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Sparsam wie sonst keiner? Mazda CX-30 mit Diesel-Otto im Praxistest

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Der Mazda CX-30 mit Skyactive-X-Triebwerk soll als Benziner fast so sparsam wie ein Diesel sein.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn ein Autohersteller seinen ganz eigenen Weg geht, dann ist es Mazda. Mit dem Skyactive-X hat er nach eigenen Aussagen ein Benzin-Triebwerk mit den Vorzügen eines Diesels am Start. Ob das wirklich an dem ist, soll ein Test mit dem CX-30 ergeben.

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Der Mazda CX-30 fährt als schickes SUV-Coupé zwischen CX-3 und CX-5.

(Foto: Holger Preiss)

Man muss nicht verstehen, wo der Mazda CX-30 sich positioniert. Ob er die dynamische Form des CX-3 ist oder der kleine sportliche Bruder des CX-5. Fakt ist, dass den Japanern auch mit diesem Fahrzeug, das in China bereits seit geraumer Zeit als CX-4 fährt, ein extrem schickes SUV-Coupé gelungen ist. Erstmals vorgestellt auf dem Genfer Autosalon im März 2019, macht das knapp 4,40 Meter lange Kompakt-SUV im Kodo-Design jedenfalls die sportlichste Figur in der CX-Reihe. Mazda selbst verortet das Modell bei jenen Kunden, die "kompakte urbane Abmessungen mit Praktikabilität verbinden wollen".

Weniger ist mehr

Und tatsächlich: Der CX-30 ist dort zu Hause, wo das Prinzip "Weniger ist mehr" zum Tragen kommt. Das gilt nicht nur für das schon angesprochene Außendesign, sondern setzt sich im Innenraum fort. Auch hier verzichtet Mazda auf digitalen Übermut, bleibt bescheiden bei analogen Rundinstrumenten und einem 8,8 Zoll großen Monitor, der mittig auf dem Dashboard angeordnet in seiner Trapez-Form einzigartig ist und entgegen allen Trends auf die Bedienung per Touch verzichtet. Mazda setzt auch hier auf den traditionellen Dreh-Drücksteller. Das ist nicht schlecht, denn das Stellrad hat feine Druckpunkte, was auch für alle Knöpfe im Auto und rund um das gesamte Multimediasystem gilt.

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Die Sportsitze des Mazda CX-30 saugen den Fahrer förmlich an.

(Foto: Holger Preiss)

Leider ist die Menüführung nicht wirklich intuitiv. Auch der Umstand, dass, wenn das Smartphone über Apple CarPlay als Navi fungiert, sich die Lautstärke der Routen-Führerin nicht steuern lässt und die einem während des Telefonats unablässig ins Gespräch brüllt, ist unschön. Überhaupt hat das System so seine liebe Not mit der Darbietung von zwei Medien. So weigert sich das Head-up-Display, wenn das Handy-Navi läuft, zum Beispiel die Verkehrszeichen auszulesen und die Richtgeschwindigkeiten ins Sichtfeld des Fahrers zu projizieren. Wird hingegen die hauseigene Navigation genutzt, funktioniert das ganz hervorragend.

Inszeniert gut aufgeräumt

Hervorragend sind auch die sportlich straffen Polster und die Verarbeitung im Innenraum. Hier gibt es keinen Grund zur Klage und neben den obligaten Becherhaltern ist unterhalb der horizontal und vertikal verstellbaren Mittelarmlehne auch noch ein induktives Ladefeld für entsprechende Smartphones zu finden. In den Türinnentaschen verschwinden auch größere Flaschen und im Himmel gibt es ein Brillenfach, was dann auch die Frage nach der Ablage für das Binokel klärt. Das alles ist auch noch sehr ansehnlich inszeniert und wer will, kann sämtliche Öffnungen in der Mittelkonsole mit entsprechenden Abdeckungen verschließen.

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Der Kofferraum ist mit 430 Litern nicht üppig, für den Urlaub zu zweit aber ausreichend bemessen.

(Foto: Holger Preiss)

Der Kofferraum macht mit 430 bis 1406 Litern Stauraum aus dem CX-30 ein Familienauto mit Einschränkungen. Denn auch in der zweiten Reihe ist das Platzangebot für größere Menschen eher bescheiden. Kinder hingegen dürften sich nicht beengt fühlen. Klar, wer größere Urlaubsfahrten mit entsprechender Beladung plant, der fährt mit einem CX-5 besser. Aber das sei hier nur am Rande erwähnt, denn das ist keine Problematik, die nur ein CX-30 in dieser Klasse hat und damit auch nicht einzigartig.

Einzigartig: der Diesel-Otto

Einzigartig ist aber das neue Triebwerk, der Skyactive-X-Motor, den die Japaner auch für den CX-30 anbieten. Mazda verspricht hier den "ersten Serien-Benzinmotor, der die Verbrennung wie ein Dieseltriebwerk mittels Kompressionszündung einleitet". Das hört sich vielversprechend an, denn das Brennverfahren - Spark Plug Controlled Compression Ignition (SPCCI) - soll die Vorteile eines konventionellen Benzinmotors mit der Effizienz eines Dieselmotors vereinen. Also hohes Drehmoment und sparsam im Verbrauch. In der Praxis stellt sich das dann allerdings etwas anders dar. Dabei sind die Datenblattwerte eine echte Ansage: Aus dem bekannten 2.0-Liter-Vierzylinder werden 180 PS geschöpft und ein maximales Drehmoment von 224 Newtonmeter generiert. Der Standardsprint gelingt mit Allradantrieb in 8,9 Sekunden und in der Spitze sind 204 km/h möglich.

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Obgleich der Mazda CX-30 eine echt sportliche Figur macht, ist er mit Skyactive-X-Triebwerk kein Dynamiker.

(Foto: Holger Preiss)

Das alles entspricht der Wahrheit, hat aber seine Einschränkungen. Während das Triebwerk unten raus noch spürbar anschiebt, wird es mit zunehmender Geschwindigkeit zäh. Das ist umso ärgerlicher, weil Mazda auch hier das neue Mild Hybrid System verbaut hat. Das wiederum soll die beim Bremsen gewonnene Energie nutzen, um den Motor beim Beschleunigen zu unterstützen. Und dennoch will ein spontaner Antritt aus den oberen Gängen partout nicht gelingen. Auch dann nicht, wenn der wirklich knackige Handschalter flott durch die Gassen geschoben wird. Geht es bis 160 km/h noch ordentlich voran, braucht es für den Rest bis zum Vmax Geduld, wenn man denn den Schaltempfehlungen folgt. Wer die ignoriert und sich traut, die Gänge auszudrehen, wird ab etwa 4000 Kurbelwellenumdrehungen noch mal einen deutlichen Schub spüren. Wer also den Zwischensprint auf der Autobahn einlegen möchte, der darf keine Angst vor hohen Drehzahlen haben.

Sparsam wie ein Diesel?

Ebenso sollte er dann mutig dem Spritverbrauch entgegensehen. Der lag im Test nämlich im Drittelmix bei 8,5 Litern über 100 Kilometer. Das ist kein schlechter Wert für einen 180 PS starken Benziner, steht aber in einem krassen Widerspruch zu den versprochenen "Diesel-Werten", die das Datenblatt mit 6,5 Litern (WLTP) verspricht. Grund ist, dass der Motor bei Vollast wie jeder andere Benziner mit einem normalen Kraftstoff-Luft-Gemisch und der daraus resultierenden Fremdzündung unterwegs ist. Doch selbst bei sehr verhaltener Fahrweise bringt man den Verbrauch im Schnitt nicht unter sieben Liter.

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Der Innenraum des Mazda CX-30 ist ohne viele Schnörkel schick und richtig gut verarbeitet.

(Foto: Holger Preiss)

Nun mag man den Verbrauch auf die Topografie, die widrigen Witterungsbedingungen oder die Langstrecke schieben. Aber gerade unter der Maßgabe, dass von Mazda selbst für das Skyactive-X-Triebwerk Dieselmaßstäbe angesetzt werden, müsste er vor allem im Dauerlauf punkten. Und genau das tut er nicht. Der Verbrauch unterscheidet sich hier im Praxistest kaum von herkömmlichen Vierzylinder-Benzinern mit ähnlichen Leistungsangaben. Auffällig ist lediglich, dass deren Ansprechverhalten deutlich spontaner ist.

Bitte kein Starkregen

Ansonsten gibt es an einem CX-30 aber nichts auszusetzen. Das Fahrwerk ist straff und dennoch komfortabel beim Überlaufen des asphaltierten Ungemachs. Die Lenkung arbeitet präzise und der Allradantrieb hält den Japaner bei flotten Kurvenfahrten in der Spur und schiebt ihn problemlos vereiste Anstiege hoch. Ebenso gut funktionieren die kleinen Helferlein, die Mazda für den CX-30 in Form eines Spurhalteassistenten und Abstandstempomat, steuerbar über die Lenkradtasten, bereitstellt oder aber auch der Totwinkelwarner. Lediglich bei Starkregen auf der Autobahn mussten die Systeme des Testwagens zweimal die Segel streichen. Ansonsten taten sie eben das, was die Namen versprechen.

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Das Skyactive-X-Triebwerk des Mazda CX-30 ist einzigartig im Autobau.

(Foto: Holger Preiss)

Wer mit dem CX-30 Skyactive-X liebäugelt, der sollte mindestens 27.290 Euro für den Fronttriebler bereithalten. Dafür gibt es aber neben dem Diesel-Otto-Motor auch noch das Navi mit neuem 3D-Beschleunigungssensor, der die Routenführung auch bei schlechtem GPS-Empfang gewährleistet, und das Standard-Audiosystem von Bose mit acht Lautsprechern. Die sollen übrigens auch die Summe aus Motor-, Abroll- und Windgeräuschen zu einer ganz "natürlichen Soundqualität" werden lassen. Ein Versprechen, das auf langen Autobahnstrecken auch nicht in Gänze nachvollzogen werden konnte.

DATENBLATTMazda CX-30 Skyactive-X 2.0 M Hybrid AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,39 m/ 1,80 m/ 1,54 m
Radstand2,65 m
Leergewicht (DIN)1479 - 1505 kg
Anhängelast (gebremst - 12%)1300 kg
Sitzplätze5
EmissionsklasseEU 6d-Temp
Motor/HubraumR4-Turbobenziner mit 1998 ccm Hubraum
GetriebeSechsgang Handschalter
Leistung180 PS (132 kW) bei 6000 U/min
KraftstoffartBenzin
Tankinhalt48 Liter
Kofferraum430 / 1406 Liter
Höchstgeschwindigkeit204 km/h
max. Drehmoment224 bei 3000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,2 s
Normverbrauch (kombiniert) WLTP5,6 l
Testverbrauch8,5 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch nach NEFZ)
128 g/km
Grundpreis31.490 Euro
Preis des Testwagens35.789 Euro

 

Fazit: Der Mazda CX-30 ist ein extrem schicker Zeitgenosse. Wer hier nicht die totale Sportlichkeit erwartet, wird vieles finden, was das SUV-Coupé zu einem richtig guten Auto macht. Ob man sich für den Skyactive-X-Motor entscheidet, hängt dann aber sehr von der mentalen Veranlagung des Piloten ab. Wer die spontane Beschleunigung liebt, sollte tunlichst die Finger davon lassen. Wer aber die Herausforderung beim effizienten Fahren sucht und einen einzigartigen Motor für den Vortrieb haben möchte, der ist hier genau richtig.

Quelle: ntv.de