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Von Sport- und Sparfreunden Mercedes C-Klasse mit 6500 neuen Teilen

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Auf den ersten Blick mag man der C-Klasse ihre Neuerungen nicht ansehen, aber es gibt etliche.

(Foto: Daniel Maurer)

Bei einem Facelift handelt es sich in der Regel um feine Retuschen an einem Fahrzeug. Mercedes hat bei der neuen C-Klasse aber mal so richtig aufgeräumt. Nicht optisch, aber innerlich. Und da gibt es einige echte Überraschungen.

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Der neue 1,5-Liter-Vierzylinder wird von einem 48-Volt-Startergenerator unterstützt.

(Foto: Daniel Maurer)

Insgesamt 6500 Teile hat Mercedes für das Facelift der neuen C-Klasse ausgetauscht. "Das ist mehr, als je bei einem anderen Modell gemacht wurde", erklärt Christian Früh, Entwicklungschef der Baureihe. Gemeint ist hierbei die Weiterentwicklung des Designs ebenso wie die neuen aerodynamischen Leichtmetallräder und das neue Soundsystem mit neun Lautsprechern und einer Leistung von 225 Watt, das sich zwischen das Standardsystem und die Burmester-Anlage einreiht. Auch die optional erhältlichen LED-High-Performance-Scheinwerfer und die Multibeam-LED fallen unter diese Rechnung. Letztlich ist es schier unmöglich, jede Schraube aufzuzählen und deshalb sollen an dieser Stelle nur die wesentlichen Veränderungen Erwähnung finden.

Neuer 1,5-Liter-Vierzylinder

Wichtigste Neuerung sind selbstredend die Antriebsaggregate. Ganz neu und für Mercedes in der C-Klasse eher untypisch ist ein 1,5-Liter-Vierzylinder, der mithilfe eines 48-Volt-Systems mit riemengetriebenem Starter-Generator eine Nennleistung von 198 PS zur Verfügung stellt. Das maximale Drehmoment beträgt im Zusammenspiel der beiden Komponenten 440 Newtonmeter, die wahlweise an die Hinterachse oder an alle vier Räder geleitet werden können. Für den Sprint auf Landstraßentempo stehen 7,7 Sekunden im Datenblatt und die Spitzengeschwindigkeit wird je nach Modell mit 235 bis 239 km/h angegeben.

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Fahrwerk und Lenkung gefallen bei allen gefahrenen Mercedes C-Modellen.

(Foto: Daniel Maurer)

In dieser Kombination verspricht Mercedes mehr Agilität und einen geringeren Kraftstoffverbrauch für den C 200 sowie das schnelle Erreichen der Zieldrehzahl für einen effizienten Schaltvorgang. Im Fahrbetrieb stellt sich das dann aber doch ein wenig anders dar. Um die hohe Leistung zur Verfügung stellen zu können, muss der Motor weit ausdrehen. Das wiederum geschieht vor allem bei aktiver Leistungsabforderung, also entweder bei einem beherzten Tritt aufs Gaspedal oder bei der Überwindung entsprechender Steigungen. Hier klingt der Benziner dann recht angestrengt und zeigt sich auch nicht wirklich von der sportlichen Seite.

Etwas hastig unterwegs

Um genügend Kraft zur Verfügung zu stellen, muss die Neungangautomatik sehr hastig die Schaltstufen wechseln und befindet sich so in einem ständigen Auf und Ab. Zugegeben, das geht recht schnell, wirkt aber in Kooperation mit den hohen Drehzahlen nicht besonders souverän. Hinzu kommt, dass der Verbrauch sich genau dadurch nicht im Bereich der im Datenblatt versprochenen 6,8 Liter bewegt, sondern an der 9,0-Liter-Marke kratzt. Was man dem Motor hingegen nicht absprechen kann, ist sein Laufruhe beim Cruisen. Wer also keine sportlichen Ambitionen hat, profitiert vom möglichen Segelbetrieb bei ausgeschaltetem Motor und der Rekuperation, wenn der Wagen rollt. Für eine veritable Angabe bezüglich der dadurch möglichen Spritersparnis reichte die Testfahrt allerdings nicht. Im Zusammenspiel mit der neuen Zylinderlaufbahn, die durch eine sogenannte Trompetenhonung - die Zylinderlaufbahn weitet sich nach unten - eine deutlich reduzierte Reibung hat, könnte hier aber noch einiges zu erwarten sein. Ein Praxistest auf n-tv.de wird hoffentlich bald Klarheit bringen. Preislich steigt der C 200 bei knapp 40.000 Euro ein.

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Unter der Haube des C 300 arbeitet die Zweiliter-Variante des neuen M 256.

(Foto: Daniel Maurer)

Neu ist auch die Zweiliter-Variante des neuen M 256. Hier arbeitet das Triebwerk allerdings ohne 48-Volt-Unterstützung, gibt sich aber mit 258 PS und 370 Newtonmetern maximalem Drehmoment wesentlich antrittsstärker und spontaner in der Kraftentwicklung als der 1,5-Liter-Benziner. Zudem verzichtet die Neungang-Automatik hier auf das nervöse Hoch- und Runterschalten. In knapp sechs Sekunden sprinten Limousine, Kombi, Cabrio oder Coupé mit dem Triebwerk an der 100-km/h-Marke vorbei und erreichen in der Spitze unisono Tempo 250. Als Sparwunder erwies sich der 2,0-Liter-Benziner aber auch nicht. Wer sich etwas Spaß bei der Ausfahrt gönnt, wird sich mit Verbrauchswerten im zweistelligen Bereich und einem Einstiegspreis von 44.000 Euro anfreunden müssen.

Sport- und Sparfreund

Auch der potenteste Vertreter der C-Klasse, der AMG C 43, ist kein Kostverächter. In Affalterbach hat man dem ohnehin druckvollen V6 durch eine veränderte Geometrie der Turbolader noch einmal 23 PS zusätzlich verpasst. Am Stammtisch ist jetzt also die Zahl 390 verbindlich. Das maximale Drehmoment von 520 Newtonmetern bleibt hingegen erhalten und auch die hecklastige Auslegung im Verhältnis 31 Prozent vorn und 69 Prozent hinten wurde nicht verändert. Das hat zur Folge, dass der Gang ums Eck weiter von einem lustvollen Schwänzeln begleitet ist, der Affalterbacher Bolide sich aber - je nach Fahrmodus - unter lautem Prusten und Husten aus den Endrohren dank Allradantrieb wieder souverän geradestellt. Ein Sound übrigens, der den neuen Reihensechszylindern leider völlig fremd ist. Nach wie vor überzeugt der V6-Kraftprotz durch seine präzise Lenkung, ein Sportfahrwerk, das auch die Spielart Komfort beherrscht, und wunderbare Sportsitze. Allerdings kostet der flotte Luxus auch gleich 61.850 Euro.

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Der AMG C 43 fährt jetzt mit 390 PS vor.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Neu sind auch die Dieseltriebwerke in der C-Klasse. Im C 180 d, C 200 d und im C 220 d arbeitet jetzt der OM 654 D16, respektive D20. Um es gleich vorwegzunehmen: Diese Motoren haben nichts mit den momentan in der Kritik stehenden Triebwerken zu tun. Bei denen handelt sich um den OM 651. Als wirklich effizient und durchaus ausreichend präsentierte sich der 220 d. Mit 194 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern schiebt der Diesel souverän an, benötigt knapp sieben Sekunden für den Standardsprint und bringt es je nach Modell, während die Neungangautomatik sanft nach oben schaltet, auf eine Endgeschwindigkeit von 233 bis 240 km/h.

Keine Werte für den Nürburgring, aber durchaus Eigenschaften, die auf Konditionsstärke beim Langlauf wetten lassen. Auf der kurzen Ausfahrt begnügte sich der 220 d mit einem Wert knapp acht Litern, wurde aber auf der Autobahnpassage auch nicht geschont und lag am Ende knapp einen Liter über dem Datenblattwert. Den C 220 d gibt es ab 42.330 Euro.

Autonom ums Eck

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Hier das volldigitale Instrumenten-Display mit der Einstellung "Classic".

(Foto: Andreas Lindlahr)

Was alle C-Klasse-Modelle nach dem Facelift eint, ist die Anhebung der Austattung auf E- und S-Klasse-Niveau. Dazu gehört das Multifunktionslenkrad mit den Touchpads ebenso wie die umfangreiche Ausstattung an Assistenten. Verbesserte Kamera- und Radarsysteme machen ein vorausschauendes Sehen von bis zu 500 Meter möglich. 90 Meter davon sogar in 3D. Dank der Nutzung von Karten- und Navigationsdaten kann der Abstands-Assistent in vielen Situationen streckenbasiert unterstützen. So wird zum Beispiel die Geschwindigkeit an Kurven und Kreuzungen automatisch angepasst.

Dabei unterscheidet das System übrigens in der Fahrweise durchaus die Modi. In Sport wird die Kurve deutlich flotter durchlaufen als in der Comfort- oder Eco-Einstellung. Ebenfalls optional verfügbar sind ein aktiver Spurwechsel- und der aktive Nothalte-Assistent. In Summe ließen die Funktionen keine Wünsche offen und verrichteten ihre Arbeit mit großer Präzision. Unaufmerksam sollte der Fahrer dennoch nicht werden. Ist nämlich ein Kreisverkehr nicht im Kartenmaterial hinterlegt, will der Mercedes den gerade durchlaufen. Bremsmanöver verlaufen hingegen angenehm weich, lange nicht so abrupt wie bei einigen Konkurrenzmodellen.

Neu in der C-Klasse ist auch das 12,3 Zoll große volldigitale Instrumenten-Display. Das gibt es allerdings nur gegen einen entsprechenden Aufpreis. Dafür gibt es dann aber auch drei Screendesigns: "Classic", "Sport" und "Progressive". Neu ist auch das Lenkrad in der C-Klasse, das jetzt über Touch Control Buttons verfügt, die auf Wischbewegungen des Daumens reagieren. Neu ist auch die Bedienung der Distronic und des Tempomaten über das Lenkrad. Das ist genau so, wie man es inzwischen aus E- und S-Klasse kennt. In Summe hat die C-Klasse also deutlich gewonnen und dürfte, was technische Innovationen betrifft, für die nächsten Jahre wieder vorne mitfahren.

Quelle: ntv.de

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