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Keiner für alle Mini JCW GP - limitiertes Track-Monster

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Hier ist der Mini John Cooper Works GP zu Hause, auf der Rennstrecke. Nur dort kann er seine Gene wirklich ausleben.

(Foto: Bernhard Filser)

Es gab ihn bereits zwei Mal, den Mini John Cooper Works GP, 2006 und 2013. Jetzt kehrt er zurück, in einer auf 3000 Stück limitierten Auflage. Doch mit den Vorgängern hat der Mini-Bolide nur den Namen gemein.

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Der Mini John Cooper Works GP beschleunigt in 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und wird bis zu 265 km/h schnell.

(Foto: Bernhard Filser)

Dass der Mini John Cooper Works die Leistungsspitze der gar nicht mehr so kleinen Mini-Familie ist, ist kein Geheimnis. Auch nicht, dass die letzte Ausbaustufe mit 306 PS das bis dato stärkste jemals für den Straßenverkehr zugelassene Modell der Briten ist. Aber die Zeit ist vergänglich und schon ist ein Leistungsbruder mit dem Kürzel GP erschaffen, der den muskulösen Bruder noch einmal deutlich überflügelt. Dabei sind die Grundlagen des auf 3000 Exemplare limitierten Mini John Cooper Works GP, so sein vollständiger Name, die gleichen wie beim JCW.

Befeuert wird der ausschließlich in Oxford produzierte, auf dem Mini 3-Türer basierende GP von einem 306 PS starken Vierzylinder-Turbomotor. Allerdings beschleunigt der die Fuhre in nur 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und nicht wie der größere und schwerere JCW in 4,9 Sekunden. Das ist Makulatur, denkt der Laie, aber der Sportfahrer weiß, dass das auf dem Rundkurs Strecke ist und davon nicht wenig. Aber die macht der auf der L.A. Auto Show erstmals vorgestellte GP dank einiger wesentlicher Modifikationen wieder gut, wie n-tv.de auf dem BMW-Trainingsgelände in Palm Springs bereits erfahren durfte.

Alles für den Racetrack

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Der Strebenrahmen sorgt für mehr Steifigkeit.

(Foto: Mini)

Im Gegensatz zu dem alltagstauglichen Viertürer wurde bei der GP-Version zum Beispiel die Tunnelquerbrücke durch eine massive Abstützung für den ebenfalls modifizierten Hinterachsträger ersetzt. Zudem wurde ein Strebenrahmen verbaut. Das wiederum schafft die Voraussetzung für eine auf höchste Querbeschleunigung ausgelegte Fahrwerksabstimmung. Das ist es dann auch, was den JCW GP wieder deutlich näher an das legendäre Go-Kart-Feeling bringt.

Um die Agilität zu steigern, wurde zudem die Spurweite vergrößert und der Aufbau gegenüber dem Mini JCW noch mal 10 Millimeter tiefergelegt. Damit der GP aber so richtig in die Kurven stechen kann, haben die Ingenieure die Schwenklager neu konzipiert und konnten so die Sturzwerte nicht nur an den Hinterrädern, sondern auch an den Vorderrädern erhöhen. "Was in Summe das Potenzial zur Übertragung von Seitenführungskräften bei dynamischen Kurvenfahrten steigert", erklärt Fahrwerksentwickler Jürgen Metz, lässt die Sportbremsanlage richtig arbeiten und sticht auf dem Track in Palm Springs spitz in die erste Kehre.

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Das doppelte Endrohr des Mini John Cooper Work GP garantiert echten Rennstrecken-Sound.

(Foto: Mini)

Und während der Ritt von der "vom Rennsport inspirierten Soundausprägung" untermalt wird, ist der Autor ganz froh, dass der GP nicht über Kopfsteinpflaster oder erbarmungslose Querfugen hämmert, sondern sich seine Semi-Slicks von Hankook in den gut temperierten Rennasphalt in Kalifornien krallen. Denn eins steht fest: Die speziell auf den Rundkurs abgestimmten Zusatzfedern, Dämpfer und Stabilisatoren sind im Alltagsbetrieb nichts für Weicheier. Der Mini JCW GP macht nämlich keinen Hehl daraus, woher seine Gene stammen und wo seine Präferenzen liegen. Das macht sich auch bei der reduzierten Akustikdämmung bemerkbar, die den Wagen ebenfalls weit von dem entfernt, was man inzwischen von einem Mini gewohnt ist.

Das Gefühl des Ursprünglichen

Insofern scheint in Anbetracht der Tatsache, dass der Wagen auf die schon erwähnten 3000 Exemplare reduziert ist und für Deutschland lediglich 350 Stück der Flitzer zu einem Preis von 45.000 Euro zum Verkauf stehen, die Frage gestattet, ob es ein solches Auto überhaupt braucht und ob das nicht in einem krassen Widerspruch zu dem auf der IAA vorgestellten Elektro Mini steht, der ja auch bei den Briten unter BMW-Ägide eine Zeitenwende einläuten soll. "Mitnichten", so Mini-Chef Bernd Körber. "Bevor John Cooper vor 60 Jahren den Classic Mini erschuf, war er Konstrukteur in der Formel 1, was dazu führte, dass er auch mit dem Mini immer wieder für sportliche Highlights auf der Straße und der Rennstrecke sorgte."

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Drei Generationen Mini John Cooper Works GP.

(Foto: Mini)

Natürlich hat sich der Mini dem Zeitgeist und vor allem dem Verlangen nach mehr Raum angepasst. Stellt man einen Classic Mini heute neben einen Mini Clubman, hat man das Gefühl, Letztgenannter würde den Ahnen problemlos in sich aufnehmen können. Aber damit nicht genug: Auch die Verbindlichkeiten des Fahrwerks wurden an die wachsenden Ansprüche angepasst und führten eben am Ende dazu, dass das Go-Kart-Feeling deutlich in den Hintergrund rückte. Nicht, dass ein Mini heute nicht mehr sportlich zu fahren sei, "aber mit den GP-Modellen wollten wir etwas von diesem ursprünglichen Gefühl an die Kunden, die etwas Extremes wollen, zurückgeben", erklärt Körber.

Einmal geschah das, als im Jahr 2006 erstmals der Mini Cooper S mit John Cooper Works GP Kit angeboten und dann im Jahr 2013, als der Mini John Cooper Works GP aufgelegt wurde. Beide Serien waren seinerzeit bereits auf 2000 Stück limitiert und fuhren mit 218 PS starken Turbomotoren, spezifischer Fahrwerkstechnik und exklusivem Design zu den Käufern. Doch waren die 218 Pferde damals in der Klasse bereits eine Ansage, sind die 306 PS, die der 2,0-Liter-Vierzylinder mit TwinPower Turbo heute zur Verfügung stellt, noch mal ein ganz anderes Kaliber. Modellspezifisch wurden hier nämlich eine verstärkte Kurbelwelle mit größerem Hauptlager-Durchmesser, spezifische Kolben, buchsenlose Pleuel sowie ein neuer Torsionsschwingungsdämpfer mit optimierter Kühlung verbaut. Zudem hat der GP im Vergleich zum John Cooper Works einen neu entwickelten Turbolader. Der ist in den Abgaskrümmer integriert und mit einem Schubumluftventil ausgestattet, was dazu führt, dass Gaspedalbefehle deutlich direkter umgesetzt werden. Hinzu kommt, dass aufgrund des erhöhten Ladedrucks das Verdichtungsverhältnis des Motors von 10,2 im Mini John Cooper Works auf 9,5 reduziert wurde.

Nachteile des Frontantriebs ausgebügelt

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Der Innenraum des Mini John Cooper Works GP wirkt weniger puristisch als erwartet.

(Foto: Mini)

In Zahlen heißt das, dass der Vierzylinder bereits bei einer Drehzahl von 1750 Umdrehungen pro Minute sein maximales Drehmoment von 450 Newtonmetern hat und das auch bis 4500 Kurbelwellenumdrehungen hält. Dank dieser hohen Elastizität soll der GP "beim Zwischenspurt auch Sportwagen aus höheren Fahrzeugklassen hinter sich lassen", so Mini. Das konnte auf dem Track nicht ausprobiert werden, scheint aber angesichts der Tatsache, dass die 306 PS zwischen 5000 und 6250 Umdrehungen anliegen und bei einem Vmax von 265 km/h nicht unwahrscheinlich.

Nun hat der GP aber gegenüber dem allradgetriebenen John Cooper Works den Nachteil des Frontantriebs. Um den auf dem Track zu eliminieren, musste die 8-Gang-Automatik und die integrierte Differenzialsperre auf das hohe Drehmoment abgestimmt werden. Nur so kann die mechanische Differenzialsperre bei besonders dynamischen Kurvenfahrten für eine die Traktion fördernde Verteilung des Antriebsmoments zwischen den beiden Vorderrädern sorgen. Unter Lastanforderung kann eine Sperrwirkung von bis zu 31 Prozent erzeugt werden. Wobei die mechanische Sperre einem Traktionsverlust sowohl bei unterschiedlichen Reibwerten als auch bei einer Drehzahldifferenz zwischen den Antriebsrädern entgegenwirkt. Dafür wird mehr Kraft an das Rad mit der besseren Haftung geleitet und die Tendenz zum Über- oder Untersteuern verringert.

Die Hälfte ist schon verkauft

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Die Nummerierung für den Mini John Cooper Works GP ist in der Radlaufblende aufgebracht.

(Foto: Mini)

Aber was wäre so ein Pisten-Bolide wie der Mini John Cooper Works GP ohne eine optimierte Aerodynamik? Weniger. Deswegen wurde dem Briten auch ein mächtiger Heckspoiler mit doppelter Flügelkontur angeheftet. An der Frontschürzen-Einfassung sorgen ein Blackband und eine Spoilerlippe für entsprechenden Abtrieb. Hinzu kommen die aus carbonfaserverstärktem Kunststoff gefertigten Radlaufblenden, die zum einen den Einsatz einer großen Spurweite und breitere 18-Zoll-Räder ermöglichen, zum anderen die Luftführung im Seitenbereich des GP optimieren.

Wer jetzt mit dem Gedanken spielt, sich einen Mini John Cooper Works GP zuzulegen, der muss schnell sein. Denn "die Hälfte der Fahrzeuge ist schon verkauft", sagt Mini-Chef Körber. "Und es gibt auch keine Möglichkeit, die Stückzahlen zu erhöhen. Wir sind sozusagen mit der Homologation genau am Stichtag gewesen. So wie der GP jetzt fährt, wird er nie wieder gebaut werden können. Zudem sind die Produktionskapazitäten für den Wagen mit 3000 Stück bis an die Grenze ausgeschöpft." Am Ende erhält man also mit dem GP nicht nur ein tracktaugliches Auto, sondern auch noch ein Kleinod, das perspektivisch im Wert steigen dürfte. Ach übrigens: die individuelle Nummerierung mit den Ziffernfolgen 0001 bis 3000 wird in einem neu entwickelten Lacktransfer-Verfahren auf die Oberflächen der vorderen Radlaufblenden aufgebracht.

Quelle: n-tv.de