Praxistest

Im Praxistest nicht ausgedreht Kia XCeed - Widerspruch und Understatement

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Wer sich beim Anblick des Kia XCeed an den Mercedes GLA erinnert fühlt, der liegt wohl nicht ganz falsch.

(Foto: Holger Preiss)

Kia ist aus dem Schatten der großen Hyundai-Mutter herausgetreten und überrascht immer wieder mit neuen Modellen. So auch mit dem XCeed, einem schicken Crossover, dessen Ausstattung aber mit Bedacht gewählt werden sollte, wie der Praxistest auf n-tv.de nahelegt.

Betrachtet man das Portfolio von Kia scheint es, als wollten die Koreaner Mercedes Konkurrenz machen. Das gilt nicht für alle Segmente, aber bei den Kompakten, speziell der Ceed-Reihe. Nicht nur, dass man hier einen ProCeed anbietet, ein Auto, das auf eine preiswerte Weise locker einem CLA Shooting Brake das Wasser reichen kann, jetzt gibt es auch noch einen XCeed. Einen Crossover, der wohl auch nicht von ungefähr an einen Mercedes GLA erinnert. Nun ja, an den Verblichenen. Der Neue hat mit dem X 156, der im Jahr 2013 erstmals vorgestellt wurde, nicht mehr allzu viel am Hut.

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Optisch ist der Kia XCeed voll auf Sport getrimmt. Aber Achtung, das verspricht mehr als der 1,4 T-GDI halten kann.

(Foto: Holger Preiss)

Doch wie dem auch sei, der Strich ist dem des alten Stuttgarters sehr ähnlich, ohne aber Gefahr zu laufen, mit diesem verwechselt zu werden. Der Kia XCeed bleibt hier eigenständig und sieht, wie der ProCeed, auch nach längerem Hingucken echt schick aus. Klar eine Großraumlimousine ist der Koreaner nicht, aber die ist auch ein GLA nicht. Wie beim Schwaben muss man sich schon mit etwas Geschick in das sportliche SUV winden, wo man dann auch von den Sportsitzen gleich ordentlich gepackt wird. Hier im Winter mit dicker Jacke zu sitzen, macht echt keinen Spaß. Tut aber auch keine Not, denn die Polster in der ersten Reihe sind ebenso beheizt, wie das belederte Lenkrad.

Erstmals volldigital

Durch das blickt der XCeed-Fahrer übrigens erstmals in dieser Reihe auf ein 12,3 Zoll großes volldigitales Display mit einer brillanten Auflösung. Viele Spielmöglichkeiten bietet das schicke Teil allerdings nicht. Die Aufteilung ist fix und viel abzulesen gibt es auch nicht, da der Handschalter auf einen Großteil der möglichen Assistenten verzichten muss. Doch lassen wir den Blick noch einmal aufmerksam durch den Innenraum schweifen. Das Interieur gleicht denen der anderen Ceed-Modelle. Wie dort gibt es reichlich Soft-Touch-Oberflächen und Applikationen, die das Ambiente aufwerten.

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Mit dem volldigitalen Display und dem großen TFT in der Mittelkonsole macht auch der Arbeitsplatz des Fahrers im Kia XCeed einiges her.

(Foto: Holger Preiss)

Im Falle des Testwagens, der in der Launch Edition vorfuhr, wurde hier noch eine Schippe drauf gepackt. Da gibt es gelb eloxierte Einsätze für das Armaturenbrett, gelbe Kontrastnähte in den vorderen Türverkleidungen sowie auf den Polstern. Zudem sind bei dieser Sonderausführung der Dachhimmel und die Säulenverkleidungen schwarz. Im Normalfall sind sie, wie üblich, Grau. Zudem gibt es für Fetischisten von Hoheitszeichen den XCeed-Schriftzug auf der Tunnelkonsole und außen an der C-Säule.

Setzen wir uns schnell noch auf die Rückbank. Der Autor, weil nicht hoch gewachsen, ist mit dem Platz für Knie und Kopf ganz zufrieden. Allerdings dürfte das Sitzen im Fond nicht mehr so vergnüglich werden, wenn Menschen über 1,85 Meter in der ersten oder zweiten Reihe Platz nehmen. Die einen müssen den Sitz zurückschieben, die anderen stoßen dann mit Knie und Kopf an die Grenzen des XCeed. Der Kofferraum schluckt im Normalfall 426 Liter, was übrigens fünf Liter mehr sind als beim GLA. Kurz, auch bei den Maßen ist der Koreaner dicht an den Werten des Schwaben. Was wiederum bedeutet, dass sich der Koreaner für normal große Menschen durchaus als alternative zu einem GLA empfiehlt. Allerdings dürfen die Ansprüche an Raum und Zuladung nicht übermäßig groß sein.

Etwas trocken in den Gassen

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Die Sitze sind sportlich eng im Kia XCeed. Die gelben Steppnähte sind allerdings der Sonderausstattung der Launch Edition vorbehalten.

(Foto: Holger Preiss)

Befeuert wird der Testwagen von dem auch in den anderen Kia- und Hyundai-Modellen werkelnden 1,4 T-GDI. Also jener Turbo-Benziner, der aus 1353 ccm Hubraum 140 PS schöpft und ein maximales Drehmoment von 242 Newtonmetern an die Vorderräder schickt. Der Wert lässt schon vermuten, dass hier keine sportlichen Höchstleistungen zu erwarten sind. Im Standardsprint dauert es dann auch knapp neun Sekunden, bis die Fuhre auf Landstraßentempo beschleunigt ist. Auch das überrascht nicht und geht prinzipiell in Ordnung. Wären da nicht zwei Knackpunkte, die ein Gefühl der Unstimmigkeit erzeugen. Da ist das mehr als straffe Fahrwerk, das geradezu einen Rennstrecken-Trimm vermuten lässt, und eine dem völlig konträr laufende manuelle Sechsgangschaltung.

Spätestens bei flotten Gangwechseln wird deutlich, dass die recht trocken, fast schon etwas staubig durch die Gassen knorpelt. Hinzu kommt, und auch das ist alles andere als sportlich, dass die Drehzahl für den Begrenzer mit 6500 Umdrehungen angegeben ist. Ein Bereich, in den man den Zeiger des Drehzahlmessers aber beim besten Willen nicht bewegen wird. Was bedeutet, dass auch die 140 Pferde kaum auf die Koppel zu treiben sind, denn freigelassen werden die erst ab 6000 Kurbelwellenumdrehungen. Die eigentümliche Getriebeabstimmung und der scheinbar eingebremste Benziner stehen einem sportlichen Ausritt also ganz klar entgegen. Das hat zur Folge, dass vor allem in den höheren Gängen, also von vier bis sechs, eine recht gleichmäßige, aber nie spontane Leistungsentfaltung zustande kommt.

Wer auf der Autobahn ab 160 Stundenkilometer noch mal beschleunigen will, um zum Überholen anzusetzen, wird enttäuscht sein, dass hier beim Vortrieb kaum etwas passiert. Selbst dann nicht, wenn der dritten Gang bemüht wird. Für effizientes Fahren sieht die Schaltempfehlung ohnehin den Wechsel bei knapp 2000 Umdrehungen in die nächsthöhere Stufe vor. Nun gut, mit viel Geduld und Spucke hat der XCeed dann irgendwann an der 190er-Marke gekratzt, aber mehr ist nur zu erwarten, wenn es bergab geht. Dann steht die Tachonadel tatsächlich mal auf der 200, die auch das Datenblatt als Höchstgeschwindigkeit verspricht.

Lieber mit Automatik

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Das volle Programm an helfenden Assistenten gibt es im Kia XCeed erst mit dem Automatikgetriebe.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn nicht schon hier, dann spätestens im Stau wünscht sich der Fahrer, das Doppelkupplungsgetriebe, dass Kia auch für den XCeed anbietet. Das kostet 1600 Euro extra, schaltet aber über sieben Stufen und lässt sich mit einem adaptiven Abstandstempomaten und einem ebensolchen Radar verbandeln. Für den Handschalter gibt es das nicht, würde auch kaum Sinn machen, obgleich man den sechsten Gang so ewig lang übersetzt hat, dass er eigentlich ab Tempo 50 einlegt werden kann. Nun könnte man mutmaßen, dass Motor und Handschalter bei dieser zurückhaltenden Auslegung besonders spritsparend wären. Der Kia genehmigt sich im Test durchschnittlich 8,5 Liter, was im Drittelmix mit einem erhöhten Anteil an Stadtfahrten durchaus in Ordnung geht, aber auch keine Offenbarung ist.

Nun möge man das hier gesungene Klagelied nicht missverstehen. Der 1,4 T-GDL ist ein ordentliches Triebwerk. Es steht nur so konträr zu dem optischen Aufschlag und dem was das Fahrwerk des Kia XCeed verspricht. Wie gesagt, die Koreaner haben das schon recht straff abgestimmt. Das heißt nicht, dass man mit dauerhaften Schlägen ins Kreuz fertig werden muss, aber schnell aufeinanderfolgende, vielleicht noch leicht verschränkte Unebenheiten im Asphalt, versetzen den Aufbau schon ordentlich in Bewegung. Andererseits kann man mit dem XCeed genau deswegen auch mal eine Kurve durchfliegen, wo die weicheren Straßengenossen schnell über die Vorderachse schieben. Was der XCeed dann aber aufgrund seiner Fahrwerksabstimmung gar nicht mag, sind schnelle und beschwingte Wechselkurven. Auch hier beginnt der Unterbau deutlich zu arbeiten.

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Mit 426 Litern Kofferraumvolumen ist der Stauraum des XCeed nicht gerade üppig bemessen.

(Foto: Holger Preiss)

Dafür reagiert der XCeed präzise auf die ihm gegebenen Lenkbefehle und vermittelt nie das Gefühl, jetzt selbst die Richtung bestimmen zu wollen. Das ist ein großer Pluspunkt, gerade weil man den Asiaten ja gerne nachsagt, dass die Lenkung nicht das Gelbe vom Ei ist. Das Gelbe vom Ei ist übrigens der 10,25 Zoll große TFT auf der Mittelkonsole. Nicht nur das er Bluetooth-Mehrfachverbindungen ermöglicht, er kann auch per Split-Screen-Funktion in drei Teile zerlegt werden. Allerdings ist die Bedienung nicht in allen Belangen selbsterklärend.

Ein Blick auf die Ausstattung lohnt sich

Man muss schon etwas Zeit investieren, um hinter einzelne Geheimnisse des Systems zu kommen. Ist das aber geglückt, erfreut das Display mit zahlreichen Informationen. Denn der Bildschirm ist auch die Schnittstelle zum neuen Online-Dienst Kia UVO Connect. Der wiederum liefert Echtzeitinformationen und über eine App gesteuerte Fernbedienungsfunktionen. Das ist ebenso schick wie das neue Navigationssystem, das nicht nur Stauumfahrungen in Echtzeit bietet, sondern auch vor Kameras am Straßenrand warnt. Und das mit einer erstaunlich hohen Trefferquote. Wenn also auf dem Monitor die Geschwindigkeitsbegrenzung zuckt und es aus dem JBL-Boxen piepst, sollte der Fuß schnell vom Gas genommen werden.

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(Foto: Holger Preiss)

Reden wir noch kurz über die Kosten. Kia verlangt für eine XCeed 1,4 T-GDL mit manuellem Sechsganggetriebe 22.390 Euro. Und dafür gibt es, neben den sieben Jahren Garantie, dann auch noch sechs Airbags, einen aktiven Spurhalteassistenten, LED-Scheinwerfer, Bluetooth-Fernsprecheinrichtung und einen Fernlichtassistenten. Umso mehr verwundert es, dass der Testwagen mit großem TFT, JBL-Soundanlage und den farblichen Akzenten der Launch Edition dann schon 31.980 Euro kostet. Die eindeutige Empfehlung ist an dieser Stelle, lieber in das Doppelkupplungsgetriebe, den 204 PS starken Benziner und in die entsprechenden Helferlein für ein angenehmeres Fahren zu investieren. Ein solches Paket gibt es nämlich schon ab 30.290 Euro.

DATENBLATTKia XCeed 1,4 T-GDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,39 m/ 1,83 m/ 1,48 m
Radstand2,65 m
Leergewicht (DIN)1345 - 1481 kg
Anhängelast (gebremst - 12%)1410 kg
Sitzplätze5
EmissionsklasseEU 6d-Temp
Motor/HubraumR4-Turbobenziner mit 1353 ccm Hubraum
GetriebeSechsgang Handschalter
Leistung140 PS (103 kW) bei 6000 U/min
KraftstoffartBenzin
Tankinhalt50 Liter
Kofferraum594 / 1545 Liter
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
max. Drehmoment242 bei 1500-3200 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,4 s
Normverbrauch (kombiniert) NEFZ6,2 l
Testverbrauch8,5 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch nach NEFZ)
142 - 137 g/km
Grundpreis22.390 Euro
Preis des Testwagens31.980 Euro

Fazit: Wer der durchaus sportlichen Ausstrahlung eines Kia XCeed erliegt, sollte sich überlegen, ob er der Optik nicht noch mit einem entsprechenden Triebwerk und einem Schaltautomaten auf die Sprünge hilft. Dann jedenfalls kann man mit dem gut verarbeiteten und sieben Jahre Garantie bietenden Koreaner eigentlich nichts verkehrt machen. Und außerdem fährt man dann das schnittigste Understatement zu einem Mercedes GLA der ersten Generation.

Quelle: ntv.de