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Der Neue ist etwas schärfer Mercedes CLS - schön sportlich getrieben

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Wer es beim Mercedes CLS scharf haben will, der kann sich zwischen Pfeffer und Tabasco entscheiden. Oder anders gesagt, zwischen Mild Hybrid Diesel oder Sechszylinder AMG.

(Foto: Daniel Maurer)

An sich ist das Facelift des neuen CLS eher verhalten. Doch wer genau hinguckt, erkennt die neue Schärfe. Die manifestiert sich dann auch unter der Haube. Entweder als sparsamer Dynamiker oder als krasse Sportskanone von AMG - ihre Vorzüge haben beide.

Als Mercedes auf der IAA im Jahr 2003 den Vision CLS auf die Bühne fuhr, ging ein Raunen durch die Presse. Hatten die Stuttgarter doch mit der viertürigen Coupé-Studie praktisch eine neue Fahrzeugkategorie geschaffen. Da stand erstmals ein Auto, das die Eleganz und Dynamik eines Coupés hatte, aber auch mit dem Komfort und der Funktionalität einer Limousine glänzen konnte. Bis heute wurden über drei Generationen mehr als 450.000 Exemplare verkauft, wobei die Kundschaft in China nicht nur den Hauptanteil hat, sondern mit 30 bis 35 Jahren auch gut 25 Jahre jünger ist als das hiesige Publikum.

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Beim Mercedes CLS AMG beschränken sich die Veränderungen auf die Frontpartie, das Heck ist das alte.

(Foto: Daniel Maurer)

Doch egal wie alt die Kundschaft ist, mit dem aktuellen Facelift soll wieder eins deutlich werden: Der CLS ist nicht nur schön und funktional, der ist auch eine Sportskanone. Optisch gibt es dafür im Kühlergrill den "Star-Pattern-Look", dessen Mitte mit dem mächtigen Mercedes-Stern, sozusagen als zentralem Himmelskörper, geadelt wird. Auch die Lufteinlässe in den Stoßfängern sind neu und die Heckschürze ziert nun ein Einsatz in Diffusor-Optik. Noch einen Zacken schärfer präsentiert sich das bei dem AMG-Modell mit Panamericana Grill sowie Diffusor mit Finnen und doppelten Endrohren. Allerdings weiß der Kenner, dass das Heck nicht neu ist.

Der Diesel-Neuzugang

Doch das alles bliebe natürlich nur Schall und Rauch, wenn nicht potente Treibsätze vergessen machen würden, dass Scheinwerfer, Rückleuchten und auch das Blechkleid beim Facelift unangetastet blieben. Der interessanteste Neuzugang unter der Haube dürfte dann auch der Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit integriertem Starter-Generator und 48-Volt-Mildhybridtechnik sein. Der Vierender löst den bis dato unschlagbaren Reihen-Sechszylinder Diesel ab, der mit 286 PS und 600 Newtonmetern Drehmoment nicht nur ein Kraftprotz war, sondern auch ein Sparwunder.

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Der CLS 300 d trägt in der Front den Sternengrill.

(Foto: Daniel Maurer)

Der nunmehr als 300 d 4Matic eingepreiste Diesel leistet 265 PS und erhält bei Bedarf Unterstützung von einem 20 PS starken Elektromotor. Für das Drehmoment heißt das, dass der doppelt aufgeladene Vierender bereits allein 550 Newtonmeter stemmt. Und das bereits ab 1800 Kurbelwellenumdrehungen. Wird das ISG bei Leistungsbedarf angefordert, gibt es weitere 200 Newtonmeter obendrauf. Und so schieben im Bedarfsfall 750 Newtonmeter an. Das stete Wechselspiel bleibt dem Fahrer und auch den Insassen stets verborgen, weil es unmerklich im Hintergrund abläuft. Genau wie der Start des Wagens, der wie das Anfahren ebenfalls vom ISG unterstützt wird.

Und weil das alles so unmerklich passiert, kann das ISG natürlich auch rekuperieren und sorgt dafür, dass Motor und Getriebe beim "Segeln" getrennt werden. All das macht den CLS sparsam. Kaum mehr als 6,8 Liter liefen auf einer ersten Probefahrt durch die Schläuche. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, schon weil die sportliche Optik angesprochen wurde, dass der moderne Selbstzünder auch recht sportlich kann. Aus den Startlöchern getrieben, steht nach 6,4 Sekunden die digitale Tachonadel auf der 100 und wer es wissen will, der schiebt den C 300 d locker auf die Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h.

Volle Power

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Richtig sportlich fährt sich natürlich der AMG CLS 53 mit Allradantrieb.

(Foto: Daniel Maurer)

Und das kann man mit dem Sport-Coupé auch fahren, denn der Stuttgarter liegt wie gehabt satt auf der Straße, folgt beflissen den Lenkbefehlen und zuckt nicht, wenn man ihn hart einbremst, um ihn dann folgerichtig spitz in die Kehre zu schicken. Aber wer das alles natürlich noch einen Tick besser kann, ist der AMG CLS 53 4Matic. Ihn treibt der gleiche Reihen-Sechszylinder-Benziner an, der auch dem CLS 450 Beine macht. Allerdings stehen beim AMG 435 Pferde auf der Koppel und wenn die mit einem Peitschenschlag von eben jener getrieben werden, dann werden 520 Newtonmeter freigesetzt. Auch die liegen bereits ab 1800 Kurbelwellenumdrehungen an. Tempo 100 ist hier in 4,5 Sekunden erreicht und mit Drivers Package wird der Bursche aus Affalterbach gar 270 km/h schnell.

Aber das ist gar nicht das Beeindruckende. Viel überraschender ist, mit welcher Stabilität und bei welchen Geschwindigkeiten sich die Coupé-Limousine in den Kurven hält. Mit welch kleinen Lenkeinschlägen die Radien gefahren werden und wie einfach die Fahrmodiwahl mit den Drehreglern am neuen Lenkrad geworden ist. An der Zahl sind es zwei: Das linke öffnet auf Wunsch die Auspuffklappen und lässt den 53er die altbekannte und wohlklingende AMG-Hymne anstimmen, das rechte Drehrädchen hindert bei Snow die Räder am Durchdrehen und sorgt bei Race für ein fast völlig entkoppeltes ESP und auf Wunsch kernige Drifteinlagen. Natürlich hat gerade dieser Spaßfaktor seinen Preis. Zum einen gehen hier über 100 Kilometer mal locker drei Liter mehr durch die Schläuche als beim Milde-Hybrid-Diesel und im Anschaffungspreis muss man auf die 67.187 Euro für den Diesel noch mal knapp 20.000 Euro draufpacken.

Auf Wunsch limitiert

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Der Innenraum im CLS ist nicht neu, aber immer noch schick.

(Foto: Daniel Maurer)

Während man den Preis veratmet, kann man sich noch einmal im Innenraum umsehen. Aber nur, um festzustellen, dass sich hier zum Vorgänger nichts geändert hat. Na ja, also das Lenkrad im Diesel ist das aus der S-Klasse und das im AMG hatten wir schon besprochen. Zudem gibt es neue Zierteile, zusätzliches Leder und ein Softwareupdate. Das sorgt dafür, dass die Fahrassistenzsysteme und das Multimediasystem (MBUX) jetzt auf dem neuesten Stand sind. Wer jetzt aber darauf hofft, dass sich auch das wirklich schöne und mächtige Head-up-Display, das in der neuen C-Klasse zum Einsatz kommt, in der Scheibe des CLS spiegelt, der muss enttäuscht werden. Die Platzverhältnisse hinter dem Cockpit reichen aktuell einfach nicht aus, um die dafür nötige Technik zu verbauen.

Wer dennoch einen ganz besonderen AMG haben möchte, der kann sich eines von 300 Editions-Modellen sichern. Da gibt es zur Lackierung in Kaschmirweiß Magno oder Selenitgrau Magno auch noch Rennstreifen über den Seitenschwellern, 20-Zoll-Leichtmetallräder schwarz lackiert mit glanzgedrehtem Felgenhorn, das Night-Paket, also viel Schwarz, zweifarbiges Nappaleder für die Sitze und den AMG-Schriftzug auf der Mittelkonsole. Allerdings dürfte das gute Stück preislich dann auch an den 100.000 Euro kratzen.

Quelle: ntv.de

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