Unterhaltung

"Dream again" Michalsky: Weniger ist mehr

mm1.JPG

Wusste schon als Kind, was er mal werden will: Michael Michalsky.

Michael Michalsky - der Name steht für Qualität aus Berlin. Im Rahmen der Fashion Week zeigt der Designer wieder, was Haute Couture für ihn bedeutet. "Dream Again" heißt seine neueste Kollektion. Mit n-tv.de spricht der 51-Jährige über seine Stilikonen, seine Träume und den Anspruch, den er an sich selbst hat.

n-tv.de: Haute Couture - das hebt sich von den anderen Designern, die auf der Fashion Week in Berlin vertreten sind, schon ein bisschen ab, oder?

Michael Michalsky: Ja, das heißt aber nicht, dass ich mich von den anderen total abgrenzen will. Ich habe ja schon immer meine eigene Offsite Show gemacht, aber aus dem einfachen Grund, weil es von Anfang an, als ich mich selbstständig gemacht habe - vor 12 Jahren um genau zu sein  - noch gar keine Fashion Week in Berlin gab. Damals durfte ich meine erste Fashionshow im Roten Rathaus machen. Mir ist immer ganz wichtig, meine Mode nicht als klassische Modenschau zu inszenieren. Ich wollte zum Beispiele, dass Männer und Frauen zusammen auf dem Catwalk sind …

Was viele andere ja ebenfalls machen …

Ja, jetzt, inzwischen (lacht), jetzt machen das alle. Früher war das fast ein Skandal, aber für mich gehört das zusammen. Es kommt auch auf das Thema an. Es ist wichtig, wie man seine Show inszeniert, in welcher Art und Weise. Auch welche Künstler dort auftreten ist extrem wichtig. Meine Veranstaltung heißt deswegen ja auch "Stylenite" und nicht Fashionshow, weil dem Ganzen ein anderes Konzept zugrunde liegt. Es ist ein popkulturelles Event, das den Zusammenhang von meiner Mode und meiner Inspiration aufzeigen soll. Meine Hauptinspiration ist natürlich Musik.

Dieses Mal ist es Charlie Winston …

Ja, auf den freu ich mich sehr. Er hat ja ein neues Album. Was ich an ihm mag ist sein Look und seine Einstellung. Er ist ein ganz individueller Typ. Toller Vocalist, tolle Texte, also sehr inspirierend für mich. Und irgendwie passt er auch zu meiner Kollektion.

Warum?

Meine Kollektion heißt "Dream Again" – und bei so guter Musik kann man eben auch gut träumen. Aber um nochmal auf die Fashion Week und die anderen Designer zurückzukommen: Ich will mich da gar nicht künstlich fernhalten, ich supporte meine Kollegen wo ich kann. Und vor allem: Ich bin der größte Verfechter des Modestandorts Berlin. Ich erkläre allen, warum das hier ganz toll ist! 

Warum ist es hier denn ganz toll?

A7R07441.jpg

Der Meister bei der Arbeit.

Wenn ich das mal auf meine Kollektion beziehen darf: Zum Beispiel, weil ein Kleidungsstück von mir etwas ganz Einzigartiges wäre, weil es in einem Meisterbetrieb hergestellt wird, weil die Stoffe unglaublich hochwertig sind und weil man dann eine ganz andere Beziehung zu dem Produkt hat. Das wird ein Lieblingsstück. Der Träger schätzt die Leistung des Designers. Und die Handwerkskunst.

Haben wir zu viele Klamotten?

Das ist die Frage der Fragen: Als ich mich vor vier Jahren dazu entschieden habe, Atelier Michalsky zu gründen und kein Ready To Wear mehr zu machen, weil ich das als radikalen Gegenentwurf zur Alltagsmode machen wollte. Unser Konsumverhalten hat sich verändert in den letzten Jahren. Als ich ein Teenager war, da habe ich auf ein spezielles Stück gespart und bin in eine Boutique gegangen. Heute rennen die Teenies alle in die Billigläden und kaufen tütenweise neue Sachen. Und es ist ihnen egal ob sie die Dinge überhaupt jemals tragen. Ich habe damals gehofft, dass mein Objekt der Begierde im Schlussverkauf noch da ist (lacht). Und dann hat man sich dermaßen gefreut. Man hat das mehr wertgeschätzt. Und das versuche ich jetzt mit Atelier Michalsky wieder.

Wir haben aber zu viel, oder? Ich war gerade auf dem Flohmarkt, und da wird um jeden Euro gefeilscht …

Wir haben sicher zu viel, aber ich liebe Mode, ich mach' das seit 26 Jahren. Wir müssen die Menschen aber ein bisschen erziehen.

Ganz sanft …

Ja, aber es hat sich eben viel verändert. Wir bestellen Mode online, da hätte ich früher im Traum nicht dran gedacht. Es ist bequem. Früher saßen bei Modenschauen auch nur Einkäufer und Journalisten, also das Fachpublikum. Dann kamen die Celebrities dazu, weil sie tolle Markenbotschafter sind. Und jetzt sind alle da mit Handys, und die Fotos gelangen ins Internet. Das alles gehört zur Demokratisierung der Mode, und das befürworte ich natürlich. Menschen sollten sich nur mal wirklich Gedanken darüber machen, dass eine Jeans nicht 3,99 Euro kosten kann, das geht einfach nicht. Ich glaube aber, dass gerade ein Umdenken stattfindet. Das funktioniert bei Lebensmitteln ja auch schon, es gibt so tolle Bio-Märkte.

Ihre Devise lautet also …

… weniger konsumieren dafür hochwertiger, dann hat man auch länger etwas davon. Ich habe natürlich eine andere Beziehung zu Kleidung, aber ich trage natürlich auch nicht nur Designer-T-Shirts. Die Mischung macht's.

Wer ist Ihr Style-Vorbild?

Das ist ganz klar Karl Lagerfeld. Ohne den wäre ich nicht Designer geworden. Mit 13 habe ich eine Reportage  von Wiebke Bruhns im "Stern" gelesen, über Karls Arbeit als Chefdesigner bei Chloé. Und das hat mich so fasziniert, dass ich beschlossen habe, das auch zu tun. Und ehrlich gesagt fasziniert er mich noch heute. Er ist so lang in der Branche und hat immer noch neue Ideen. Ich bewundere ihn.

Wen finden Sie gut angezogen?

Meine Alltime-Favourites sind Iris Berben und Kunstsammlerin Julia Stoschek. Diese Frauen stehen im Leben, sind Mütter, arbeiten, haben was zu sagen. Und meine Mutter natürlich. Die kennt zwar niemand, aber sie ist immer gut angezogen, hat Ausstrahlung und sieht einfach fantastisch aus. Sie kommt zu jeder meiner Shows.

Zur Kollektion: Es geht ums Boxen.

Ja, das ist eine Metapher. Auch meine Einladung sieht aus wie ein altes Boxposter.

Die gelungenste Einladung seit langer Zeit, darf ich mal sagen.

Danke. Ja, beim Boxen, da geht es darum, zu kämpfen. Es ist nicht nur eine gewalttätige Auseinandersetzung, sondern man hat ein Ziel, man will gewinnen. Man hat eine lange Vorbereitung. Man muss flexibel sein, agil, man muss taktisch denken, da passiert viel im Kopf. Die Kombination dieser Dinge ist eine Metapher dafür, wie man seine Träume erreichen kann. Außerdem glaube ich – nach einem längeren USA-Aufenthalt – dass Boxen das neue Yoga ist. Außerdem komme ich ja aus der Sportecke.

4afb1b35bdb448d49fbcd8c04e550d26.jpg

Aus dem Team Diversity - Toni geht ihren Weg, da ist ihr Mentor sich sicher.

(Foto: imago/Future Image)

Boxen Sie? Oder sind Sie zumindest beim Boxtraining?

Nee! Aber ich bin für alles offen. Momentan bin ich regelmäßiger Läufer.

Was sind die nächsten Pläne?

(lacht) Nach der Show ein Glas Wein und mit Freunden zusammensitzen. Und dann mal sehen. Ich habe noch so viel vor.

Wie geht es weiter bei "Germanys Next Top Model"? Thomas Hayo ist ja weg …

Ja leider, aber wir sind eng befreundet. Und ich bin höchsterfreut, dass so viele Mädchen aus verschiedenen Staffeln auf der Fashion Week hier laufen, ich bin ganz stolz, vor allem auf meine Mädchen aus dem Team Diversity (lacht)

Toni zum Beispiel.

Ja, ich wusste von Anfang an, dass die es weit bringen wird. Es braucht zum Top Model eben auch mehr als Schönheit, da gehört noch so vieles mehr dazu.

Das gewisse Etwas?

Ja. Da gucke ich vielleicht anders drauf als andere Designer. Ich suche Vielfalt. Die Person muss mich berühren. Es gibt nicht viele, die ein Kleid mit Leben füllen können. Hübsch allein reicht nicht. Es braucht …

… eine Aura?

Genau. Solche Leute suche ich!

Mit Michael Michalsky sprach Sabine Oelmann

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema