, die es aber lohnt, sie zu investieren. Allein schon wegen des unnachahmlichen Sounds, der im Sport- oder Sport-Plus-Modus aus den Endrohren kracht. Die Salven, die hier während der Zwischengasstöße ertönen, kommen den 18 Kanonen gleich, die der Freibeuter Sir Frances Drake von der "Golden Hinde" bei seinen Kaperfahrten auf die Feinde abgab.

Natürlich sind die Feuerstöße, die der Z4 achtern abfeuert, nicht der Hauptgrund, warum der M40i mit seinem Reihensechszylinder ganz vorne fährt. Neben seinen 340 PS wird ab 1600 Kurbelwellenumdrehungen bereits das maximale Drehmoment von 500 Newtonmeter bereitgestellt. Die Kraftentfaltung ist so spontan, dass der Roadster, hält man das Lenkrad gerade, in 4,5 Sekunden die 100-km/h-Marke überfliegt und sich im wahrsten Sinne des Wortes bis auf Tempo 250 schießt. Allerdings kann das maximale Drehmoment bei dem 50:50 ausbalancierten Bayern auch anders genutzt werden. Wer die Lenkung einschlägt und dabei einen kühnen Gasstoß wagt, wird überrascht sein wie schnell das Heck auf Augenhöhe ist.

Der drückt von hinten

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Auch im BMW Z4 M40i bleibt die Lenkung spitz, hat aber genug Luft, um nicht zappelig zu werden.

(Foto: Wolfgang Groeger- Meier)

Natürlich kann man mit dem 4,32 Meter langen Z4 dank seiner variablen Sportlenkung auch ganz famos ums Eck gehen, ohne dass das Heck den Versuch unternimmt, am Fahrer vorbei zu huschen. Anders als Beispielsweise beim X2 M35i haben die Ingenieure hier auch genug Luft gelassen, sodass der M40i in keiner Sekunde zapplig wirkt. Er reagiert direkt und willig auf jeden Lenkbefehl, und lästiges Korrigieren in den Kehren fällt einfach weg. Zudem sorgt das Sportdifferenzial im Hinterachsgetriebe für einen stabilen Kurvenlauf. Durch die Sperrwirkung wird ein Drehzahlausgleich zwischen kurveninnerem und kurvenäußerem Hinterrad erreicht, wodurch ein besonders dynamisches Herausbeschleunigen möglich wird. Wer es bis zum Exzess ausreizt, dem wird das ESP freundlich und auf keinen Fall zu früh Hilfestellung leisten.

Um die Kraftverteilung kümmert sich im M40i übrigens eine Achtgang-Automatik. Wer es nicht lassen kann, mit der Hand über dem Mitteltunnel zu rühren, der muss mit dem sDrive20i vorliebnehmen. Lediglich das Einstiegsmodell bietet eine manuelle Sechsgangschaltung. Aber ehrlich gesagt verrichtet der Automat seine Arbeit so sauber und schnell, dass es keine Not tut mit den großen Schaltwippen zu spielen. Einzig vielleicht, um dieses Rennwagen-Feeling zu bekommen. Denn BMW-typisch wird auch beim M40i auf das automatische Schalten verzichtet, wenn der Pilot den Motor in den Begrenzer jagt. Nur über die Paddles kann der festhängende Drehzahlmesser wieder befreit werden. Das alles geschieht in der Regel dann, wenn die adaptiven Dämpfer entsprechend dem Fahrprogramm Sport oder Sport Plus gestrafft sind und der Pilot es genießt, tief in die Sportintegralsitze eingesogen zu sein.

Einfach mal entspannt

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Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit 340 PS.

(Foto: BMW)

Aber die Fahrt im offenen Bolide aus München geht auch anders. Gut, seine sportliche Note verliert er nie ganz. Weder beim Fahrwerk noch bei der Intonation seiner Leistungsdaten. Selbst im Comfort Modus kann er laut und gibt sich sportlich straff. Aber die zwei Insassen haben nicht mehr das Gefühl, ganz ans Limit gehen zu müssen. Ans Limit will man ohnehin nicht wenn man das Stoffdach in zehn Sekunden gelupft hat und sich fröhlich den Wind durch das Haupthaar wehen lässt. Wer mit offenem Verdeck tatsächlich auf 180 km/h und mehr beschleunigt, der sollte nicht vergessen das Windschott zwischen die Überrollbügel zu klemmen, wird aber schnell feststellen, dass es mehr Spaß macht kurvenreiche Landstraßen zu durcheilen, als Rundenrekorde auf der Nordschleife aufzustellen.

Natürlich wird der Purist jetzt sagen: "Was brauche ich dann einen M40i?" Braucht man nicht! Richtig. Aber dieser Reihen-Sechszylinder ist all das, was es im Zuge des allgegenwärtigen Downsizings nicht mehr gibt. Kraftvolles Ausdrehen ohne angestrengt zu wirken, Leistung bis in den Begrenzer und ein klangvolles Orchester, das es versteht, einem Hühnerhaut auf die Unterarme zu zaubern. Wer die Entspannung auf den Höhepunkt treiben will, der lässt Spur- und Lenkassistent die Arbeit machen und genießt einmal mehr die Frischluft. Doch Achtung, wen der Hafer wieder sticht, der sollte nicht vergessen, sich in allen Punkten zum Herr über den Roadster aufzuschwingen. Andernfalls fasst das System, kaum hat es eine Seitenlinie erkannt, unaufgefordert und zu allem entschlossen in das Volant.

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Nicht jedem gefällt das neue Cockpit von BMW. Dem Autor taugt es.

(Foto: BMW)

Werfen wir noch einen Blick auf den Verbrauch. Wer die Mischbereifung auf Höchsttemperatur bringt und schwarze Streifen auf den Asphalt malt, der wird natürlich im zweistelligen Bereich unterwegs sein. Wer hingegen den 281 Liter fassenden Kofferraum befüllt hat und sich fahrtechnisch auf den Kurzurlaub einstimmt, der hat gute Chancen sich dem Datenblattwert von 7,4 Litern zu nähern. Realistisch dürfte sich der Verbrauch aber um die 9,0 Liter einpegeln, was angesichts des oben geschilderten absolut in Ordnung geht.

Quelle: n-tv.de

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