Kino

"Anti-Independence Day" Aliens können auch anders

Regisseur Denis Villeneuve filmt sich schon mal warm für das Reboot des Science-Fiction-Klassikers "Blade Runner". Dabei lässt "Arrival" alles aus, was wir von einem Alien-Film gewöhnlich erwarten. Und das ist großartig.

Man könnte kurz und knackig verkünden, dass "Arrival" der Anti-"Independence Day" ist: leise statt laut, langsam statt schnell, angestrengtes Nachdenken statt spektakulärer Explosionen und eine nerdige Amy Adams anstelle eines sprücheklopfenden, muskelbepackten Will Smith. Allerdings ist "Arrival" vor allem auch der Inbegriff von Anti-kurz-und-knackig. Deshalb: Wenn Sie wissen wollen, was Alien-Filme uns Ende des Jahres 2016 zu sagen haben, setzen Sie sich und nehmen sich einen Keks. "Arrival" hat es wirklich in sich.

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"Verstehen wir uns?" Amy Adams als Linguistin Louise Banks, die die Sprache der schwarzen Kreise verstehen lernen soll.

(Foto: Sony Pictures)

Die Außerirdischen landen - mal wieder - auf der Erde. Das Militär geht - mal wieder - in Stellung. Und - mal wieder - muss ein Mensch, der nicht zum Helden taugt, die Welt retten. Doch hat der kanadische Regisseur Denis Villeneuve ("Prisoners", "Sicario" und gerade entsteht die Fortsetzung von "Blade Runner") diese Ur-Geschichte der "unheimlichen Begegnung", die uns das Kino seit ehedem erzählt, tatsächlich neu erfunden - was an sich schon mindestens fünf Kinotickets wert ist.

Was wollen die Aliens?

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Quentin Tarantino war es, der einst erklärte, dass Filme einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben müssen - "nur nicht in dieser Reihenfolge". Auch "Arrival" zerschlägt die vierte Dimension - und das mit schlafwandlerischer Entspanntheit. Das liegt vor allem an Amy Adams' Louise Banks: eine grüblerische Dozentin der Sprachwissenschaften, die gerufen wird, mit den Außerirdischen zu kommunizieren: "Wo kommen sie her, und was wollen sie?", will Colonel Weber (Forest Whitaker) wissen und schickt Louise und den Physiker Donelly (Jeremy Renner) in eines von zwölf Raumschiffen, das in traumschöner Landschaft in Montana parkt. Ein paar Meter über dem Boden schwebend. Schwarz und perfekt, als habe sich Stanley Kubricks Monolith vom Mondboden gelöst (und sich dabei etwas gebogen). 

Während der Wille zur weltweiten Zusammenarbeit - weitere Raumschiffe schweben unter anderem in China, Russland und Mitteleuropa - die Menschheit vorerst zu einen scheint, werden die Stimmen der "Wir bomben sie zurück ins All"-Politiker immer lauter. Und das selbstredend, bevor irgendjemand verstanden hat, worum es den außerirdischen Besuchern geht.

Reflexion statt Reflexe

In "Arrival" hat Villeneuve alles außer Gefecht gesetzt, was uns das Kino der letzten Jahre als Mainstream-Science-Fiction verkauft hat. Stellvertretend dafür soll die Szene stehen, in der Kampfjets über Louises Kopf wie Reiter der Alien-Apokalypse durch den Himmel rasen. Sie bleibt völlig entspannt stehen und schaut ihnen nach, während die Studenten ihrer Universität das Weite suchen. Dann steigt sie ins Auto und fährt nach Hause. Unaufgeregt.

Auch als sie den fremden Wesen schließlich gegenübersteht, verfällt sie nicht in Hysterie, sondern ist vor allem eines: neugierig. Und komplett offen dafür, etwas Neues zu lernen. Dazu streift sie ihren Schutzanzug ab wie eine Haut der alten Gewohnheiten. Indem sie sich aussetzt, indem sie den Sicherheitsabstand überwindet, kommt sie letztlich ans Ziel.

Diese Frau, diese Vertreterin der Menschheit, gibt alles, um die anderen zu verstehen. Für die, die das nicht wollen, die Bomben ins Raumschiff schmuggeln, bleibt die Kammer des Austausches eine Sackgasse. Vor allem aber haben sie für diese Geschichte keine Bedeutung. Denn am Ende geht es um etwas unfassbar viel Größeres, etwas auf weite Sicht. Reflexion statt Reflexe.

Klingt irgendwie hochaktuell.

"Arrival" startet am 24. November 2016 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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