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Da kommt noch was Kia Ceed - ein kleiner Stinger?

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Kia sagt dem neuen Ceed eine Ähnlichkeit mit dem Stinger nach.

(Foto: Holger Preiss)

Kia schickt mit dem neuen Ceed die dritte Generation seines Kompakten ins Rennen. Als echter Europäer präsentiert sich der Koreaner und will mit neuen Motoren, erweiterten Assistenzsystemen und geschärftem Fahrwerk vor allem junge Dynamiker locken.

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LED-Licht an Front und Heck gehört zu den neuen Standards beim Kia Ceed.

(Foto: Holger Preiss)

Nicht nur Hyundai, auch die Tochtermarke Kia betont gerne ihre europäischen Wurzeln. Deshalb hat sich das Marketing für den Ceed in der dritten Generation auch gleich eine flotte Übersetzung ausgedacht: Community of Europe, with European Design, CEED eben. Klar, auch 2018 wird die Marke Kia aus dem Headquarter in Seoul geführt. Aber nichtsdestotrotz legen die Koreaner Wert darauf, dass es sich beim Ceed, wie beim Hyundai i30, um ein primär in Europa entwickeltes Auto handelt. In Frankfurt gezeichnet, in Rüsselsheim entwickelt und in der Slowakei produziert. Nun könnten böse Zungen behaupten, dass der neue Ceed ja nichts weiter ist als der schon erwähnte i30 in einem anderen Kleid. Ja, das ist richtig, aber beim Skoda Octavia handelt es sich genau genommen auch nur um einen VW Golf.

Kein kleiner Stinger

Insofern ist bei den Koreanern wie bei den Deutschen die Basis gleich. Die Optik ist natürlich eine andere. Kia betont bei der Fahrpräsentation vehement die Nähe zum viertürigen Sportcoupé Stinger. Das ist nachvollziehbar, denn der Stachel hat tief ins Premiumfleisch gestochen. Aber bei aller Liebe, der Ceed ist ein Kompakter, der durchaus sportlich heranrollt, aber von einem Stinger so weit entfernt ist wie eine Mercedes A-Klasse von einem GT. Ja, die Linie wurde gestreckt, die Überhänge an der Front gekürzt, am Heck verlängert und die Dachlinie fällt deutlicher ab als beim Vorgänger. Das macht den Ceed aber ebenso wenig zu einem Stinger wie das neue Vier-Augen-Tagfahrlicht, das jetzt in die Frontscheinwerfer gewandert ist, ihn zu einem Porsche werden lässt.

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Neue Sitze und die größte Beinfreiheit in seiner Klasse bietet der Kia Ceed.

(Foto: Holger Preiss)

Doch wie dem auch sei, Kia hat den Ceed recht sportlich abgestimmt, um sich so ein wenig vom i30 abzusetzen. Inwieweit das tatsächlich so ist, müsste ein direkter Vergleich zeigen. Das Konzept der Radaufhängung ist jedenfalls gleich geblieben: Mehrlenkerachse hinten mit Stabilisatoren und MacPherson-Federbeinen vorne. Um dennoch einen besseren Kurvenlauf zu garantieren, wurde die Federrate an der Vorderradaufhängung um 40 Prozent erhöht und die Verwindungssteifigkeit der Stabilisatoren um 22 Prozent reduziert. In der Praxis heißt das, dass der Ceed deutlich neutraler ums Eck zieht und das Untersteuern weitgehend unterlässt.

Hinzu kommt eine direktere Lenkung. In Zahlen gesprochen heißt dass, dass das Übersetzungsverhältnis 17 Prozent niedriger ist als beim Vorgänger. Lediglich 2,44 Lenkradumdrehungen sind von Anschlag zu Anschlag nötig, was es durchaus möglich macht, den Ceed mit Schwung über einen Kart-Bahn-Kurs an der Rennstrecke im portugiesischen Portimao zu steuern. Aber auch im Straßenverkehr kommt dem sportlichen Fahrer diese Einstellung entgegen. Der kompakte Koreaner lässt sich auch hier sehr agil und präzise ums Eck führen. Wer dem noch einen draufsetzen möchte, der stellt den Fahrmodischalter auf Sport. Im Vergleich zu "Normal" wird die Gaskennlinie etwas schärfer, die Gänge werden beim Automatikgetriebe weiter ausgedreht und die ohnehin angenehm direkte Lenkung strafft sich.

Feines unter der Haube

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Der neue 1,4 Liter T-GDI im Kia Ceed.

(Foto: Kia)

Damit sind wir auch gleich bei den neuen Motoren. Ein 1,4-Liter-Benziner mit 140 PS und ein 1,6-Liter-Diesel mit 136 PS sorgen in Verbindung mit einem über sieben Stufen schaltenden Doppelkupplungsgetriebe für den Vortrieb. Und das machen sie so ordentlich, dass man sich im Zusammenspiel mit dem überarbeiteten Fahrwerk eine i30N-Variante im Kia-Stil wünschen würde. Die wird es vorerst nicht geben, aber eine GT-Variante mit mehr PS haben die Verantwortlichen schon in Aussicht gestellt. In Aussicht gestellt ist für das kommende Jahr auch ein Mild-Hybrid-Diesel mit 48-Volt-Technologie.

Doch wir schweifen ab. Zurück zum Benziner. Der reißt mit 242 Newtonmetern maximalem Drehmoment nicht den Asphalt auf, erfreut aber im Zusammenspiel mit der Automatik durch eine sehr gepflegte Kraftentfaltung. Beim beherzten Tritt auf den Pinsel geht es direkt nach vorne, ohne dass die Drehzahlen gehetzt in die Höhe gehen. Das ist umso erstaunlicher, als die Geräuschentwicklung gerade in solchen Momenten sehr verhalten bleibt. Packen wir das Ganze ä in Zahlen, ergibt sich folgendes Bild: Der Sprint auf Tempo 100 ist in 8,9 Sekunden abgeschlossen und der Lauf der Tachonadel findet bei Tempo 210 sein Ende. Den Verbrauch für den 1.4 T-GDI gibt Kia nach WLTP korreliert mit den NEFZ-Wert mit 5,9 Liter an. Traumhaft? Ja! Bei der ersten Testfahrt standen am Ende 7,6 Liter auf der Uhr.

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Mit 395 Litern Kofferraumvolumen liegt der Kia Ceed in der Klasse vorne.

(Foto: Kia)

Werfen wir einen Blick auf den Diesel, der natürlich wie alle neuen Motoren die Euro-6d-Temp-Abgasnorm erfüllt. Den 1,6 GDI gibt es in zwei Leistungsstufen: mit 115 PS und den schon genannten 136 PS. Interessanter ist letztgenannte Variante, denn nur die gibt es mit dem schon besungenen Doppelkupplungsgetriebe. Auch hier ist die Gangart leichtfüßig, die Kraftverteilung der 280 Newtonmeter unaufgeregt und der Vortrieb mit 9,9 Sekunden auf Landstraßentempo durchaus ausreichend. Mit Blick auf den Verbrauch muss auch niemand knurrig werden außer dem Triebwerk in der Anlaufphase. Bei sehr flotter Gangart rauschen knapp sieben Liter durch die Schläuche; wer den Gasfuß im Zaum hält, sollte es mit mindestens einem Liter weniger über 100 Kilometer schaffen.

Klar strukturiert und gut verarbeitet

Egal, ob Benziner oder Diesel, der Fahrer sitzt in angenehm straffen, gut ausgeformten Sitzen und hat das Geschehen dank eines klar gegliederten Cockpits bestens im Blick. Klassische Rundinstrumente zeigen Tempo und Drehzahl an, das über der Mittelkonsole aufragende maximal 8 Zoll große Infotainmentsystem ist Anzeigefläche und Steuerzentrale für das Navi mit Echtzeitnavigation oder das Audiosystem. Das alles wurde mit Soft-Touch-Materialien sowie Oberflächen in Metall- und Chromoptik schick verpackt und machte auch qualitativ einen guten Eindruck.

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Aufgeräumter Innenraum im Kia Ceed mit einer ganzen Reihe neuer Assistenten.

(Foto: Holger Preiss)

Einen guten Eindruck machen auf der ersten Ausfahrt auch die neuen Assistenzsysteme. Bereits in Serie ist der Ceed mit Frontkollisionswarner mit Notbremsassistent, aktivem Spurhalteassistent, Fernlichtassistent und Müdigkeitswarner ausgestattet. Je nach Ausstattung kommen noch Spurwechselassistent, Querverkehrswarner und Verkehrszeichenerkennung hinzu. Ebenfalls optional sind der Stauassistent, die adaptive Geschwindigkeitsregelung und das intelligente Parksystem. Wer sich die Hütte so richtig vollkracht und dann auch noch elektrische verstellbare Sitze mit Belüftung und Heizung haben will, der muss für den oben genannten Benziner 30.790 Euro bereithalten und für den Diesel gar 34.690 Euro. Puristen steigen in den neuen Ceed ab 15.990 Euro ein. Da gibt es dann aber auch nur einen 1,4-Liter-Sauger mit 100 PS.

Natürlich wird es den Ceed auch wieder als SW, also als Kombi geben. Wer aber etwas stylischer unterwegs sein möchte, der sollte sich bis September gedulden. Dann wird Kia den Ceed als Shooting Brake präsentieren. Die Studie, die 2017 auf der IAA gezeigt wurde, gab ja bereits einen Ausblick. Das der Jagdwagen natürlich so nicht kommen wird, dürfte klar sein. Schließlich baut das Teil auf dem auf, was mit Hatchback und Kombi vorgegeben ist. Ergo wird die lange Motorhaube ebenso fehlen wie die 22-Zoll-Räder. Doch wie dem auch sei, man darf gespannt sein, was die Designer unter Thomas Bürkle und Peter Schreyer gezaubert haben.

Quelle: n-tv.de

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